Prozessauftakt in Palma Infantin Cristina auf der Anklagebank

BRISANT | 11.01.2016 | 17:15 Uhr

Erstmals in der Geschichte der spanischen Monarchie steht eine nahe Verwandte des Königs als Angeklagte vor Gericht. In dem historischen Prozess in Palma de Mallorca wird die 50-jährige Infantin Cristina, die Schwester von König Felipe VI., beschuldigt, ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Der 47-jährige frühere Handballstar ist einer der Hauptangeklagten in dem Verfahren. Neben den Royals sind 16 weitere Verdächtige angeklagt, darunter Politiker und Regierungsbeamte.

Infantin Cristina und ihr Ehemann Inaki Urdangarin
Infantin Cristina von Spanien (re.) und ihr Ehemann Iñaki Urdangarin. Bildrechte: dpa

Lange Haftstrafe für Urdangarin gefordert

Die Anklage legt Iñaki Urdangarin zur Last, als Chef der gemeinnützigen Stiftung Nóos zusammen mit einem Geschäftspartner, etwa sechs Millionen Euro unterschlagen zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn fast 20 Jahre Haft. Mit einem Urteil ist erst im Sommer dieses Jahres zu rechnen.

Wird Anklage gegen Cristina aufrechterhalten?

Die Verteidigung von Cristina stellte beim Prozessauftakt den Antrag, die Anklage gegen die Schwester des Königs zurückzuziehen. Sie begründete dies damit, dass die Anklageerhebung weder von der Staatsanwaltschaft noch von den Steuerbehörden als angeblichen Geschädigten unterstützt werde. Die Klage basiere allein auf dem Gesuch der Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände), die als Nebenkläger auftritt und acht Jahre Haft für die Infantin forderte.

Cristina-Entscheidung bis Februar

Die Anwältin von Manos Limpias argumentierte, dass nicht der Anschein erweckt werden dürfe, dass Verwandte des Königs Straffreiheit genössen. Dies würde dem Ansehen der Justiz und des Königshauses schaden. Das Gericht muss bis Anfang Februar entscheiden, ob die Anklage gegen Cristina aufrechterhalten wird.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2016, 18:17 Uhr