Blick in einen Operationssaal.
Bildrechte: IMAGO

Patientin verklagt Klinik Von alkoholkrankem Chirurgen operiert

BRISANT | 10.11.2017 | 17:15 Uhr

Vor acht Jahren wacht eine Frau halbseitig gelähmt aus der Vollnarkose auf. Schuld daran, so sieht es die Frau: der alkoholkranke Chirurg. Angeblich haben alle im OP davon gewusst. Der Chirurg selbst lebt nicht mehr. Verklagt hat die Patientin das Krankenhaus Ibbenbüren.

Blick in einen Operationssaal.
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Seit der Bandscheiben-Ooperation ist das Leben der 61-jährigen Cornelia Hödtke ein anderes. Sie ist teilweise gelähmt, die Stimmbänder sind geschädigt – nach einer verpfuschten Operation und operiert von einem alkoholkranken Arzt. "Eigentlich ist das eine kriminelle Sache, die da abgelaufen ist", sagt die Patientin. "Ich möchte am liebsten alle einzeln verklagen, die davon wussten. Die haben damit mein Leben zerstört."

Arzt nimmt sich das Leben

Operiert wurde Cornelia Hödtke im Februar 2011 im Klinikum Ibbenbüren von dem Neuro-Chirurgen Franz-Jürgen P.. Der war als sogenannter Belegarzt in der Klinik tätig, und, wie Gutachten später belegen, jahrelang schon schwerer Alkoholiker. Kurz nach der Operation an Cornelia Hödtke hat ihm die Klinik gekündigt. Zwei Jahre später hat der Arzt sich das Leben genommen.

Patientin: Die Operation hätte verhindert werden müssen

Cornelia Hödtke ist vor die Zivilkammer des Landgerichts Münster gezogen. "Die Klägerin wirft der Klinik vor, man habe dort gewusst beziehungsweise wissen müssen, dass der Arzt akut alkoholerkrankt war", sagt Daniel Stenner vom Landgericht Münster. "Es habe noch im zeitlichen Vorfeld der Operation deutliche Ausfallerscheinungen gegeben. Sie ist deswegen der Ansicht, dass man diese Operation habe verhindern müssen."

Klinik sieht sich nicht in der Verantwortung

Die Klinik streitet jede Verantwortung ab. "Dr. P. war lediglich als Belegarzt in der Klinik […] tätig. Er war somit nicht Angestellter […], sondern hat die ärztlichen Leistungen im eigenen Namen und auf eigene Rechnung erbracht", heißt es schriftlich auf Anfrage. Tatsächlich hat der Arzt aber in einem Gebäude der Klinik praktiziert, mit einer E-Mail-Adresse des Klinikums kommuniziert und die Operationen mit deren Personal durchgeführt.

Gericht empfiehlt "baldige Einigung"

Vor dem Landgericht waren 14 Zeugen geladen. Die Alkoholkrankheit des Neuro-Chirurgen war für alle ein offenes Geheimnis. Zwei Mal hat die Klinik den Mann sogar in den Entzug geschickt. Auch wenn der Chirurg nur als Belegarzt tätig war, hätte die Klinik Ibbenbüren spätestens nach der Entziehungskur ein Operationsverbot aussprechen müssen, sagt das Gericht – und gibt der Patientin Recht. Das Gericht hat der Klinik geraten, sich bald mit der Patientin über ein Schmerzensgeld zu einigen. Im Gespräch sind rund 200.000 Euro.

Ich will Gerechtigkeit. Es wurde vertuscht und verschwiegen.

Patientin Cornelia Hödtke

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 16:57 Uhr