41-Jähriger in Sachsen-Anhalt niedergeschossen SEK-Einsatz gegen sogenannten "Reichsbürger" eskaliert

BRISANT | 25.08.2016 | 17:15 Uhr

In Reuden in Sachsen-Anhalt ist eine Zwangsräumung eskaliert. Laut Polizei kam es zum Schusswechsel mit einem sogenannten "Reichsbürger". Hundert Beamte waren im Einsatz, darunter auch das SEK. Zwei Beamte und der Angreifer wurden verletzt.

Polizeifahrzeuge stehen am 25.08.2016 an einer Straße in Reuden bei Zeitz (Sachsen-Anhalt). Ein Polizeieinsatz zur Zwangsräumung eines Hauses in Sachsen-Anhalt hat am Donnerstag mit mehreren Verletzten geendet.
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Bei einer Zwangsräumung bei einem sogenannten "Reichsbürger" in Sachsen-Anhalt ist es zu einer Schießerei mit drei Verletzten gekommen. Der 41 Jahre alte Bewohner des Geländes in Reuden bei Zeitz wurde bei dem Schusswechsel schwer verletzt, wie eine Polizeisprecherin in Halle sagte. Der Mann kam mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus. Zwei Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) seien leicht verletzt worden.

Schüsse fielen, Steine flogen

Baum vor besetzten Haus in Reuden bei zeitz
"Hier beginnt der Staat Ur", steht auf einem Schild. Bildrechte: MDR

Die Polizei war am Morgen mit einem Großaufgebot und SEK nach Reuden gekommen, um die Zwangsräumung durch einen Gerichtsvollzieher zu unterstützen. Ein erster Versuch sei am Vortag gescheitert, so die Polizeisprecherin weiter. Es sei um eine nicht beglichene Grundschuld gegangen.

Polizeisprecher Ralf Karlstedt sagte, die Beamten seien bei Eintreffen sofort angegriffen worden. Steine seien geflogen. Der Grundstücksbesitzer soll außerdem eine Waffe auf die Beamten gerichtet haben. Ein Polizist sei durch einen Streifschuss am Hals verletzt, ein anderer Beamter sei gebissen worden. Der Besitzer des Grundstücks wurde den Angaben zufolge mit mehreren Schüssen in den Oberkörper getroffen.

Eigener Staat auf Privatgelände

Der Besitzer des Grundstücks, Adrian Ursache, soll laut Polizei ein Anhänger der sogenannten "Reichsbürger" sein. Auf seinem Gelände hatten sich bereits am Vortag mehrere weitere Personen versammelt. Sie betiteln das Grundstück als "Staat Ur", in dem ausschließlich die eigenen Gesetze gelten. Die Polizei erteilte mittlerweile Platzverweise. Festnahmen habe es nicht gegeben. Laut Polizei werden in Reuden noch Spuren gesichert. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes sei vor Ort.

Grundstücksbesitzer: "Dann erleben wir einen Krieg"

Ursache, der 1998 zu "Mister Germany" gekürt worden war, hatte eine mögliche Gewalteskalation bereits angekündigt. Die Zwangsvollstreckung war ursprünglich für den Vortag anberaumt, wurde nach Widerstand jedoch abgebrochen. In einem Interview am Mittwoch begründete der 41-Jährige sein Vorgehen mit dem Völkerrecht. Nach seiner Ansicht kann ihm der Gerichtsvollzieher als Mensch keine Befehle erteilen. "Damit ist diese Zwangsvollstreckung der Fiktion abgeblasen", so Ursache. "Und kommt da jetzt noch was [...] dann wäre das eine Gewalttat nach dem Völkerrecht. Dann erleben wir einen Krieg. Es gibt nichts anderes." Auf diese Worte hin applaudierten die Umstehenden.

Stichwort: Reichsbürger Die sogenannten "Reichsbürger" leugnen die Existenz der Bundesrepublik. Sie verweigern die Zahlung von Gebühren oder Bußgeldern, basteln ihre eigenen Führerscheine und Pässe und erkennen die BRD nicht als rechtmäßigen Staat an. Die Behörden in Sachsen-Anhalt hatten in den vergangenen Jahren hundertfach mit "Reichsbürgern" zu tun. So gab es zum Beispiel in Halle rund 200 Fälle, in Stendal 77 und im Salzlandkreis 52. Als bekanntestes Beispiel gilt in Sachsen-Anhalt Peter Fitzek aus Wittenberg, der sich als "König von Deutschland" sieht und unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz mit der Justiz in Konflikt geriet.

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2016, 16:17 Uhr