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Maschinenmenschen Wenn Technik unter die Haut geht

BRISANT | 30.01.2017 | 17:15 Uhr

Die Technik ist in den vergangenen Jahren immer weiter an den Menschen herangerückt, macht das Leben einfacher. Einige Menschen gehen nun den nächsten Schritt: Cyborgs verschmelzen ihre Körper mit Technik, um ihre Fähigkeiten zu steigern und ihre Sinne zu erweitern.

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Sie lassen sich Magnete in die Finger spritzen, mit denen sie elektromagnetische Felder wahrnehmen können; Chips unter die Haut pflanzen, mit denen sie Türen öffnen; Geräte in den Schädel implantieren, mit denen sie ihre Sinne schärfen. Ein Haufen Nerds oder Vorreiter unserer technischen Zukunft? Wer sind diese Menschen? Und was treibt sie an?

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Interview mit Bertolt Meyer, TU Chemnitz Status durch Technik?

Status durch Technik?

Bertolt Meyer ist ohne linken Unterarm geboren. Er profitiert vom Fortschritt, trägt eine bionische Arm-Prothese. Was er vom Trend zum Enhancement hält.

05:41 min

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WLAN direkt aus der Hüfte?

Oliver Waack-Jürgensen aus Berlin trägt zwei künstliche Knie und eine künstliche Hüfte im Körper. Weil er an einer Knochenkrankheit leidet, wird er in den kommenden Jahren eine weitere Hüfte eingesetzt bekommen. So weit, so normal. Doch die neue Hüfte soll mehr können: sein Handy drahtlos aufladen zum Beispiel, über seine Bewegungsenergie. Seine Körperdaten messen und analysieren. Daten speichern und per Bluetooth übertragen. Und vielleicht sogar einen Freifunk-Router beherbergen: WLAN direkt aus der Hüfte.

Auf dem Weg zum Cyborg?

Wohin führt uns die Technologie? Neil Harbisson findet, sie stößt neue Türen auf. Der Farbenblinde kann nun Farben hören, demnächst arbeitet er an einer "inneren Uhr". Sehen Sie hier, was sich sonst noch tut.

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Wohin führt uns die Technologie? Neil Harbisson findet, sie stößt neue Türen auf. Der Farbenblinde kann nun Farben hören, demnächst arbeitet er an einer "inneren Uhr". Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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Wohin führt uns die Technologie? Neil Harbisson findet, sie stößt neue Türen auf. Der Farbenblinde kann nun Farben hören, demnächst arbeitet er an einer "inneren Uhr". Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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"Nicht ist so gut wie das Original", sagt der Berliner Oliver Waack-Jürgensen. Doch seine Gelenke geben immer mehr nach. Warum also nicht mit der nächsten OP gleich ein Implantat einbauen, das auch den Alltag mobiler macht oder dem Biomonitoring dient? Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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Gängig ist bereits das Spritzen von Magneten unter die Haut, die elektromagnetische Felder in Vibrationen umsetzen. Nicht nur ein Gimmick: Ein Autohersteller forscht bereits daran, ob man Fahrern auf diesem Weg Signale senden könnte, zum Beispiel wenn Gefahr droht. Denn der Mensch reagiert auf keinen Sinneseindruck so schnell. Bildrechte: MDR/SWR/Hoferichter & Jacobs
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Ist es ein Reiz, eine oder einer der ersten zu sein, die ein bestimmtes Implantat bekommt ... Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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... zum Beispiel den "North Sense" - eine Art inneren Kompass, der im Körper vibriert, wenn man sich gen Norden dreht. Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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Big Data privat oder die Frage: Sind wir heute wohl temperiert? Per RFID-Chip und -Lesegerät kann diese Frage geklärt werden. Im Unterschied zu Thermometern oder Fitness-Armbändern werden die Daten auf den Chips kontinuierlich aufgezeichnet. Bildrechte: MDR/SWR/Hoferichter & Jacobs
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Der Implantate-Markt wird immer größer: Hier wird mit dem Prototypen eines Datenverschlüsselungs-Chips aus den USA experimentiert, Patrick Paumen ist Beta-Tester für den NXP Smart MC Chip, der noch nicht auf dem Markt ist. Das macht ihn stolz. Die Funktion? Jetzt kann Patrick mit dem Chip Daten verschlüsseln und vielleicht sogar irgendwann bezahlen. Bildrechte: Luisa Wawrzinek
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Mitten in Stockholm gibt es mit dem Epicenter einen großen Bürokomplex, in dem die Mitarbeiter bereits Chips unter der Haut tragen. Damit öffnen sie Türen, bedienen die Kopierer, tauschen untereinander Kontaktdaten aus. Initiator ist Hannes Sjöblad (Bild). Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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Mal eben chippen lassen? In Stockholm passiert das nicht mehr im Piercing Studio nebenan, sondern auch mal auf einer Kreativen-Party: Wer will der nächste sein? Bildrechte: Luisa Wawrzinek
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Gechippt und nun? Passwörter oder die eigene Visitenkarte lassen sich auf den Chips speichern - und durch eine Handbewegung mit dem Smartphone teilen. Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs
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Farben hören?

