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Heiß diskutiert : Sexismus-Debatte löst Twitter-Lawine aus

Brisant | 28.01.2013 | 17:15 Uhr

Die Sexismus-Debatte um den FDP-Politiker Rainer Brüderle hat im Kurzmitteilungsdienst Twitter eine Lawine von Kommentaren ausgelöst. Bis Samstagnachmittag waren rund 25.000 Tweets unter dem Stichwort #aufschrei eingegangen. Viele Beteiligte berichteten von eigenen Beleidigungen und Übergriffen.

Redebedürfnis über Thema zeigt sich auf Twitter

Rainer Brüderle spricht am 21.09.2012 in Hamburg zum Auftakt des zweitägigen FDP-Landesparteitags.
Rainer Brüderle steht in der Kritik, weil er einer Journalistin gegenüber anzügliche Äußerungen gemacht haben soll.

So schreibt "Stefanie Minkley", dass sie von einem plumpen Bauarbeiter an der Uniklinik Frankfurt belästigt worden sei. Er habe Eis gegessen und sie gefragt: "Willst du mal lecken?!". "Elquee" twittert über einen zudringlichen ADAC-Pannenhelfer, der nachts auf der Autobahn keine Rechnung ausstellen, sondern "das anders regeln" wolle. "Maike" berichtet unterdessen vom Ferienclubchef, der sie vorm Arbeitsausflug nach Spanien per SMS noch gebeten habe, "doch auch die Strapse einzupacken".

Doch die Debatte im Internet zieht nicht nur Frauen an, auch Männer mischen mit."Mike Schwede" twittert, dass die Diskussion zeige, "wie verbreitet sexuelle Belästigung und Sexismus sind". #aufschrei gebe den Betroffenen "eine Stimme". Nutzer "1788" schreibt metaphorisch, "es ist, als ob sich eine Zyste geöffnet hat".

Pro und Kontra - alles ist vertreten

Es gebe ein großes Redebedürfnis, denn Alltagssexismus sei "in vollem Gange", meint auch Anne Wizorek, die Mit-Initiatorin der Twitter-Diskussion. Die 31-jährige Freiberuflerin lebt in Berlin und ist Beraterin für Online-Strategien. Doch nicht nur Erlebnisse werden bei der Twitter-Diskussion gepostet, sondern eine leidenschaftliche Debatte mit Pro und Kontra geführt – natürlich auf minimale Kürze reduziert. Der Umfang der Kurznachrichten ist auf maximal 140 Zeichen begrenzt.

Eine männliche Hand am Po einer Frau.
Grabschen, Tätscheln, Anfassen - vielen Frauen platzt bei Twitter jetzt der Kragen.

So schreibt "fbrantner", die Diskussion sei "scheinheilig". Männer seien häufiger Opfer von Gewalt als Frauen, aber diese Zahlen würden "schnell vergessen". "Anon Deutschland" meint, dass ab Februar wohl verboten werde, "Frauen Komplimente zu machen". Es könnte "als Sexismus gewertet werden" und dann gebe es mehr #aufschrei. Andere Nutzer schreiben, dass es auch einen Aufschrei geben müsse bei anderen Themen: bei Kindesmissbrauch beispielsweise. "Max Sensei" hofft trotz alledem, dass die Debatte nicht umsonst sei, und "sich aus dem #aufschrei generell menschliche Konsequenzen im Umgang ergäben".

Debatte flammt an Bericht über Brüderle auf

Die Sexismus-Debatte hatte ein Artikel des Magazins "Stern" ausgelöst, in dem FDP-Fraktionschef und Spitzenkandidaten Rainer Brüderle anzügliche Anspielungen gegenüber einer Journalistin vorgeworfen werden. Mitte des Monats hatte bereits eine Autorin von "Spiegel Online" über Diskriminierung im politischen Alltag der Piratenpartei berichtet. Die Berichte hatten auch eine Debatte in der Politik ausgelöst.

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2013, 21:50 Uhr