Die Füße einer zugedeckten Leiche im Leichenschauhaus
Bildrechte: IMAGO

Studie der Uni Rostock Fast alle Totenscheine fehlerhaft

BRISANT | 06.12.2017 | 17:15 Uhr

Mediziner geben sich bei Todesfällen offenbar wenig Mühe mit der Bescheinigung. Eine Untersuchung belegt, dass häufig Standards wie die Todesursache nicht korrekt angegeben werden.

Die Füße einer zugedeckten Leiche im Leichenschauhaus
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Es ist unvorstellbar: Bei der Ausstellung von Totenscheinen in Deutschland werden selten alle Vorgaben eingehalten. Einer Studie der Universitätsmedizin Rostock zufolge waren von 10.000 untersuchten Bescheinigungen nur 223 tadellos. Die Rechtsmediziner stellten 3.116 schwerwiegende und 35.736 leichte Fehler fest.

Mindestens vier leichte Fehler pro Todesbescheinigung

Mehr als jeder vierte Totenschein wies demnach mindestens einen schwerwiegenden Fehler auf. So seien häufig die genauen Zusammenhänge bei der Todesursache nicht angegeben worden. Auch sichere Todeszeichen seien oft nicht vermerkt worden.

Zudem konnte der Leichenschauarzt in vielen Fällen nicht befragt werden, weil Angaben zu seiner Person fehlten. Die Studie zeigte überdies, dass mehr als jeder zweite Arzt mindestens vier leichte Fehler pro Todesbescheinigung gemacht hatte. Das Institut für Rechtsmedizin hatte für die Studie Totenscheine im Einzugsgebiet des Krematoriums Rostock in den Jahren 2012 bis 2015 untersucht. 

Leichenschau als "notwendiges Übel"

Als Gründe für die vielen fehlerhaften Totenscheine führte der Rostocker Rechtsmediziner Fred Zack an, dass die Leichenschau für viele Ärzte ein "notwendiges Übel" und unbeliebt sei. Hinzu kämen bürokratische Vorgaben. Bei der Ausstellung eines Totenscheins müssten mehrere Gesetze und Vorschriften beachtet werden – so das Bestattungsgesetz, die Definition des unnatürlichen Todes in der Strafprozessordnung sowie das Infektionsschutzgesetz.

Von Bedeutung ist der Totenschein, weil eine Leiche nur bei einem natürlichen Tod und bei bekannter Identität ohne Ermittlungen bestattet werden darf. Bei einem nicht natürlichen oder ungeklärten Tod sowie unbekannter Identität sind Polizei und Staatsanwaltschaft gefordert, die Identität Hintergründe zu klären.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Dezember 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 19:44 Uhr

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