Unfall mit drei Toten Darf ein Feuerwehrmann Gaffer mit Wasser vertreiben?

BRISANT | 14.11.2017 | 17:15 Uhr

Um Gaffer von einem Unfall zu vertreiben, greift ein Feuerwehrmann zu einem ungewöhnlichen Mittel: Spontan setzt er Wasser gegen Brummifahrer ein, die Bilder machen wollen. Die Polizei ist nicht begeistert. Solidarität gibt es im Netz.

Die Strafen steigen. Bayern lässt mitunter Sichtschutzwände in Stellung bringen. Doch durchschlagenden Erfolg zeigen die Maßnahmen gegen Gaffer bislang nicht. Nach einem schweren Unfall mit Toten auf der Autobahn 3 ergriff ein Feuerwehrmann die Initiative und bespritzte die Fahrzeuge von Schaulustigen mit Wasser. Die Polizei kritisiert nun die Aktion, die nicht abgesprochen gewesen sei. Ins gleiche Horn stößt auch die Gewerkschaft der Polizei. Die Feuerwehr habe Aufgaben übernommen, die eindeutig bei der Polizei liegen, sagte ein Sprecher.

Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig.

Polizeisprecher

Jeder dritte Brummifahrer hielt drauf

"Das war natürlich keine geplante Aktion", erklärte Otto Hofmann, der den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren bei Weibersbrunn im Landkreis Aschaffenburg geleitet hatte. "Dem Feuerwehrmann ist der Kragen geplatzt." Für Feuerwehrmann Hofmann und seine Truppe war es ein außergewöhnlicher Einsatz. Bei dem schweren Unfall starben drei Menschen. Fast zwölf Stunden am Stück arbeiteten manche der Ehrenamtlichen an der Unfallstelle. Über mehrere Stunden schnitten sie Tote aus dem Wrack. Gleichzeitig habe ungefähr jeder dritte Lkw-Fahrer versucht, Bilder von den Toten und der Unfallstelle zu machen. In einem Fall lag ein Fahrer laut Polizei sogar quer im Führerhaus, um bessere Fotos schießen zu können. Schließlich nahm der Brandschützer den Schlauch zur Hand und bespritzte die Seitenfenster der Fahrzeuge, die sehr langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren oder gar stehenblieben.

Menschlich ist das völlig unverständlich.

Feuerwehrmann Otto Hofmann über Gaffer

Sympathiebekundungen aus der Bevölkerung

Während die Polizei die Aktion kritisiert, traf sie beiden Kollegen und in der Bevölkerung durchaus auf Sympathie. "Ich find den Einsatz gegen Gaffer von der Feuerwehr super und auch wirkungsvoll. Sollte Standard werden, statt bemängelt", schrieb eine Nutzerin auf Facebook. "Ich find es super!! Wenn die Polizei nichts gegen diese perversen Menschen macht, dann eben so!!!", meinte eine andere.

Eine Straftat

Das Problem habe sich durch Smartphones verstärkt, darüber sind sich die Rettungskräfte vor Ort einig. Die Politik hat bereits darauf reagiert: Seit Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Darauf stehen nun Geldstrafen oder bis zu ein Jahr Haft.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 09:25 Uhr