Promi-Klatsch

Manfred Krug zum 75. : "Deutscher Kojak" und "Canaille"

Brisant | 02.02.2012 | 17:15 Uhr

Der gelernte Stahlschmelzer Manfred Krug ist nach eigenem Bekunden "als Schauspieler auf die Welt gekommen", der schon in frühen Jahren Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper verehrte. Denn der "hat nie etwas anderes gespielt als sich selbst, und das ist die Hohe Schule", wie Krug in seinen Jugenderinnerungen "Mein schönes Leben". Am 8. Februar 1837 in Duisburg geboren, schaut der Ost-West-Schauspieler, der als Junge mit seinem Vater 1949 in die gerade entstehende DDR übersiedelte und 1977 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wieder in den Westen ging, auf 75 Lebensjahre zurück. "Brisant" beleuchtet die Lebensstationen des beliebten Mulitalents.

Tausendsassa der DEFA-Filme

Manfred Krug in der Rolle des Truckers Franz Meersdonk
Manfred Krug in der Rolle des Truckers Franz Meersdonk.

Über Krugs Leben gibt es wirklich viel zu erzählen: In der DDR war er der "Tausendsassa der DEFA-Filme". Von 1961 an stand er in den Babelsberger Studios unter Vertrag. Später war er im Westen das liebenswerte und auch manchmal ruppige "Raubein, das von drüben kam", wie ihn Zeitungen nannten. Mit Filmen wie "Mir nach, Canaillen!", "Wege übers Land", "Fünf Patronenhülsen" und "Auf der Sonnenseite" wurde Krug einer der populärsten Kino- und Fernseh-Schauspieler im Osten Deutschlands. Mehrfach wurde Krug zum Publikumsliebling gewählt. "Wir brauchen viele Krüge", soll Erich Honecker 1972 geschwärmt haben.

Bildergalerie: Der Schauspieler Manfred Krug

Reporter Heinz Engelhardt (Horst Drinda, l.) gibt seinen Einstand bei den Lokomotivbauern (Manfred Krug, Mitte, Rolf Herricht). (Filmszene) Manfred Krug bärtig in Nahaufnahme. Manfred Krug an Schleifmaschine

Seine erste Hauptrolle hat Manfred Krug 1960 in Frank Beyers Film "Fünf Patronenhülsen". Den ersten großen Erfolg feiert er zwei Jahre später in dem autobiografischen Film "Auf der Sonnenseite". Hier Filmszenen. [Bilder]


In Ungnade gefallen

Doch nachdem Manfred Krug wie viele seiner Künstlerfreunde im November 1976 eine Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet hatte, fiel der beim Publikum äußerst beliebte Schauspieler und Sänger in Ungnade. Er wurde beruflich isoliert: Konzerte wurden ohne Angabe von Gründen abgesagt, Rollenangebote blieben aus. "Das war Goebbelssche Manier", so Krug. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Biermann-Ausbürgerung im November 1976. Nach dem massenweisen Künstlerprotest, dem sich auch Krug angeschlossen hatte, stand für Krug fest: Er wird die DDR verlassen.

Bildergalerie: Manfred Krug im Visier der Stasi

Manfred Krug Manfred Krug Manfred Krug

Vom 17. Juni bis zum Tag seiner Ausreise am 20. Juni 1977 wurde Manfred Krug von der Staatssicherheit rund um die Uhr beobachtet. Hier finden Sie einige Bilder über die Krugs Ausreise in den Westen. [Bilder]


"Ich hatte Angst, die größte Angst in meinem Leben. Noch einmal von vorn anfangen? Aber kriech ich zu Kreuze, bin ich kaputt. Kriech ich nicht, machen sie mich kaputt."

Manfred Krug

Im Mercedes in den Westen

Am 20. Juni 1977 reiste Manfred Krug gemeinsam mit seiner Frau Ottilie und den drei Kindern im silbergrauen Mercedes nach Westberlin aus. Krug wählte den Weg über die Glienicker Brücke, wie ein Agent. Im Westen warteten bereits zahlreiche Journalisten auf den prominenten Übersiedler vor seiner bereits vorher angemieteten neuen Bleibe in Berlin-Schöneberg. In einem ersten Interview mit der ARD sagte ein sichtlich bewegter Manfred Krug, dass er sein Publikum und seine Freunde vermissen werde.

Bildergalerie : Stimmen zu Krugs Übersiedlung in den Westen

Frank Beyer 1975 Ursula Karusseit 1974 Werner Lamberz

Was Manfred Krug über seine Ausreise geschrieben hat, nennt sein Bruder Roger ein "Gemisch aus Wahrheit und Fiktion". Das ist nur eine von vielen Stimmen. [Bilder]


"Deutscher Kojak"

Aber der Neuanfang im Westen gelang. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Ängsten fand Krug beruflich Anschluss. Er wurde als brummiger "Tatort"-Kommissar Stoever, als der "deutsche Kojak", ein Fernsehstar. Er war als "Liebling Kreuzberg" der populäre Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Als abenteuerlustiger Truckerfahrer, der jahrelang weltweit "Auf Achse" war, avancierte Krug schließlich zum TV-Publikumsliebling. Nebenbei gab es - an der Seite von Lilo Pulver - Gastspiele in der "Sesamstraße", womit Krug seine Vielseitigkeit unterstreichen wollte. Er sei "keineswegs auf einen Rollentyp festgelegt, wie manche meinen", betonte Krug einst.

"Also bitte, wenn mir einer den 'Glöckner von Notre Dame' gibt, dann werde ich den sicher gut spielen - man muss nur den Mut haben, mir so etwas anzubieten."

Manfred Krug

Zur Ruhe gesetzt

Vom aktiven Schauspielberuf hat sich "Manne" mit dem Eintritt ins offizielle Rentenalter zurückgezogen. Gesundheitliche "Warnschüsse vor den Bug", wie ein Schlaganfall 1997 in seiner Berliner Wohnung, von dem er sich ironischerweise in einer Rehaklinik auf dem Gelände der einstigen "SED-Bonzensiedlung" Wandlitz erholte, hatte Krug nicht ganz ignorieren können.

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2012, 23:07 Uhr


Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW