Schwerverbrecher gefasst : Silvio T. - Unterschlupf bei Familie mit drei Kindern
Brisant | 25.08.2012 | 17:30 Uhr
Spezialkräfte der Polizei haben am Freitag den in Aschersleben geflohenen Schwerverbrecher gefasst. Die Beamten sind dem 36-Jährigen über ein Auto auf die Schliche kommen, das ihm ein Helfer aus dem Harz besorgt haben soll. Der mutmaßliche Helfer wurde ebenfalls festgenommen. In Berlin war der als gefährlich geltende Mann bei einer Chatbekanntschaft untergekommen – in einer Wohnung mit drei Kindern.
Die Flucht von Silvio T. war geplant und der Schwerverbrecher hatte einen Fluchthelfer. Das teilten Polizei und Landeskriminalamt am Samstag in Magdeburg mit, nachdem Spezialeinheiten der Polizei den 36-Jährigen am Freitagnachmittag in einem Auto in Berlin-Marzahn gestellt hatten. Das Auto soll ein Mann aus dem Ostharz besorgt haben, der noch am Freitagabend festgenommen wurde. Über das Fluchtauto sind die Beamten dem Häftling aus der JVA Burg auf die Schliche gekommen.
Silvio T. wohnte bei fünfköpfiger Familie
Die Beamten hatten Silvio T. bereits mehrere Tage im Visier. Vor der Festnahme hatten sie eine Wohnung in Berlin observiert, in der T. bei einer Familie mit drei Kindern untergekommen war. Vor einer Woche soll er die Mutter über einen Chat kennengelernt haben. Die Beamten betonten, die Frau habe von der Vergangenheit und der Flucht ihres Gastes nichts gewusst. Wegen der Kinder sollte der Zugriff allerdings nicht in der Wohnung erfolgen.
Stattdessen warteten die Einsatzkräfte bis T. die Wohnung verließ. An dem Einsatz waren ein 15-köpfiges Spezialeinsatzkommando aus Berlin und 20 mobile Einsatzkräfte aus Magdeburg beteiligt. Bei der Festnahme habe Silvio T. keinen Widerstand geleistet. Laut Detlef Golz vom Landeskriminalamt soll T. direkt nach der Festnahme gesagt haben: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ihr mich so schnell findet." Auf der Fahrt ins Berliner Gewahrsam sei der Schwerverbrecher sogar eingeschlafen, sagte Karl-Albert Grewe von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord.
Konsequenz: Fotos von Freigängern
Bis zur Festnahmen konnten die Beamten T. nicht zweifelsfrei identifizieren. Golz zufolge habe der Flüchtige jetzt längere, dunklere Haare und Gewicht verloren. Die vergangenen Tage hätten ihm wohl Kraft gekostet, so Golz weiter. Problematisch war zudem, dass nach dem Mann mit einem drei Jahre alten Foto gefahndet worden war.
Das soll künftig nicht noch einmal vorkommen. Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb hat bereits jetzt durchgesetzt, dass Häftlinge, die einen Ausflug in die Freiheit unternehmen, fotografiert werden müssen.
Disziplinarverfahren gegen Wachen
Am 14. August war T. bei einem bewachten Besuch bei seinem sechsjährigen Sohn in Aschersleben geflohen. Seine Bewacher hatten ihm zum Geburtstag seines Kindes die Fesseln abgenommen, sollen dabei aber einen Schlüssel übersehen haben. Bei seiner Flucht schloss T. die beiden Justizbeamten in der Wohnung ein und ließ den Schlüssel von außen stecken. Dadurch konnten ihn die Beamten nicht sofort verfolgen und T. konnte fliehen.
Unklar ist, warum die beiden bewachenden Beamten den Besuch nicht abgebrochen haben. Zum Zeitpunkt der Flucht sollen sich weitere Kinder und ihre Mütter in der Wohnung aufgehalten haben. Laut Justizministerium ist das unzulässig. Gegen die bewachenden Justizbeamten läuft inzwischen ein Disziplinarverfahren.
Zur Sicherungsverwahrung verurteilt
Nachdem sich die Polizei bei der Fahndung zunächst auf die Region um Aschersleben konzentriert hatte, wurde der Mann bald bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Er war wegen Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung verurteilt und gilt als gefährlich und brutal. Noch bis 2024 muss er seine Gefängnisstrafe absitzen. Anschließend kommt er in Sicherungsverwahrung. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hatte 5.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt.

