BRISANT

Katholische Krankenhäuser verweigern Untersuchung : Vergewaltigungsopfer in Köln abgewiesen

Brisant | 17.01.2013 | 17:15 Uhr

Eine junge Frau, die nach eigener Aussage durch K.o.-Tropfen betäubt und später vergewaltigt wurde, ist in Köln von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden. Die Begründung: Ein Rezept für die Pille danach könne aus ethischen Gründen nicht ausgestellt werden.

Katholische Klinik St. Vinzenz in Köln

Betäubt, vergewaltigt und dann auch noch im Krankenhaus vor die Tür gesetzt? Das soll einer 25-jährigen Frau aus Köln widerfahren sein. Die junge Frau wurde nach eigener Aussage bei einer Party mit K.o.-Tropfen betäubt und kam später auf einer Parkbank zu sich. Danach wandte sich das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer an den ärztlichen Notdienst.

Untersuchung erst in evangelischer Klinik

Weil die diensthabende Medizinerin eine Vergewaltigung nicht ausschließen konnte, informierte sie die Polizei und bat zwei Kliniken, mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern. Doch sowohl das angrenzende St.-Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes lehnte eine Untersuchung ab, als auch das Heilig-Geist-Krankenhaus im Nachbarbezirk. Begründet wurde die Ablehnung jeweils mit der gleichen Argumentation: Bei einer solchen Untersuchung müsste auch über die Pille danach aufgeklärt und ein entsprechendes Rezept ausgehändigt werden. Das sei aber nicht vereinbar mit dem christlichen Gedankengut, da sie werdendes Leben zerstörten.

Die Kölner Polizei bestätigt den Fall: "Wir wissen, dass die Geschädigte abgewiesen worden ist", sagte Pressesprecherin Dorothee Göbel. "Wir sind dann mit ihr zusammen ins evangelische Krankenhaus nach Kalk gefahren." Dort seien alle Untersuchungen durchgeführt worden, die die Polizei für ein Strafverfahren benötige.

Ein Missverständnis?

Ist das Abweisen von Vergewaltigungsopfern in katholischen Kliniken gängige Praxis? Die Stiftung der Cellitinnen, zu der die beiden Krankenhäuser gehören, teilte in einer Stellungnahme mit, in dem Fall sei es "vermutlich zu einem Missverständnis" gekommen. Das Erzbistum Köln bestritt, dass seine Kliniken Untersuchungen zur Spurensicherung bei einem Vergewaltigungsverdacht verweigern sollen. Falls zwei Krankenhäuser dies doch getan hätten, widerspreche dies der offiziellen Linie, stellte Christoph Heckeley, Sprecher des Erzbistums, klar. "Das bedauern wir dann sehr."

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2013, 10:57 Uhr