Peter Madsen in seinem U-Boot
Der Däne Peter Madsen hatte seine 18 Meter lange "Nautilus" selbst entworfen. Er wird verdächtigt, die Schwedin Kim Wall ermordet zu haben. Bildrechte: dpa

Getötete Kim Wall Mordanklage gegen U-Boot-Tüftler Madsen

BRISANT | 25.08.2017 | 17:15 Uhr

Ein gesunkenes U-Boot, ein schillernder Erfinder und eine zerstückelte Frauenleiche: Was wie ein Krimi klingt, ist Realität geworden. Die Journalistin Kim Wall ist tot. Der dänische Tüftler Peter Madsen steht unter Mordverdacht. Staatsanwaltschaft und Polizei rollen außerdem einen bislang ungeklärten Mordfall neu auf. Es gibt offenbar Parallelen zum jetzigen Fall.

Peter Madsen in seinem U-Boot
Der Däne Peter Madsen hatte seine 18 Meter lange "Nautilus" selbst entworfen. Er wird verdächtigt, die Schwedin Kim Wall ermordet zu haben. Bildrechte: dpa

Gegen den dänischen Tüftler Peter Madsen wird, nach dem Tod der schwedischen Journalistin Kim Wall, wegen Mordes und Leichenschändung ermittelt. Ein Polizeisprecher bestätigte, die Staatsanwaltschaft werde aufgrund des starken Verdachts nach Ablauf der Untersuchungshaft am 5. September eine Haftverlängerung wegen dieser Vorwürfe beantragen. Der Vorwurf gründe sich auf den Fund von Walls Oberkörper.

DNA-Test bringt traurige Gewissheit

Am Mittwoch hatten die Ermittler bestätigt, dass die 30-Jährige tot ist. Wie die dänische Polizei mitteilte, handelt es sich bei der Frauenleiche, die an der Küste von Kopenhagen gefunden worden war, eindeutig um die Journalistin Kim Wall. Polizeisprecher Jens Møller Jensen sagte, man habe mit Hilfe einer Zahn- und einer Haarbürste einen DNA-Abgleich machen können. Zudem seien im Privat-U-Boot des Raketenbauers Peter Madsen Blutspuren der Schwedin gefunden worden.

Todesursache noch unklar

Kim Wall
Die schwedische Journalistin Kim Wall wurde getötet. Bildrechte: Tom Wall/AP/dpa

Die Leiche wurde offensichtlich so präpariert, dass sie versinken sollte. Rechtsmediziner hätten festgestellt, dass ursprünglich etwas Metallisches am Körper von Kim Wall befestigt gewesen sei, das die Tote vermutlich am Meeresboden hätte halten sollen. Außerdem seien zahlreiche Verletzungen am Torso festgestellt worden, durch die vermutlich Luft und Gase entweichen sollten, damit ein Auftreiben verhindert wird.

Ein Radfahrer hatte die Leiche der Journalistin am Dienstag entdeckt. Polizeitaucher holten den Körper aus dem Wasser. Zur Todesursache könne man noch keine Angaben machen, sagte der Sprecher weiter. Die Obduktion sei wegen der abgetrennten Gliedmaßen äußerst schwierig. Nach Polizeiangaben handelte es sich um einen Torso.

Wenn ich Torso sage, ist das ein Körper ohne Kopf, Arme und Beine.

Jens Møller Jensen, Polizeisprecher von Kopenhagen

Familie bestürzt

Die Familie der Journalistin reagierte mit Bestürzung auf den Tod Kims. Ihre Mutter Ingrid Wall schrieb auf Facebook: "Mit grenzenloser Traurigkeit und Bestürzung erhielten wir die Nachricht, dass Überreste unserer Tochter und Schwester Kim Wall gefunden wurden. Das Ausmaß der Katastrophe können wir noch nicht ermessen, und viele Fragen müssen noch beantwortet werden."

Staatsanwaltschaft und Polizei rollen Mordfall aus dem Jahr 1986 neu auf

Mehreren Zeitungsberichten zufolge rollt die Kopenhagener Staatsanwaltschaft zusammen mit der Polizei auch einen 30 Jahre alten Mordfall neu auf. Die damals 22-jährige japanische Touristin Kazuko Toyonaga aus Tokio verschwand im Herbst 1986. Teile ihrer Leiche wurden knapp einen Monat später nach dem Zeitpunkt des Verschwindens im Christianshavn-Kannal geunden, also unweit des Fundortes von Kim Walls Torso. Zum Zeitpunkt dieser Tat war Madsen 15 Jahre alt. Toyonagas Killer wurde nie gefunden.

Reportage über Madsen geplant

Wall war von dem dänischen Tüftler Peter Madsen zu einer Fahrt auf dessen U-Boot "Nautilus" eingeladen worden. Die Journalistin war zuletzt am 10. August gesehen worden, wie sie an Bord des Schiffes ging. Sie wollte eine Reportage über den Erfinder schreiben. Was dann passierte, ist unklar. Am selben Tag verschwand das U-Boot. Die dänischen Streitkräfte starteten eine Suchaktion und orteten das Schiff 50 Kilometer südlich von Kopenhagen. Madsen wurde gerettet, das U-Boot sank. Als die Familie der Journalistin sie als vermisst meldete, wurde die Frau an Bord des Schiffes vermutet. Das Fahrzeug wurde geborgen. Von der Schwedin jedoch gab es keine Spur.

Widersprüchliche Aussagen

Zunächst hatte Madsen ausgesagt, er habe die schwedische Journalistin am Abend des 10. August auf der Insel Refshaleöen bei Kopenhagen abgesetzt. Noch bevor der Fund von Walls Torso öffentlich wurde, sagte Madsen aber aus, Wall sei bei einem Unfall an Bord des U-Boots gestorben. Danach habe er die Leiche der Journalistin in der Köge-Bucht über Bord geworfen..

Polizisten inspizieren das geborgene U-Boot Nautilus.
Peter Madsen steht im Verdacht, die "Nautilus" südlich von Kopenhagen absichtlich zum Sinken gebracht zu haben. Dänische Streitkräfte orteten das U-Boot. Die Polizei schleppte es schließlich in den Hafen von Kopenhagen und ließ es für Untersuchungen leer pumpen. Bildrechte: dpa Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. August 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 14:20 Uhr