Neue Heilmethoden

Volkskrankheit Alzheimer : Hoffnung im Kampf gegen das Vergessen

Brisant | 18.07.2011 | 17:15 Uhr

Es gibt kaum eine Krankheit, die mehr gefürchtet wird als Alzheimer. Betroffenen droht nicht nur der Tod, auch Persönlichkeit und Würde des Menschen gehen verloren. Seit Jahrzehnten wird fieberhaft nach einem Heilmittel geforscht - bislang erfolglos. Ein neuer Impfstoff der Uni Bonn lässt nun hoffen.

Gen-Test: Mit der Analyse einer Blutprobe können seltene, vererbbare Formen von Alzheimer festgestellt werden - lange bevor die Krankheit ausbricht.

Schätzungsweise 650.000 Menschen sind in Deutschland an Alzheimer erkrankt. Milliarden hat die Pharmaindustrie in Medikamentenversuche investiert - bislang ohne Erfolg. Wissenschaftler rechnen damit, dass sich die Zahl der Demenzkranken in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Eine Hoffnung aber bleibt. Die steckt ausgerechnet dort, wo die Krankheit besonders früh zuschlägt. Denn relativ junge Patienten haben ein besonders "reines" Alzheimer ohne andere Alterserscheinungen, die die Gehirnaktivität zusätzlich beeinträchtigen.

Suche nach einem Heilmittel

Schicksalsschlag: Yvonne J. ist erst 42 alt und hat doch schon Alzheimer - eine der seltenen erblichen Varianten der Krankheit. Auch ihr Sohn hat ein 50-prozentiges Risiko, das krank machende Gen zu tragen.
Yvonne J. ist erst 42 alt und hat doch schon Alzheimer - eine der seltenen erblichen Varianten.

Die Universität Bonn testet jetzt einen ganz neuen, bisher einmaligen Impfstoff. Der wird aus dem Blutplasma gesunder Menschen gewonnen. Jürgen H. gehört zu den ersten Menschen weltweit, an denen das Mittel getestet wird. Der Bäckermeister war erst 59 Jahre alt, als sein Gedächtnis nicht mehr wie gewohnt funktionierte.

Auch Yvonne J. stellt sich der Forschung zur Verfügung. Bei der erst 42-Jährigen haben Demenzspezialisten der Uniklinik Frankfurt vor einem Jahr Alzheimer diagnostiziert; ein schwerer Schicksalsschlag auch für ihren Ehemann und den zwölfjährigen Sohn. Denn Yvonne J., so vermuten ihre Ärzte, leidet an einer seltenen Form von Alzheimer, die erblich ist. Mit einem Gentest soll nun herausgefunden werden, ob sie die krankmachende Erbanlage tatsächlich in sich trägt. Wäre das der Fall, wird auch ihr Sohn mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken.

Frühzeitige Therapie könnte helfen

Hoffnung: An Mäusen wurden neue Medikamente gegen Alzheimer erstmals getestet.
An Mäusen wurden neue Medikamente gegen Alzheimer erstmals getestet.

Mit Hilfe von Yvonne J. suchen die Forscher nach den Ursprüngen der Erkrankung, nach den allerersten Anzeichen von Alzheimer im Gehirn. Ihre Hoffnung: Wenn man Jahre vor dem geistigen Verfall mit einer Therapie beginnt, lässt sich die Erkrankung vielleicht stoppen. Denn auch modernste Medikamente werden zur Zeit erst verabreicht, wenn der geistige Verfall bereits begonnen hat. Und dann sind schon große Teil des Gehirns unwiederbringlich zerstört. Eine frühzeitige Therapie könnte auch Yvonnes Sohn eines Tages helfen. Doch werden die rettenden Medikamente rechtzeitig kommen?

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2011, 17:42 Uhr


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