Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
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Wenn die Gefäße verstopft sind Risiko Schlaganfall

BRISANT | 25.10.2017 | 17:15 Uhr

Die häufigste Form des Schlaganfalls wird von einem Blutgerinnsel ausgelöst, das ins Gehirn gewandert ist. Woran erkennt man einen Schlaganfall? Was ist dann zu tun? Wen kann eine Operation im Vorfeld schützen? Am Welt-Schlaganfall-Tag hier Wissenswertes zum Thema.

Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
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Symptome bei einem Schlaganfall

Plötzlich bringt der Betroffene nicht einmal mehr einen einfachen Satz zustande. Er sieht Doppelbilder oder kann einen Arm nicht mehr richtig heben. Alles Alarmzeichen für einen Schlaganfall! Welche Schäden danach bleiben, hängt davon ab, wie schnell nun gehandelt wird. Denn das Zeitfenster, um dauerhafte Lähmungen oder Sprachstörungen zu vermeiden, ist klein. Meist bleiben den Ärzten nur vier bis fünf Stunden, um die Blutversorgung im Gehirn wieder zu normalisieren, verschlossene Blutgefäße wieder freizumachen. Wenn das nicht gelingt, geht Hirngewebe verloren. Zeit ist Hirn - so lautet die gnadenlose Formel beim Schlaganfall.

Schafft es der Patient rechtzeitig zu den Spezialisten in die Klinik, sind die Aussichten jedoch gut. "Das Wichtigste ist die richtige Weichenstellung ganz am Anfang", sagt Neurologe Dr. Alexander Reinshagen, unser Gast im Studio. "Wird erkannt, dass es sich um einen Schlaganfall handelt, funktioniert die Kette vom Ersthelfer bis ins Krankenhaus. Die größte Gefahr ist, wenn diese Weiche gleich zu Beginn falsch gestellt wird. Das kostet wertvolle Zeit."

Hintergründe

Eine Neurologin von der Magdeburger Stroke Unit übernimmt einen Fall in der Notaufnahme.
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Schlaganfall - wie spüre ich das?

Vom Schlaganfall Betroffene selbst begreifen oft nicht, was gerade geschieht und wie bedrohlich die Situation für sie ist. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige, Freunde oder andere in diesem Moment Anwesende die richtigen Schlüsse ziehen und sofort Alarm schlagen. Typisch für einen Schlaganfall sind "neurologische Ausfälle". Die Betroffenen sprechen undeutlich oder wirr, können sich mitunter kaum auf den Beinen halten, übersehen Hindernisse. Diese Symptome können jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. "Einem unserer Patienten fielen seine Sehstörungen erst dann auf, als er an einer Tankstelle die Tanksäule umgefahren hat", schildert Dr. Alexander Reinshagen von den Sana-Kliniken Leipziger Land. In seltenen Fällen kann auch plötzlich einsetzender Schwindel Zeichen für einen Schlaganfall sein.

Grafische Darstellung eines Schlaganfalls
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Den Schlaganfall schnell erkennen - der FAST-Test FAST ist eine Kombination aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Face: Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Wenn das nur auf einer Seite klappt, ist das ein Zeichen für eine halbseitige Lähmung. das ist ein wichtiges Symptom für den Schlaganfall.

Arms: Fordern Sie die Person auf, beide Arme auszustrecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einem Schlaganfall können nicht beide Arme gleichzeitig angehoben bzw. oben gehalten werden.

Speech: Geben Sie der Person einen einfachen Satz vor, den sie nachsprechen soll. Schafft der oder die Betroffene das nicht oder nicht verständlich, kann das ein Zeichen für eine durch den Schlaganfall ausgelöste Sprachstörung sein.

Time: Sofort 112 wählen und die Symptome schildern!

(Quelle: Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Mediziner unterscheiden zwischen dem "weißen" und dem "roten" Schlaganfall. Die häufigste Form ist der "weiße", der so genannte ischämische Schlaganfall. Ischämisch bedeutet, die betroffenen Areale des Gehirns sind von der Blutversorgung abgeschnitten, weil ein Gerinnsel ein Blutgefäß verstopft. Weil das Gewebe dahinter nun nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, fallen sofort bestimmte Gehirnfunktionen aus.

