Hundewelpen in einem engen Käfig im Kofferraum eine Autos
Bildrechte: IMAGO

Das Geschäft boomt Illegaler Welpenhandel: Darauf sollten Sie achten!

BRISANT | 16.06.2017 | 17:15 Uhr

Das Geschäft mit Hundewelpen boomt. Für die Dealer sind die Hunde eine Massenware, die Geld bringt. Tierrechte und Tierschutz sind nicht von Interesse. Aber wie erkennt man unseriöse Verkäufer und was kann man tun?

Hundewelpen in einem engen Käfig im Kofferraum eine Autos
Bildrechte: IMAGO

Das Geschäft mit Hundewelpen boomt. Sogenannte "Wühltisch-Welpen" kommen vor allem aus Osteuropa. Zu den Käufern zählen viele Deutsche. Und Deutschland ist auch zunehmend ein Transitland. Für die Hundevermehrer zählt alleine der Profit. Damit sie den illegalen Welpenhandel nicht unbewusst unterstützen, sollten Sie immer beachten: Kaufen Sie niemals ein Tier aus Mitleid und lassen Sie sich auf kein Tier-Schnäppchen ein - ob nun aus dem Internet, per Inserat oder auf der Straße.

Rechtlicher Hintergrund für den Welpenhandel

Wer gewerblich mit Welpen handelt, benötigt nach dem Tierschutzgesetz die Erlaubnis des zuständigen Veterinäramtes, das auch Haltung und Züchtung kontrolliert. Ergänzend gilt für die Haltung von Hunden die Tierschutz-Hundeverordnung. Danach dürfen Welpen erst im Alter von mindestens acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Für den Handel mit Hundewelpen gibt es außerdem tierseuchenrechtliche Vorgaben.

Bei Welpen aus Deutschland ist ein Impfpass mit schlüssigen Eintragungen erforderlich (erste Impfung gegen Staupe, Parvovirose und andere Infektionskrankheiten in der achten Lebenswoche, Impfung gegen Tollwut in der zwölften Woche). Der junge Hund sollte gechipt sein, wobei die Länderkennzahl für Deutschland auf dem Chip 276 lautet. Stammt der Welpe aus einem anderen EU-Land, muss er neben dem zwingend vorgeschriebenen Chip mit einem EU-Heimtierausweis sowie mit einem tierärztlichen Gesundheitszertifikat ausgestattet sein.

Der illegale Handel ist ein skrupelloses Millionengeschäft auf Kosten der Tiere: Die Welpen sind unterernährt, krank und nicht geimpft, werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und stundenlang eng zusammengepfercht und wild gemischt zu ihren europäischen Zielorten gekarrt.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

Hunde aus Nicht-EU-Staaten dürfen frühestens im Alter von sieben Monaten einreisen. Auch für den Transport gelten einschlägige tierschutzrechtliche Bestimmungen. In Deutschland kosten Rassehunde-Welpen von anerkannten Züchtern je nach Rasse mindestens 800 bis 2.000 Euro.

Hundewelpen in einer Transportkiste.
Die Aufnahme zeigt einen von 16 Welpen in einer Transportkiste. Die Polizei hat im Landkreis München einen illegalen Hundehandel beendet und 16 vernachlässigte Welpen gerettet. Bildrechte: Polizeipräsidium München/dpa

Anzeichen für Welpendealer

Ein offensichtlich schlechter Gesundheitszustand des Tieres ist ein Indiz für ein unseriöses Angebot. Zu auffälligen Krankheitssymptomen zählen allgemeine Schwäche, Lahmen, Augen- und Nasenausfluss. Seriöse Züchter werden eine Untersuchung durch einen Tierarzt vor dem Kauf nicht ablehnen.

Verdächtig sind Angebote von Welpen unterschiedlicher Rassen zu Dumpingpreisen, denn Züchter konzentrieren sich auf eine oder zwei Rassen. Billigwelpen kommen oft aus einer Massenvermehrung, bei der die Hündinnen zu Gebärmaschinen degradiert werden. Allerdings sind auch höhere Preise keine Garantie für Seriosität.

Dubiose Händler liefern Welpen direkt ins Haus oder übergeben sie an öffentlichen Orten, oft durch Mittelsmänner. Nicht selten werden Mischlinge als Rassetiere oder Hunde mit gefälschtem Stammbaum verkauft. Inzwischen existiert in Osteuropa eine regelrechte Welpenmafia.

Weitere Dealerindizien können sein: Die Dokumente für den Hund sind unzureichend, falsch oder mit Rechtschreibfehlern ausgefüllt. Für Zuchtpapiere wird Extrageld gefordert. Die eingetragenen Impfdaten stimmen nicht mit dem angegebenen Alter des Welpen überein. Empfehlenswert ist, sich vor einem Kauf den Aufzuchtsort, das Muttertier und vorhandene Wurfgeschwister anzusehen. Bei einem seriösen Züchter ist der Besuch der Welpen auch vorab möglich.

Verdächtiges Angebot? Das sollten Sie tun!

Grundsätzlich sollten Sie niemals einen Hund auf der Straße, auf Märkten im Ausland oder wahllos im Internet kaufen. Wenn Sie beim beabsichtigten Kauf Verdacht schöpfen, dass es sich um einen Welpendealer handeln könnte, verständigen Sie die Polizei. Notieren Sie ein verdächtiges Autokennzeichen. Äußert erst der Tierarzt nach dem Kauf den Verdacht auf illegalen Welpenhandel, melden Sie das gemeinsam der Polizeidienststelle. Dubiose Verkaufsanzeigen im Internet oder in Zeitungen sollten Sie dem örtlichen Tierschutzverein melden.

Übrigens ist auch von einem Welpenkauf in einer Zoohandlung abzuraten, weil dort die jungen Hunde nicht stressfrei gehalten werden können und auch diese Tiere von illegalen Massenvermehrern stammen können. Stattdessen lohnt sich bei wirklichem Interesse an einem Hund der Gang ins Tierheim. Die meisten Tierheimhunde werden ebenso gute Gefährten wie ein Hund von einem seriösen Züchter.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017, 18:44 Uhr