Plusgrade nicht in Sicht : Der Dauerfrost hat Deutschland fest im Griff
Brisant | 08.02.2012 | 17:15 Uhr
Der Frost in Deutschland hat etwas nachgelassen, aber Plusgrade sind nicht in Sicht. Eisschollen behindern den Schiffsverkehr. Der Frost macht den Friedhöfen zu schaffen. Doch die Kälte hat auch ihre guten Seiten.
Es ist "wärmer" geworden in Deutschland: Nach dem strengen Frost der vergangenen Tage nähert sich die Temperatur in einigen Regionen Deutschlands der Null-Grad-Marke an. Verbreitet werden in den kommenden Tagen minus zwei bis minus zehn Grad Celsius erreicht. Die Meteorologen nennen das mäßigen Frost. Nachts kann es mit bis zu minus 16 Grad aber durchaus noch strengen Frost geben, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte.
Flüsse, Kanäle und Küstengewässer frieren weiter zu
Das führt dazu, dass Flüsse, Kanäle und Küstengewässer immer weiter zufrieren. Eisschollen behindern zunehmend den Schiffsverkehr. Seit Mittwoch fahren auf dem Mittellandkanal, der Elbe und den Dortmund-Ems-Kanal verbindet, keine Schiffe mehr. Auf Main und Donau ist die Schifffahrt stark eingeschränkt, der Main-Donau-Kanal bleibt weiterhin gesperrt. Auch in Nord- und Ostsee treiben massenhaft Eisschollen. Die Nordseeinsel Spiekeroog muss zum zweiten Mal in ihrer Geschichte aus der Luft versorgt werden. Viele Urlauber sitzen dort fest. Vom ostfriesischen Neuharlingersiel wurde am Mittwoch eine Luftbrücke gestartet. Per Hubschrauber wurden Passagiere und Frachtgut hin- und hergeflogen. Per Flugzeug ist Spiekeroog nicht zu erreichen, weil es als einzige der sieben ostfriesischen Inseln keinen Flugplatz hat. Auch in der Ostsee ist der sogenannte Eisgang erheblich. Dort geleiten seit Tagen sämtliche verfügbaren Eisbrecher die Frachter zu den Häfen.
Frost macht auch den Friedhöfen zu schaffen
Probleme bereiten die tiefen Temperaturen auch den Friedhöfen. Um Gräber ausheben zu können, muss mit teils rabiaten Methoden die Frostschicht durchbrochen werden. Mit Presslufthämmern werden beispielsweise in München die oberen 50 Zentimeter aufgelockert und dann abgetragen. Andernorts werden Feuer angezündet, um die Erde Schicht für Schicht zu erwärmen.
Grünes Licht für Alstereisvergnügen
Für andere hat der Frost etwas Positives: In Hamburg findet zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder ein Alstereisvergnügen statt. Das Eis der Außenalster ist laut Umweltbehörde flächendeckend so stark, dass das Winterspektakel stattfinden kann. Die jüngsten Messungen hätten ergeben, dass das Kerneis zwischen 15 und 22 Zentimeter dick sei. Beim bisher letzten offiziellen Alstereisvergnügen 1997 standen rund 150 Buden auf dem zugefrorenen innerstädtischen Gewässer - damals wurde eine Eisdicke von 30 Zentimetern gemessen.
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Stichwort: Sibirische Kaltluft
Wenn kräftige Hochdruckgebiete über Sibirien liegen, kann es in Deutschland einen besonders strengen Winter geben. Im Norden Sibiriens mit dem angrenzenden arktischen Polarmeer fallen die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 60 Grad, der Boden ist dauerhaft gefroren. Da die Sonne im Winter in der Polarregion für längere Zeit nicht aufgeht, können sich die kalten Luftmassen nicht erwärmen.
Das stabile Hochdruckgebiet sorgt dann dafür, dass sich die Atmosphäre ständig weiter abkühlt und die trockene Luft aus höheren Schichten nach unten sinkt. Die sibirische Festlandluft ist die kälteste Luftmasse, die im Winter nach Europa zieht.