Solche Gerinnsel entstehen in bestimmten Fällen an Engstellen in der Halsschlagader, wo sie sich dann mitunter losreißen und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen. Noch häufiger bilden sich gerade größere Blutklumpen jedoch im Herzen. Hintergrund sind bestimmte Rhythmusstörungen des Herzens, die vor allem bei älteren Menschen häufig sind. Man nennt sie absolute Herzarythmien.

Seltener ist der "rote Schlaganfall", der infolge einer Gehirnblutung entsteht, zum Beispiel nach einem Unfall oder durch das Platzen eines erkrankten Blutgefäßes.

Wie wird behandelt?

In vielen Kliniken gibt es inzwischen Spezialstationen für die Versorgung von Schlaganfall-Patienten, so genannte Stroke Units. Besonders qualifizierte Mitarbeiter sorgen für eine umfassende Diagnose und sofort einsetzende Therapie.

Nachdem die Ärzte sich ein Bild gemacht haben, ob ihr Patient tatsächlich einen Schlaganfall hat und in welchem Blutgefäß es zum Verschluss gekommen ist, versuchen sie, dieses Blutgefäß wieder freizumachen. In einem bestimmten Zeitfenster kann dabei die so genannte Thrombolyse zum Einsatz kommen. Dabei erhalten die Patienten eine Infusion mit einem Medikament, welches das Blutgerinnsel auflösen kann.

Seit 2015 hat eine weitere Methode an Bedeutung gewonnen, mit der auch größere Gerinnsel behandelt werden können. Sie wird Thrombektomie genannt. Bei diesem Eingriff wird das Blutgerinnsel mit Hilfe eines Katheters mechanisch entfernt, sozusagen aus dem Gefäß "herausgefischt". Die Behandlung erfordert ein Team von Spezialisten, den Neuroradiologen.

Die "Quietscheenten-OP"

Quietscheentenchirurg und Quietscheentenkrankenschwester
Das Quietschen der Ente gibt dem Arzt ein Feedback des Patienten. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Verengungen der Halsschlagader, entstanden durch Kalkablagerungen, können das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen. Vor allem dann, wenn es schon zu einem Schlaganfall gekommen ist, gehört eine Operation der Halsschlagader zu den Therapie-Optionen, um einen zweiten Hirninfarkt zu verhindern. Doch warum nennt man diesen Eingriff so? Der Fachbegriff für die Operation ist eigentlich Endarteriektomie. Tatsächlich haben die Patienten während der Operation aber eine Gummiente oder einen kleinen Spielzeugball in der Hand. Immer wieder bittet der Gefäßchirurg den Patienten, der die OP bei vollem Bewusstsein erlebt, den Ball zu drücken. Das Quietschen gibt den Ärzten die Rückmeldung, dass sie wichtigen Blutgefäßen und Nerven nicht zu nah kommen. Damit können sie während der OP sehr direkt die Hirnleistung des Patienten beurteilen.

Ziel des Eingriffs ist, die Halsschlagader des Patienten von Ablagerungen zu befreien. Dafür muss das Blutgefäß abgeklemmt werden. Mit größter Vorsicht werden dann die Ablagerungen herausgeschält. Die Chirurgen müssen unbedingt verhindern, dass sich dabei Teile der Ablagerungen lösen und ins Gehirn gelangen. Dann würde man nämlich genau das auslösen, was man eigentlich verhindern will - einen Schlaganfall.


Welche Patienten für so eine OP in Frage kommen, das müssen Neurologen und Gefäßchirurgen vorher sehr genau abwägen. Die Frage ist: Ist der Nutzen so eines Eingriffs für den Patienten größer als das Risiko der Operation? Patienten, die durch die Verengung der Halsschlagader bisher keine Beschwerden spüren, wird von so einem Eingriff in der Regel abgeraten. Wer aber aufgrund hochgradiger Verengungen schon deutliche Symptome zeigt, bei dem kann sich die OP lohnen.

Wie kann man sich schützen?

Die größten Gefahren für unser Herz-Kreislaufsystem sind z.B. ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung, Stress, Alkohol und Nikotin. Auch wer unter Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder starkes Übergewicht leidet, ist besonders gefährdet.

Diese Risiken können wir durch ein gesundheitsbewußtes Verhalten und medikamentöse Therapien minimieren und Herz-Kreislauferkrankungen in vielen Fällen vermeiden.

Dr. Toni Meier | Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle (MLU)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 21:51 Uhr