Pandabären in der größten Pandaaufzuchtstation Chinas in Chengdu
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Entzücken, aber auch Proteste Berlin im Panda-Fieber

BRISANT | 26.06.2017 | 17:15 Uhr

Berlin ist um eine Attraktion reicher: Zwei kuschelige Pandabären sind im Zoo eingetroffen. Die Leihgabe Chinas - für rund eine Million Euro jährlich - sorgt für Begeisterung, aber auch für kritische Stimmen.

Pandabären in der größten Pandaaufzuchtstation Chinas in Chengdu
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Mit Bambus in Berlin: Nach einer strapaziösen Flugreise haben Meng und Jiao Qing ihre erste Nacht im Berliner Zoo gut geschlafen. "Die Pandas haben ihre neue Umgebung erstmal ausführlich inspiziert. Im Gehege wurde alles neugierig angeknabbert", sagte Zoo-Sprecherin Christiane Reiss. "Ihre erste Bambus-Mahlzeit in Berlin haben die Pandas noch am Samstagabend zu sich genommen." Danach hätten sie von 23 Uhr bis 6 Uhr fest geschlafen. "Von Jetlag kaum eine Spur", so Reiss.

Sanfte Eingewöhnung

Drei Mädchen probieren im Zoo Berlin Kappen mit Pandaohren an
Als einzige Große Pandas in Deutschland sind die beiden Tiere ein besonderes Highlight im Berliner Zoo. Bildrechte: dpa

Zwei Betreuer aus China sind mitgereist, um die Eingewöhnung der Bären zu begleiten. Die Glaswände des Innengeheges sind nach Angaben des Zoos zunächst abgeklebt, damit die Pandas sich weiter in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen können. Das Außengehege ist noch gesperrt. Die Pandas befinden sich in Deutschland noch in Quarantäne, auch wenn sie das bereits schon in China vier Wochen lang waren. Außerdem sind sie geimpft und wurden gründlich untersucht.

Die beiden Pandas, die sich zuvor nie begegnet sind, sind eine Leihgabe Chinas, die auf 15 Jahre angelegt ist. Der Berliner Zoo zahlt dafür 920.000 Euro jährlich. Das Geld fließt zu 70 Prozent in den Schutz wild lebender Pandas. Weitere 20 Prozent gehen an die Chengdu Panda Base, eine Zuchtstation in der zentralen Provinz Sichuan. Der Zoo bringt die Summe mit Hilfe von Spenden und Sponsoren auf. Zudem flossen zehn Millionen Euro in die neue Unterkunft namens Panda Garden.

Auch kritische Stimmen

Durch ein Absperrgitter ist der Eingang zum Pandagehege im Zoo Berlin zu sehen
Die Baustelle der neuen Panda-Anlage im Berliner Zoo: Hier sollen sich Meng und Jiao Qing wohlfühlen. Bildrechte: dpa

Der Zoo informiert in einem Internet-Blog über alle Neuigkeiten rund um die Pandas. Auf der Internet-Seite des Zoos haben die Kommentare einen unterschiedlichen Tenor. Viele Zoo-Freunde freuen sich. Einer schreibt aber auch: "Es ist schade, dass im Zoo eine Zweiklassengesellschaft herrscht. Ich hätte mir z.B. eine Erneuerung des Großkatzenhauses viel eher gewünscht als dies sündhaft teure neue Bärenhaus. Von den laufenden Kosten und der 'Miete' für die Pandas mal ganz abgesehen."

Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International weist derweil darauf hin, nicht zu vergessen, welcher Staat die Pandas schickt. "Die chinesische Führung scheint zu hoffen, dass Kritik gedämpft wird, wenn sie Pandas vergibt", sagt Patrick Poon von Amnesty International in Hongkong.

Wir möchten die Empfängerländer ermahnen, auch weiterhin die Menschenrechtslage in China im Blick zu behalten.

Patrick Poon, Amnesty International

Stichwort: Großer Panda Der Große Panda gehört mit weniger als 2.000 Tieren in freier Wildbahn zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Nur wenige Zoos weltweit können ihr Publikum mit den Bambusfressern locken, darunter ist derzeit keiner in Deutschland. China betrachtet die Ausleihe der Tiere als besondere Freundschaftsbekundung. Das Verleihen von Pandas gilt Peking als Geste des Wohlwollens. Die Rede ist auch von "Panda-Diplomatie".

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2017, 17:02 Uhr