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Mammutprozess in Augsburg : Mutmaßliche Polizistenmörder vor Gericht

Brisant | 20.02.2013 | 17:15 Uhr

Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre: Am 21. Februar beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Augsburger Polizistenmörder.

Ein wegen des Mordes an dem Augsburger Polizisten Mathias Vieth Tatverdächtiger wird in Augsburg in einem Auto in die Tiefgarage des Strafjustizzentrums gefahren.

Es war eine blutige Verfolgungsjagd, die bundesweit Entsetzen auslöste: Zwei schwerbewaffnete Motorradfahrer, unterwegs zu einem Raubüberfall, flüchteten vor einer Polizeikontrolle. Sie rasten durch die Dunkelheit in den Augsburger Siebentischwald. Als sie dort stürzten und in der Falle saßen, feuerten sie mit einem Maschinengewehr auf ihre Verfolger. Der 41-jährige Polizist Mathias Vieth starb trotz schusssicherer Weste am Morgen des 28. Oktober 2011 im Kugelhagel, getroffen von mindestens drei tödlichen Schüssen. Noch als der zweifache Familienvater am Boden lag, feuerten die Männer auf ihn. Vieths damals 30-jährige Kollegin erlitt einen Streifschuss an der Hüfte. Wochenlang kam der brutale Angriff als "Augsburger Polizistenmord" nicht aus den Schlagzeilen. Nun müssen sich zwei Verdächtige vor Gericht verantworten. Der inzwischen 57-jährige Rudi R. und der heute 59-jährige Raimund M. sollen die Todesschützen gewesen sein. Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftlich begangenen Mord und versuchten Mord.

Rund 200 Zeugen werden erwartet

Der Prozess wird mit Spannung erwartet. Da es kein Geständnis gibt, liegt vor dem Gericht ein reiner Indizienprozess, langwierig und kompliziert. Angesetzt sind rund 50 Verhandlungstage, rund 200 Zeugen sind geladen. Es ist einer der umfangreichsten Prozesse, die je in Augsburg verhandelt wurden - und einer der spektakulärsten. "Prozesse um die Tötung eines Polizisten sind ja immer auf irgendeine Weise spektakulär", sagt Gerichtssprecher Claus Pätzel. "Das kennt man ja sonst nur aus dem Fernsehen."

"Das war ein Tatablauf, den sich auch hartgesottene Ermittler nicht ohne weiteres vorstellen können. Wie James Bond über die Lech-Brücke in Augsburg."

Oberstaatsanwalt Günther Zechmann kurz nach der Tat

Schießwütiger Waffennarr

Zwei Polizistinnen stehen im Mariendom in Augsburg neben dem Foto eines getöteten Polizisten
Im Augsburger Mariendom fand die Trauerfeier für den ermordeten Polizeihauptmeister statt. Gerade einmal 41 Jahre war er alt, hat eine Frau und zwei Kinder im Alter von 13 und 17 Jahren hinterlassen.

Seit ihrer Verhaftung sitzen Rudi R. und Raimund M. in Untersuchungshaft. Auch mehrere Angehörige wurden vorübergehend verhaftet. Die Tochter von Raimund M. wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie ein ganzes Waffenarsenal für ihren Vater gelagert hatte: etliche Pistolen, neun Handgranaten, drei Kalaschnikow-Maschinengewehre sowie fast 40.000 Euro mutmaßliches Beutegeld aus einem Raubüberfall. Zu den Mordvorwürfen schweigen die Brüder, auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter. "Der eine hat überhaupt nicht mit ihm gesprochen, der andere zumindest nicht über die Tat", sagt Claus Pätzel, der Sprecher des Landgerichts Augsburg. Dennoch kam im Laufe der Ermittlungen die kriminelle Vorgeschichte der beiden ans Licht. So ist der Hauptbeschuldigte Rudi R. laut Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz ein "sozial unangepasster Waffennarr, der schießwütig agiert, wenn er in Konfliktsituationen gerät".

Schon 1975 hatte Rudi R. einen Augsburger Polizisten ermordet. Dafür saß er fast 20 Jahre hinter Gittern. Als er freikam, soll er wieder losgezogen sein. In dem Prozess wird eine ganze Serie Raubüberfälle mitverhandelt, die auf das Konto der Brüder gehen soll. So sollen sie im Februar 2002 und im März 2004 bei Überfällen auf Werttransportunternehmen in Ingolstadt und Augsburg mehr als eine halbe Million Euro erbeutet haben. Dazu kommen Raubüberfälle auf einen Supermarkt und eine Bank sowie Verstöße gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Ausbruch- und Erpressungspläne?

Zuletzt sorgte ein Bericht der "Augsburger Allgemeine" für Wirbel, wonach Raimund M. aus dem Gefängnis ausbrechen und einen Richter als Geisel nehmen wollte, um seinen Bruder Rudi R. freizupressen. Alleine für den Mord drohen den beiden lebenslange Haftstrafen. Marion Zech, die Anwältin der damals verletzten Polizistin, ist fest davon überzeugt, dass die beiden verurteilt werden, "und zwar volle Kanne". Für sie wäre "alles andere eine große Überraschung".

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2013, 16:27 Uhr