Polizisten stehen in Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern) vor dem Landratsamt.
Das Gebäude war am Morgen kurz nach der Geiselnahme geräumt worden. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Bildrechte: dpa

Geiselnahme in Pfaffenhofen unblutig beendet Jugendamtsmitarbeiterin mit Messer bedroht

BRISANT | 06.11.2017 | 17:15 Uhr

Dramatische Stunden für eine Jugendamtsmitarbeiterin in Pfaffenhofen: Ein 28-Jähriger bedrohte die Frau und nahm sie als Geisel. SEK-Beamte konnten den Mann schließlich überwältigen. Hintergrund der Tat war ein Sorgerechtsstreit.

Polizisten stehen in Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern) vor dem Landratsamt.
Das Gebäude war am Morgen kurz nach der Geiselnahme geräumt worden. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Bildrechte: dpa

Die Polizei hat eine Geiselnahme in Pfaffenhofen an der Ilm beendet. Der 28-jährige Täter sei festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher am Montagnachmittag. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) nutzte den Angaben zufolge einen günstigen Moment, um den Mann zu überwältigen.

Stundenlanger Nervenkrieg mit der Polizei

Der Geiselnehmer hatte sich gegen 8:30 Uhr mit der Sachbearbeiterin am Jugendamt des oberbayerischen Landkreises verbarrikadiert. Er bedrohte die 31-Jährige mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge. Die Frau erlitt eine Schnittwunde am Oberkörper.

Es begann ein stundenlanger Nervenkrieg mit der Polizei. Eine Verhandlungsgruppe nahm telefonisch Kontakt mit dem Geiselnehmer auf. Als die Frau darum bat, dass ein Arzt gerufen wird, griff das SEK zu und überwältigte den 28-Jährigen. Schusswaffen kamen dabei nicht zum Einsatz.

Opfer leicht verletzt

Das Opfer sei psychisch angegriffen, körperlich aber nicht schwer verletzt, teilte die Polizei mit. Der mutmaßliche Täter sei weitgehend unverletzt. Das Motiv der Geiselnahme ist nach den Angaben ein Sorgerechtsstreit des 28-Jährigen.

Hintergrund: Geiselnahmen in Behörden

Frust, Geldmangel oder Stalking - in extremen Fällen sind Behördenmitarbeiter schon früher als Geiseln genommen geworden.

  • Ingolstadt (Bayern), August 2013: Nach stundenlangem Nervenkrieg beenden Polizisten eine Geiselnahme im Rathaus. Ein mit Messer und Spielzeugpistole bewaffneter 24-Jähriger hielt dort vier Menschen fest. Einer der Geiseln hatte er jahrelang nachgestellt.
  • Gerolstein (Rheinland-Pfalz), Februar 2011: Um die kaputte Heizung in seiner Sozialwohnung repariert zu bekommen, nimmt ein mit einer Machete bewaffneter 54-Jähriger im Rathaus einen Verwaltungsbeamten als Geisel. Die Polizei kann ihn nach wenigen Minuten festnehmen.
  • Aachen (Nordrhein-Westfalen), September 2007: Mit einer defekten Luftpistole bewaffnet hält eine 46-Jährige einen Mitarbeiter der Arbeitsagentur fest und fordert Sozialhilfe oder Essensmarken. Die Behörde hatte die Zahlungen kurz zuvor gestoppt. Nach zwei Stunden gibt die Frau auf.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 20:03 Uhr