Schild mit Apothekensymbol, an der Alten Apotheke Bottrop
Bildrechte: dpa

Prozess um gepanschte Krebsmedikamente Verteidiger: "Bisher gibt es nur Indizien"

BRISANT | 14.11.2017 | 17:15 Uhr

Im Prozess um angeblich gestreckte Krebsmedikamente haben die Verteidiger des angeklagten Apothekers die Staatsanwaltschaft angegriffen. Die Ermittlungsergebnisse seien "unbrauchbar". Bisher gebe es nur Indizien.

Schild mit Apothekensymbol, an der Alten Apotheke Bottrop
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Laut Anklage soll der Apotheker Peter S. jahrelang bei der Herstellung lebenswichtige Krebsmedikamente gepanscht haben. Mindestens 1.000 Krebskranke sollen betroffen sein. Alleine den gesetzlichen Krankenkassen soll ein Schaden von 56 Millionen Euro entstanden sein. Der 47 Jahre alte Apotheker selbst will sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern. Seine Verteidiger allerdings blasen zum Angriff. Der Vorwurf, dass Medikamente systematisch unterdosiert gewesen seien, könne nicht stimmen. Studien zeigten, dass von dem Bottroper Apotheker belieferte Ärzte bei ihren Patienten "eine deutlich höhere mittlere Überlebensrate" erzielt hätten.

Anwalt zweifelt Analysen an

Konkret werfen die Verteidiger des Apothekers den Ermittlern vor, die Einkaufsquoten des Angeklagten nicht genau genug ermittelt zu haben. So sei zum Beispiel der Bestand an Medikamenten nicht berücksichtigt worden. Auch die sichergestellten Proben, in denen laut Anklage wenig oder keine Wirkstoffe nachgewiesen wurden, hätten keine Aussagekraft, da die Analyseverfahren noch nicht ausgereift seien. "Wir haben Verständnis für die Sorgen und Ängste der Patienten", sagte Verteidiger Peter Strüwe in dem Prozess vor dem Essener Landgericht. Man müsse sich jedoch von der reflexartigen Bewertung freimachen, dass alles, was bis jetzt bekannt ist, schon stimmen werde. Bisher gebe es nur Indizien. "Den vielen entlastenden Details, die wir sehen, wurde bisher nicht nachgegangen", sagt Strüwe.

Zehntausende Krebsmittel gepanscht?

Zwischen 2012 und 2016 soll der Apotheker fast 62.000 Mal Krebsmedikamente mit zu wenig Wirkstoff versehen haben. Es sei ihm darum gegangen, "sich eine erhebliche Einnahmequelle zu verschaffen", argumentiert die Staatsanwaltschaft. In der Anklageschrift sind 35 Wirkstoffe aufgeführt, von denen der Apotheker höchstens 70 Prozent der eigentlich benötigten Menge eingekauft haben soll. Die Anklage lautet auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, Betrug und versuchte Körperverletzung. Dem 47-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft sowie ein Berufsverbot.

Patienten in sechs Bundesländern betroffen 

Betroffen sind den Ermittlungen zufolge Patienten von 37 Ärzten, Praxen und Kliniken in sechs Bundesländern, die meisten in Nordrhein-Westfalen. Lieferungen gingen aber auch an jeweils eine Klinik oder Praxis in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 18:34 Uhr