Schauspieler Alec Baldwin geht am 17.09.2017 in Los Angeles, USA, während der Verleihung der der 69. Emmy Awards mit seiner Auszeichnung als bester Comedy-Nebendarsteller über die Bühne.
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Spott und Spaß in Los Angeles Trump dominiert die Emmy-Awards

BRISANT | 18.09.2017 | 17:15 Uhr

Nicht dabei, aber trotzdem in aller Munde: Bei der Emmy-Verleihung bekam US-Präsident Trump viel Spott ab. Ausgezeichnet wurde auch Alec Baldwin in der Rolle des US-Präsidenten.

Schauspieler Alec Baldwin geht am 17.09.2017 in Los Angeles, USA, während der Verleihung der der 69. Emmy Awards mit seiner Auszeichnung als bester Comedy-Nebendarsteller über die Bühne.
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Gewürzt mit viel Spott für US-Präsident Donald Trump sind in Los Angeles die Emmys vergeben worden. Sie gelten als "Oscar" der Fernsehbranche. Geehrt wurden in diesem Jahr auch politische Produktionen, etwa die Serie "Veep", die vom Alltag einer US-Vizepräsidentin handelt. US-Schauspieler Alec Baldwin bekam den Preis als bester Nebendarsteller in einer Comedy-Serie. Darin übertreibt er bewusst Trumps sprachliche Eigenheiten und Handbewegungen und verhalf damit "Saturday Night Live" zu Rekord-Einschaltquoten. Manche YouTube-Clips der Satire wurden bereits 20 Millionen Mal angeklickt.

"Endlich, Herr Präsident, hier ist Ihr Emmy"

Baldwin bedankte sich mit den Worten: "Ich schätze, ich sollte sagen, 'Endlich, Herr Präsident, hier ist Ihr Emmy'". Damit spielte er auf Trumps wiederholte Klagen an, dass er niemals für seine erfolgreiche Reality-Sendung "The Apprentice" ausgezeichnet worden sei. Baldwins Kollegin Kate McKinnon, die während des US-Präsidentschaftswahlkampfs Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton gespielt hatte, erhielt ebenfalls einen Emmy. Neben "Saturday Night Live" gewann auch John Olivers Late-Night-Politiksatire "Last Week Tonight" eine der begehrten Trophäen. Immer wieder gab es während der Show Anspielungen auf Präsident Trump. So sprach der Afroamerikaner Donald Glover das Thema an, als er für seine Rolle in "Atlanta" als bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie geehrt wurde.

Ich danke Donald Trump, dass er Schwarze zu den am meisten unterdrückten Menschen gemacht hat. Er ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass ich jetzt hier stehe.

Donald Glover

Lorne Michaels (M, vorne) und die Besetzung der Serie 'Saturday Night Live' nehmen in Los Angeles, USA, während der Verleihung der 69. Emmy Awards die Auszeichnung als beste Sketch-Serie entgegen.
Produzent Lorne Michaels (vorn) und die Besetzung der Serie "Saturday Night Live" nehmen die Auszeichnung als beste Sketch-Serie entgegen. Bildrechte: dpa

"Hallo, Herr Präsident, ich freue mich schon auf Ihre Tweets"

Moderator Stephen Colbert fasste zusammen, es gebe derzeit ganz schön viel guten Fernsehstoff in den USA - aber wer habe Zeit, das alles anzuschauen? "Niemand hat so viel Zeit - bis vielleicht auf den Präsidenten, der scheint zu viel Zeit zum Fernsehschauen zu haben. Hallo, Herr Präsident, ich freue mich schon auf Ihre Tweets." In einem späteren Seitenhieb auf Trump sagte Colbert: "Anders als die Präsidentschaft gehen die Emmys an die Gewinner der direkten Stimmen." Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton hatte bei der Wahl im November knapp drei Millionen mehr Stimmen sammeln können, unterlag jedoch aufgrund der geringeren Zahl der Wahlmänner.

Ein Mann im schwarzen Anzug spricht energisch auf einer Bühne.
Durch den Abend führte Stephen Colbert. Während der gesamten Veranstaltung gab es immer wieder Seitenhiebe von ihm auf Präsident Trump. Bildrechte: dpa

Churchill als Vorbild

Für eine Politiker-Rolle wurde auch der US-Schauspieler John Lithgow ausgezeichnet. Er bekam den Emmy als bester Nebendarsteller in einer Drama-Serie für seine Darstellung des legendären britischen Premierministers Winston Churchill im Netflix-Polit-Drama "The Crown". Lithgow würdigte Churchill in seiner Dankesrede als Vorbild: "In diesen verrückten Zeiten erinnert uns sein Leben selbst als alter Mann daran, wie Entscheidungskraft und Mut bei einer Regierung wirklich aussehen."

Als beste Serien in den Sparten Comedy und Drama wurden "Veep - Die Vizepräsidentin" und "The Handmaid's Tale" ausgezeichnet. "Veep" handelt vom Alltag einer US-Vizepräsidentin. Die Dystopie "The Handmaids Tale" basiert auf dem Buch "Der Report der Magd" der kanadischen Schriftstellerin Margret Atwood. Beide Serien gewannen zusätzlich Emmys in weiteren Kategorien.

Trumps Ex-Sprecher parodiert sich selbst

Noch bevor in Los Angeles ein Preis verliehen worden war, fuhr überraschend Trumps früherer Pressesprecher Sean Spicer mit einem Podium auf die Bühne. Dort verkündete er: "Dies wird die größte Zuschauerzahl sein, die jemals die Emmys verfolgt hat. Punkt!". Am Tag nach der Amtseinführung Trumps im Januar hatte Spicer bei seiner ersten Pressekonferenz behauptet: "Dies war das größte Publikum, das jemals einer Amtseinführung beiwohnte. Punkt!" Darum entspann sich ein Streit mit Journalisten, die diese These bezweifelten.

Stichwort: Emmys Die Emmys gelten als wichtigste Fernsehpreise der Welt und wurden in diesem Jahr zum 69. Mal verliehen. Über die Sieger hatten zuvor die rund 22.000 Mitglieder der Academy for Television Arts & Sciences entschieden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. September 2017 | 17:15 Uhr

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