Ägypten : Mehrere Tote bei Protesten gegen Militärrat
Die tödlichen Krawalle in einem ägyptischen Fußballstadion haben die Gewalt in dem Land neu entfacht. In mehreren Städten protestierten Tausende Menschen gegen den Militärrat. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle forderte diesen zu Konsequenzen auf.
In Ägypten sind am Freitag wieder gewaltsame Proteste aufgeflammt. Medienberichten zufolge kamen dabei mehrere Menschen ums Leben. Nach den schweren Ausschreitungen am Vortag stürmten Demonstranten nun ein Gebäude der Steuerbehörde in Kairo. Laut Sicherheitskreisen flogen Brandbomben, die Eindringlinge hätten Möbel und Akten zerstört. Die Polizei habe Order erhalten, im Umgang mit den Randalierern zurückhaltend zu sein. Schwere Krawalle gab es nicht nur in der ägyptischen Hauptstadt, sondern auch in Alexandria und Suez. Laut Innenministerium wurden seit Donnerstagabend knapp 1.500 Menschen verletzt.
Mehrere Tote aus Kairo und Suez gemeldet
Das Gebäude der Steuerbehörde liegt in der Nähe des Innenministeriums, vor dem die Polizei am Freitag eine wütende Menge zurückdrängte, die mit Steinen warf. Maskierte Demonstranten bahnten sich Wege durch Absperrungen aus Stacheldraht und entzündeten Feuer in einer Straße im Stadtzentrum Kairos. Auf dem Tahrir-Platz versammelten sich Tausende Menschen und riefen Slogans gegen den regierenden Militärrat. Zwei Menschen starben in Kairo, weil sie laut Ärzten Tränengas eingeatmet hatten. Staatliche Medien berichten, ein Demonstrant sei von einem Gummigeschoss tödlich getroffen worden. Außerdem sei ein Soldat gestorben, als ein Militärfahrzeug ihn überrollte. Auch in der rund 140 Kilometer entfernten Stadt Suez gab es erneut Proteste. Dort waren bei Demonstrationen in der Nacht zu Freitag zwei Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.
Tausende demonstrieren gegen Militärrat
Auslöser für die blutigen Ausschreitungen waren die Fußballkrawalle von Mittwoch in Port Said, bei denen mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Demonstranten warfen den Sicherheitskräften vor, nicht eingeschritten zu sein. Andere vermuteten, der Militärrat habe die Gewalt geschehen lassen und die Angreifer sogar bezahlt. Die Militärs wollten Chaos im Land schüren, um ihre Macht zu erhalten. Demokratiegruppen forderten den sofortigen Rückzug des Militärrats und riefen weiter zu Protesten auf.
Ägyptische Kommentatoren weisen aber auch daraufhin, dass die Sicherheitskräfte im Land verunsichert sind. Nach ihrem brutalen Vorgehen bei den Massenprotesten gegen den ehemaligen Machthaber Hosni Mubarak vor einem Jahr seien sie heftig kritisiert worden. Jetzt wüssten sie nicht mehr, was von ihnen erwartet werde.
Westerwelle fordert Konsequenzen nach tödlichen Krawallen
Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte Konsequenzen vom ägyptischen Militärrat. Er sei "bestürzt über die vielen Opfer", sagte der Minister und mahnte zugleich, die Demokratisierung des Landes dürfe nicht infrage gestellt werden. Es sei "ganz entscheidend, dass der Fahrplan für die Übergabe der Verantwortung an zivile Stellen im vollem Umfang eingehalten wird".