Neil Harbisson ist da schon einen Schritt weiter. Der Brite ist der erste offiziell anerkannte Cyborg der Welt. Er ist farbenblind und kann die Welt nur in Grautönen wahrnehmen. Durch den "Eyeborg", eine Antenne in seinem Kopf, kann er jedoch Farben hören. Ein Sensor scannt die Farben in Neils Sichtfeld, ein Chip in seinem Kopf wandelt diese in Töne um. So hat jede Farbe in seinen Ohren ihren ganz individuellen Klang. Doch Neil kann nicht nur die für uns sichtbare Farbpalette hören: Er nimmt damit auch Ultraviolett und Infrarot wahr.

Mal eben chippen lassen?

Während in Deutschland wohl noch die meisten Menschen über solche Ideen den Kopf schütteln, ist man in Schweden schon ein Stück weiter. Für Stockholms öffentlichen Nahverkehrsbetrieb gibt es bereits die Überlegung, nicht mehr mit Ticket oder Smartphone, sondern per Chip im Körper zu bezahlen. Mitten in Stockholm gibt es mit dem Epicenter einen großen Bürokomplex, in dem die Mitarbeiter bereits Chips unter der Haut tragen. Damit öffnen sie Türen, bedienen die Kopierer, tauschen untereinander Kontaktdaten aus. Initiator war Hannes Sjöblad, der die Kreativen Stockholm auch schon mal zu einer Implantierparty lädt. Er geht davon aus, dass man nur Angst vor dem hat, was man nicht kennt bzw. nicht versteht.

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Hannes Sjöblad bringt Implantate unter die Leute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich will einfach nur eine Gemeinschaft von klugen Menschen kreieren, die verstehen, wie es funktioniert. Denn wenn eines Tages einer der Internetgiganten ein Implantat launcht oder das schwedische Finanzamt sagt: 'Wir werden jeden chippen', dann gibt es zumindest Menschen, die die Technologie verstehen und Dinge in Frage stellen können. Für mich ist das die Demokratisierung von Technik: Nicht nur zu verstehen, wie sie funktioniert, sondern auch, wie sie gegen dich verwendet werden könnte.

Sicherheitsaspekte stehen nicht im Vordergrund

Helena Jungwirth will sich unbedingt chippen lassen. Sie meint, das könne ja auch nicht schlimmer sein, als ein Kind zu bekommen. Sie wäre dankbar, wenn sie künftig keine Haustürschlüssel mehr bräuchte, da sie ständig auf der Suche danach sei. Ein Chip als Türöffner wäre ein Traum für sie. Doch nicht alle auf der Party wissen so genau wie Helena Jungwirth, was der Chip unter der Haut so kann. Sie lassen sich zeigen, wie man Passwörter oder die eigene Visitenkarte darauf speichert und durch eine Handbewegung mit dem Smartphone teilt. Sicherheitsaspekte stehen nicht im Vordergrund, eher die Versicherung, dass alle, die mitmachen, weit vorn sind und der Zweck ein ehrenwerter ist.

Jede Technik kann gehackt werden - wenn nicht heute, dann morgen. Genug Interessenten für unsere Daten gibt es mit Sicherheit: zum Beispiel die Geheimdienste und die Wirtschaft.

Falk Garbsch, Softwareentwickler und Sprecher des Chaos Communication Clubs in Hannover

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Helena Jungwirth lässt sich chippen. Bildrechte: MDR / SWR / Hoferichter & Jacobs

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2017, 20:22 Uhr