BRISANT

Zehn Jahre danach : Die Flutbabys von Dresden

Brisant | 13.08.2012 | 17:15 Uhr

Die Jahrhundertflut 2002: Ein Krankenhaus nach dem anderen musste evakuiert werden. In Dresden trotzte nur eine kleine katholische Klinik dem Hochwasser: Das St. Joseph-Stift war der einzige Ort, zu dem sich Hochschwangere flüchten konnten.

Die Ostraallee unweit des Dresdner Zwingers überflutet.

Seit dem Jahr 2002 ist der 13. August in Dresden ein besonders denkwürdiger Tag. An jenem Tag erreichte die Flutkatastrophe in der sächsischen Landeshauptstadt ihren ersten traurigen Höhepunkt. Die Weißeritz, die das Hundertfache der üblichen Wassermenge mit sich führte, wälzte sich durch die Stadt. Um drei Uhr früh begann die Evakuierung der Dresdner Friedrichstadt. Rund drei Stunden später überflutete die Weißeritz den Dresdner Hauptbahnhof. Das Wasser türmte sich hier auf 1,40 Meter.

Nur eine Klinik blieb

Auch viele Krankenhäuser der Stadt mussten geräumt werden. Besonders dramatisch gestaltete sich die Evakuierung des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt. Das 950-Betten-Haus galt bis zum August 2002 als nicht hochwassergefährdet. Es wurde quasi ohne Vorwarnung überflutet. Zunächst von der rund zwei Kilometer entfernten Weißeritz, wenige Tage später von der Elbe. 19 Gebäude waren betroffen, 850 Patienten mussten innerhalb weniger Stunden in Sicherheit gebracht werden. Das Krankenhaus St. Joseph-Stift in Dresden war damals das einzige Krankenhaus, das nicht geschlossen wurde. Es liegt etwas höher und wurde so Zuflucht für viele Hochschwangere. Von anderen Hospitälern wurden Schwangere und Kranke dort hingebracht.

Ausnahmesituation für Ärzte und Schwestern

50 Kinder wurden in den Flutnächten geboren. Es herrschte eine Ausnahmesituation für Ärzte und Schwestern. "Jeder hat mit angefasst", erinnert sich etwa Schwester Isentrud. Dr. Frank Berchtig, der ehemalige Chefarzt der Geburtsstation des St. Joseph-Stift Dresden, hatte damals Dienst. Zur Motivation der Feuerwehrleute führte er die kleine Sophie auf den Balkon des Krankenhauses, die er kurz nach der Gebirt auf dem Arm hielt. Der Arzt bekam spontan Beifall. Das Bild ging anschließend um die Welt.

Die Mutter von Sophie bekam damals von dem ganzen Trubel nichts mit. "Wenn man etwas erfahren hat, dann nur von Bekannten oder Freunden", erinnert sich Marina Urich. Auch von der "Balkonaktion" erfuhr sie erst später, fand die Initiative des Arztes aber toll: "Er  hat mir erzählt, warum er das gemacht hat. Da hatte ich großes Verständnis", sagt Urich.

Vor zehn Jahren: Bilder der Jahrhundertflut an Elbe und Mulde im August 2002

Jahrhundertflut 2002: Uferpromenade Bad Schandau Feuerwehrautos stehen am Elbufer in Pieschen hinter einem Damm aus Sandsäcken Von einem Lkw herunter werden Sandsäcke gefüllt

Am 13. August 2002 wurden Bäche zu reißenden Flüssen, Deiche brachen. Von der Flut betroffen waren auch Kulturgüter, so u.a. der Dresdner Zwinger, die Grimmaer Pöppelmannbrücke, der Park Luisium in Dessau-Wörlitz. [Bilder]


Bilanz: Sechs Milliarden Euro Schaden

Die sogenannte Jahrhundertflut richtete in Sachsen Schäden von mehr als sechs Milliarden Euro an. Nach Rekordregenfällen am 12. August 2002 waren Bäche und kleinere Flüsse zu reißenden Gewässern geworden. Tausende Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört oder beschädigt. Einige Tage später war die Elbe so stark angeschwollen, dass sie weitläufig über die Ufer trat und flussnahe Stadtteile flutete.

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2012, 16:34 Uhr