Neue Heilmethoden

"Tickende Zeitbombe" im Kopf : Leben mit Hirntumor

Brisant | 10.06.2011 | 17:15 Uhr

Gut 8.000 Menschen werden jährlich in Deutschland mit der Diagnose "Hirntumor" konfrontiert. "Brisant" hat Menschen getroffen, die mit der "tickenden Zeitbombe" im Kopf leben müssen. Auch unser Brisant-Kollege Marc Tappert hat vor über einem Jahr die Diagnose "Hirntumor" bekommen.

Operation an der Klinik für Neurochirurgie.

Ein Jahr lang hat Marc Tappert aus Berlin die U-Bahn gemieden. Ganz schön schwer, wenn man in einer 3,5 Millionen Einwohner-Stadt lebt. Im Mai vor einem Jahr wartete Marc auf die U-Bahn. Da erlitt er einen Anfall, der sein Leben schlagartig veränderte. In seiner Erinnerung stand er auf dem Bahnsteig und dann setzt plötzlich seine Erinnerung aus: Hinterher hat er erfahren, dass er ohnmächtig auf den Gleisen lag. Einen Tag später ging er zum Arzt. Kurz darauf erhielt er die traurige Gewissheit: Er leidet an einem Hirntumor.

Marc Tappert ist einer von jährlich 8.000 Neuerkrankten, die mit einem Gehirntumor ihren Alltag leben müssen. Eine so genannte Biopsie, bei der Marcs Kopf aufgebohrt wurde, um eine Gewebeprobe zu entnehmen, hat er bereits hinter sich. Drei "Grand Mal", also schwere epileptische Anfälle mit starken Krämpfen und Bewusstlosigkeit, musste er bisher durchstehen.

"Nach einem 'Grande Mal' ist mein Gedächtnis wie gelöscht. Ich weiß nicht mehr wie ein 'A' geht, ich kenne keine Geheimzahlen mehr. Es kommt mir vor wie ein Reset der Festplatte. Es dauert Stunden, manchmal Tage bis alles wieder zurück kommt. Es ist manchmal eine große Angst da, weil ich nicht weißt, ob es überhaupt wieder zurückkommt."

Journalist Marc Tappert

Operationen sind oft schwierig

Das Leben mit der "tickenden Zeitbombe" im Kopf: Im Jahr 2011, sollte man meinen, hätte die Medizin diese Krankheit im Griff. Doch "Tumor ist nicht gleich Tumor", sagt der Neurologe Florian Weißinger. Und nicht jeder davon ist so einfach zu operieren. Vor allem Tumore in der linken Gehirnhälfte sind schwieriger zu behandeln, zumindest bei Rechtshändern. Denn dort befindet sich bei rechtshändigen Patienten das Sprachzentrum. Bei Operationen kann es zu schweren Schädigungen, mit Verlust der Sprachfähigkeit kommen.

Unterstützung bei der Deutschen Hirntumorhilfe

Marcs Tumor befindet sich in der linken Gehirnhälfte. 60 Tabletten muss er pro Woche schlucken. Seit dem Befund ist der 45-Jährige schwerbehindert. Unterstützung bekommt Marc von Heike Bartsch. Sie leitet die Berliner Selbsthilfegruppe der Deutschen Hirntumorhilfe. Gerade einmal vier Wochen ist es her, da erlitt Marc bei einem Gruppentreffen einen epileptischen Anfall.

"Marc ging es plötzlich schlecht und dann begann er, den Kopf nach rechts zu drehen, die Augen nach rechts zu fixieren. Dann kam auch schon der große Anfall. Wenn er allein gewesen wäre, hätte er sich schwer verletzen können oder wenn andere Menschen ihn gesehen hätten, hätten sie ihn für betrunken gehalten, hätten ihn liegen lassen. Habe ich selbst schon erlebt."

Heike Bartsch, Deutsche Hirntumuorhilfe e.V. Berlin

"Noch bin ich nicht tot"

Marc will kämpfen. Bald steht die nächste Biopsie bevor, vielleicht auch eine Operation. Von "Astrozytom", so der Fachbegriff seines Tumors, will Marc sich nicht unterkriegen lassen.

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2011, 13:32 Uhr


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