Bruce Springsteen auf der Frankfurter Buchmesse Der "Boss" blickt zurück auf sein Leben

BRISANT | 21.10.2016 | 17:15 Uhr

US-Rockstar Bruce Springsteen hat auf der Frankfurter Buchmesse seine Memoiren "Born to Run" präsentiert - und dabei mit viel Offenheit und Selbstironie über seine Depressionen gesprochen.

Bruce Springsteen
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Sieben Jahre lang hat Bruce Springsteen an seiner Autobiografie "Born to Run" geschrieben. Auf der Frankfurter Buchmesse hat der US-Rockstar persönlich das Werk präsentiert. Dabei sprach der "Boss" mit viel Offenheit und Selbstironie über sein Leben - und auch über seine Depressionen. "Ich mache seit 30 Jahren Psychoanalyse, mein erster Arzt ist schon gestorben", sagte er lachend. Die Depressionen habe er in seinem irischen Blut weitergegeben bekommen, also von väterlicher Seite.

Kindheit in ärmlichen Verhältnissen

Der Sänger des Evergreens "Born in the USA", mit dem er 1984 kritisch den Vietnam-Krieg verarbeitete, beschreibt im Buch auch seine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen in Freehold im US-Bundesstaat New Jersey. Diese sei geprägt gewesen von Angst vor dem Vater, der ein unbeständiges Arbeiterleben führte, mit Alkohol und psychischen Problemen zu kämpfen hatte und erst als alter Mann seine Verfehlungen gegenüber seinem Sohn eingestand. Dennoch gibt sich der "Boss" versöhnlich. "Unsere Geschichte ist so viel komplizierter, nicht in den Details dessen, was passiert ist, aber in dem Warum des Ganzen", so der Mittsechziger.

Auf die Frage, wie seine italienischstämmige Mutter Adele auf die mehr als 600 Seiten lange Autobiografie reagiert habe, sagte Springsteen: "Sie leidet schwer an Alzheimer, aber sie wollte immer, dass ich Autor werde. Ich denke, es hätte ihr gefallen." Bei manchen Antworten schloss der gefeierte Songwriter die Augen.

Traum vom "Rolling Stones"-Frontmann

Es gab aber auch viele launige Momente. So trug Springsteen die Textpassage vor, als der Junge von nebenan mit Akne davon träumte, dass Mick Jagger erkrankt und er für ihn bei den Rolling Stones einspringen kann. Er erzählte auch, wie er damals in Hamburg sein erstes Deutschland-Konzert gab und ihn Pete Townshend von The Who zuvor gewarnt hatte: "Deutschland hat das schlechteste Publikum der Welt. Und immer noch beeindruckt erinnert sich Springsteen an seinen Auftritt 1988 vor 160.000 Zuschauern in Ost-Berlin, als "handgemachte US-Flaggen im Ost-Berliner Wind wehten".

Unter strengster Geheimhaltung

Die Lesung fand übrigens unter strengster Geheimhaltung statt. Mehr als 100 Gäste aus halb Europa waren geladen. Sie mussten den Namen des Hotels für sich behalten. Kurzfristig hatte das Springsteen-Management noch untersagt, Tonaufnahmen des moderierten Gesprächs zu machen. Mit seiner einnehmenden Art und seiner Selbstironie ließ der Weltstar den ganzen PR-Rummel aber rasch vergessen. Zum Abschied kreiselte der "Boss" seine Zeigefinger in der Luft - wie nach einem seiner Konzerte, rief "Whohoo" und verschwand lässig aus der Seitentür.

Bruce Springsteen wird von WDR-Musikredakteur Thomas Steinberg interviewt
Bruce Springsteen in Frankfurt am Main: Der "Boss" saß breitbeinig in seinem Sessel, trug schwarze Boots, ein graues Sakko und Blue Jeans. Immer, wenn er kurze Passagen aus seinen Memoiren "Born to Run" vorlas, zückte er seine Lesebrille. "I Am An Old Man, Yeah", so der 67-Jährige mit seinem New-Jersey-Akzent. Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2016, 18:17 Uhr