Nach schwerem Unfall auf der A3 Rettungskräfte bespritzen Gaffer mit Wasser

BRISANT | 09.11.2017 | 17:15 Uhr

Wieder einmal behindern Gaffer Rettungsarbeiten nach einen schweren Unfall. Ein Lkw-Fahrer habe sogar quer im Führerhaus gelegen, um bessere Aufnahmen machen zu können. Die Rettungskräfte greifen zu unkonventionellen Mitteln.

 Zerstörte Lastwagen stehen auf der Autobahn 3 bei Weibersbrunn
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Auf der Autobahn 3 ist ein Kiestransporter umgestürzt. Ein Paketlaster rast in die Unfallstelle, durchbricht die Leitplanke und kracht in den Gegenverkehr. Dort rammen noch zwei weitere Laster den Pakettransporter. Die Unfallstelle gleicht einem Trümmerfeld. Drei Menschen sterben. Für die Einsatzkräfte ist das, wie so oft, ein Job, der an die Nerven geht. Nicht so für die Gaffer. Hemmungslos halten sie mit ihren Handys drauf, filmen und fotografieren sogar die Bergung der Leichen. Das geht den Einsatzkräften zu weit. Mit einem Schlauch spritzen sie Wasser auf Fahrzeuge, die sehr langsam an der Unfallstelle bei Weibersbrunn nahe Aschaffenburg vorbeifahren oder gar stehenbleiben.

Mehr als 100 Fälle

Dies sei geschehen, "um die Fahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen", erklärt ein Polizeisprecher und bestätigt damit Medienberichte. Doch einsichtig zeigen sich die wenigsten, sagt Kreisbrandinspektor Otto Hofmann. In der Bilanz werden mehr als 100 Gaffer gezählt.

Gaffen – eine Straftat!

Sechs Fahrer zieht die Polizei direkt hinter der Unfallstelle aus dem Verkehr. Alle weiteren werden per Foto dokumentiert. Denn das Filmen oder Fotografieren eines Unfalls ist eine Straftat. Sie kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren geahndet werden.

Die Autobahn 3 war in beide Richtungen für längere Zeit voll gesperrt. Allerdings ließ die Polizei auf der Gegenfahrbahn immer wieder blockweise Fahrzeuge passieren, zum Teil auch, als die Leichen geborgen wurden.

Feuerwehrleute stehen am 09.11.2017 auf der Autobahn 3 bei Weibersbrunn (Landkreis Aschaffenburg, Bayern) an der Unfallstelle neben Lastwagen
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Kein Einzelfall

Schaulustige an der Unfallstelle, die ihre Smartphones zücken und damit die Rettungskräfte behindern: In den letzten fünf Jahren haben sich solche Fälle gehäuft, sagt die Gewerkschaft der Polizei.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 18:49 Uhr