Plakat für eine dritte Option für die Geschlechtsbezeichung intersexueller Menschen, 2016
Plakat für eine dritte Option: Das Bundesverfassungsgericht fordert nun die Einführung eines "dritten Geschlechts". Bildrechte: dpa

Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht Männlich, weiblich, inter/divers

BRISANT | 08.11.2017 | 17:15 Uhr

"Männlich", "weiblich", "inter": Das Bundesverfassungsgericht hat in letzter Instanz die geltende Regelung zur Geschlechtsfestlegung durch die Standesämter gekippt. Die Richter stärkten damit die Rechte intersexueller Menschen. Bis Ende 2018 soll ein drittes Geschlecht eingeführt werden - oder die Angabe ganz wegfallen.

Plakat für eine dritte Option für die Geschlechtsbezeichung intersexueller Menschen, 2016
Plakat für eine dritte Option: Das Bundesverfassungsgericht fordert nun die Einführung eines "dritten Geschlechts". Bildrechte: dpa

Geklagt hatte Vanja: 27 Jahre alt, schmale, mit schwarzem Bart eines Mannes und schlanker Stirn einer jungen Frau. Als Vanja zur Welt kam, stellte das Standesamt fest: ein Mädchen. Doch dann gab es Zweifel. Irgendwann stellte eine Ärztin nach einem Gentest fest, das Geschlecht lasse sich nicht eindeutig als männlich oder weiblich festlegen. Damit war klar, dass Vanja intersexuell ist. Vanja klagte sich durch alle Instanzen, um durchzusetzen, dass die Standesämter neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht ins Personenstandsregister eintragen müssen - für alle, die sich weder als männlich noch weiblich empfinden, sondern als intersexuell wahrnehmen.

Gesetzgeber gefordert

Vanja, 2016
Weder männlich noch weiblich: Vanja klagte sich durch alle Instanzen - mit Erfolg. Bildrechte: dpa

Vanjas Klage scheiterte in sämtlichen Instanzen, zuletzt auch vor dem Bundesgerichtshof. Das Bundesverfassungsgericht fordert nun allerdings - in letzter Instanz - ein drittes Geschlecht für den Eintrag im Geburtenregister. Laut Beschluss soll dadurch intersexuellen Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, ermöglicht werden, ihre geschlechtliche Identität "positiv" eintragen zu lassen. Zur Begründung verwies das Gericht auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht.

Der Gesetzgeber muss bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen, in der neben "männlich" und "weiblich" noch ein drittes Geschlecht aufgenommen wird. Dies könnte etwa "inter", "divers" oder eine andere "positive Bezeichnung des Geschlechts" sein, so das Gericht. Der Gesetzgeber hat allerdings auch die Möglichkeit, auf geschlechtsbezogene Einträge in den Registern vollständig zu verzichten. Bis zu einer Neuregelung dürfen die aktuellen Vorschriften für intersexuelle Menschen nicht mehr angewendet werden.

(Az. 1 BvR 2019/16)

Stichwort: Intersexualität Intersexuelle Menschen können nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Ihre Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen und Genitalien weisen sowohl männliche als auch weibliche Elemente auf.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 10:02 Uhr