Leiche zerstückelt und tiefgekühlt Prozess um sogenannten Berliner "Gefriertruhenmord"

BRISANT | 06.10.2017 | 17:15 Uhr

Zehn Jahre lag die Leiche eines zerstückelten Berliner Rentners in der Tiefkühltruhe seiner eigenen Wohnung und niemand vermisste ihn. Seit Freitag sollte sich der mutmaßliche Mörder vor Gericht verantworten. Kurz nach Beginn des Prozesses wurde die Verhandlung allerdings vertagt.

Anklage: Mord aus Habgier

Hintergrund der Vertagung war ein Antrag der Verteidigung, die gerügt hatte, dass ein Schöffe kurzfristig neu eingesetzt worden war. Das Gericht gab dem statt. Für die Verteidigung müsse nachvollziehbar sein, warum ein Schöffe eingesetzt wurde. Der Prozess wird am 16. Oktober fortgesetzt.

Die Anklage wirft dem 56-jährigen Angeklagten Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat vor. Der Angeklagte, der sich das Vertrauen des zuletzt 80-Jährigen erschlichen habe, soll sein Opfer zwischen dem 30. Dezember 2006 und 1. Januar 2007 in dessen Wohnung erschossen, im Eis versteckt und etwa zehn Jahre lang die Rente des Witwers von monatlich 2.000 Euro kassiert haben.

Der Angeklagte vor Gericht.
Der Angeklagte vor Gericht. Bildrechte: dpa

Verschleierungstaktik des mutmaßlichen Täters

Der Angeklagte hat bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Bis zum Auffinden des Leichnams war der Mann nie auffällig geworden. Nachbarn beschrieben ihn laut Staatsanwaltschaft als freundlich, hilfsbereit und handwerklich geschickt. So könne der Kontakt zum späteren Mordopfer entstanden sein, hieß es weiter.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte zehn Jahre lang "großen Aufwand" betrieben, um das Ableben des Rentners zu verschleiern. Er verfasste in dessen Namen zwei Einkommensteuererklärungen, installierte eine Zeitschaltuhr, die regelmäßig Zimmerlampen anmachte. Der Täter habe die Wohnung sauber gehalten und sogar Jalousien hoch- und heruntergefahren.

Mehrfamilienhaus im Stadtteil Prenzlauer Berg
In diesem Mehrfamilienhaus wurde die Leiche entdeckt. Bildrechte: IMAGO

Skeptischer Nachbar alarmiert Polizei

Einem skeptischen Nachbarn ist es zu verdanken, dass die Leiche überhaupt gefunden wurde. Der Mann konnte eine Polizeistreife überzeugen, die Wohnung zu überprüfen. So wurde die Tiefkühltruhe entdeckt.

Das Verbrechen hatte bundesweit Entsetzen hervorgerufen und auch die Frage aufgeworfen, ob ältere Menschen gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen. Jahrelang war das Verschwinden des Seniors unbemerkt geblieben.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 18:06 Uhr