Schmerzmittel : Wirksam - aber riskant
Brisant | 10.01.2012 | 17:15 Uhr
Man bekommt sie rezeptfrei, sie sind billig und wirksam: Bei Schmerzen greifen viele völlig sorglos zu Paracetamol, Asperin, Iboprofen und Co. Doch kaum etwas führt so verbreitet zu Missbrauch und Vergiftungen!
Paracetamol und Aspirin sind so etwas wie Volksmedikamente: rezeptfrei, billig und wirksam - aber nicht harmlos. Denn wer die Schmerzkiller leichtfertig überdosiert, riskiert eine regelrechte Vergiftung. Leber oder Magen können schweren Schaden nehmen. Schon eine vergleichsweise geringe Überdosierung von Paracetamol kann toxisch wirken, Aspirin bei Patienten Magenblutungen hervorrufen. Immer wieder landen unvorsichtige Patienten in Krankenhäusern wie in der Uniklinik Essen. "Also ich würde sagen, zwei Drittel haben bereits kiloweise Iboprufen, Voltaren oder andere Schmerzmittel zu sich genommen, bevor sie hier auftauchen", sagt Schmerztherapeutin Susanne Stehr-Zirngibl.
Prof. Canbay: "Aufklärung betreiben"
Wer länger als ein paar Tage selbstständig Schmerzmittel einnimmt, geht ein Risiko ein, warnt auch Prof. Ali Canbay von der Uni-Klinik Essen. "Ich glaube wichtig ist, dass wir in der Bevölkerung Aufklärung betreiben", sagt Prof. Canbay. "Paracetamol und auch andere Schmerzmittel sind nicht so harmlos. Auch wenn sie frei verkäuflich sind, können sie zu Nebenwirkungen führen, die dramatisch sein können." Bei langfristiger Einnahme drohen Magenblutungen, Leberschäden oder Herzattacken.
Rezeptpflicht und kleinere Packungsgrößen?
Allein durch Paracetamol gibt es im Jahr über 4.000 Vergiftungen in Deutschland. Trotzdem geht das Mittel ohne Rezept über die Theke. Ob sich das ändern soll, das wird im Februar im zuständigen Ausschuss beraten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel dagegen setzt sich für kleinere Packungen für Schmerzmittel ein. Nur vier Tage sollen sie reichen. Für Paracetamol gilt das schon jetzt. "Wir versprechen uns davon, dass der Verbraucher aufgeklärt wird", sagt Dr. Walter Schwerdtfeger vom Institut für Arzneimittel und Medizinprodukte. "Wenn er gewöhnt ist, ein solches Arzneimittel in größeren Mengen zu erhalten, wird er die Frage stellen, warum das nicht mehr so ist. Dann wird ihn der Apotheker aufklären, dass es Risiken gibt bei einer längeren Anwendungsdauer."
Die Pharmaindustrie sieht keinen Handlungsbedarf
Die Pharma-Industrie hält das für übertrieben. Sie sieht kein Problem mit rezeptfreien Schmerzmitteln. "Wir vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller halten eine Verkleinerung der Verpackungsgröße weder sachlich geboten, noch für notwendig", sagt Dr. Elmar Kroth. "Alle Daten, die wir aus über den Markt haben, zeigen, dass die Deutschen mit Schmerzmitteln sehr seriös und zurückhaltend umgehen."

