Wegweisendes Urteil Freispruch für Tierschützer nach Einbruch in Mastanlage

BRISANT | 11.10.2017 | 17:15 Uhr

Das Landgericht Magdeburg hat am Mittwoch drei Tierschützer freigesprochen. Die beiden Männer und eine Frau waren in eine Schweinezuchtanlage in Sandbeiendorf nördlich von Magdeburg eingedrungen. Dort hatten sie die Haltungsbedingungen der Tiere gefilmt. Die Motivation der Angeklagten sei die richtige gewesen, urteilte der Vorsitzende Richter.

Vorsitzender Richter: "Tat gerechtfertigt"

Das Landgericht Magdeburg sah es als gerechtfertigt an, dass die Tierschützer in die Anlage eingedrungen sind. Die Tierschützer von der Organisation "Animal Rights Watch" hatten vor etwa vier Jahren die Haltungsbedingungen in dem Stall gefilmt. So wollten sie Missstände dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Hausfriedensbruch vor.

Der Vorsitzende Richter, Ulf Majstrak, sagte am Mittwoch, dass solche Taten gerechtfertigt seien, wenn staatliche Kontrollen versagten. Die Angeklagten hätten zwar Hausfriedensbruch begangen, ihre Motivation sei aber die richtige gewesen. Ein Landgerichtssprecher kommentierte: "Der Richter hat klargestellt, dass keinerlei Schäden angerichtet wurden und die Aktivisten das mildeste Mittel der Nothilfe gewählt haben; nämlich die Zustände zu dokumentieren."

Erleichterung bei den Aktivisten

Der Richterspruch löste bei den Tierschützern Erleichterung aus. Sie nannten die Entscheidung des Richters ein "sehr mutiges Urteil". Einer der freigesprochenen Aktivisten sagte dem MDR: "Ich bin total bewegt und überglücklich. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Es tut sehr gut, dass der Richter uns in dem, was wir tun, bestärkt hat. Ich bin gespannt, ob die Staatsanwaltschaft in die nächste Instanz geht."

Die freigesprochene Tierschützerin erklärte, bei dem Verfahren sei es auch darum gegangen, die rechtliche Lage grundsätzlich zu klären. Die Veröffentlichung von Filmmaterial sei eines der wirkungsvollsten Mittel, um eine Tierhaltung wie in Sandbeiendorf in der Gesellschaft zum Diskussionsthema zu machen.

Schweine schauen durch Gitterstäbe
Tierschützer sind in eine Schweinezuchtanlage eingedrungen, um Missstände aufzudecken. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Freispruch schon in erster Instanz

Der Landkreis Börde, in dem Sandbeiendorf liegt, erklärte auf Anfrage des MDR, dass das Veterinäramt die Einhaltung der Tierschutzverordnung in der Region nun besser kontrolliert, seit die Zustände dort bekannt geworden sind.

Das Amtsgericht Haldensleben hatte die Tierschützer bereits in einem ersten Verfahren freigesprochen. Die Begründung lautete ebenfalls, dass ihr Handeln gerechtfertigt gewesen sei. Die Tierschützer hätten die Haltung der rund 63.000 Tiere filmen dürfen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Entscheidung Berufung eingelegt. Deshalb hat das Landgericht Magdeburg den Fall noch einmal verhandelt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Oktober 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 18:17 Uhr