Ein Rettungswagen der Feuerwehr fährt am 17.10.2015 in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) mit Blaulicht durch eine Straße.
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Während eines Einsatzes Wütender Autofahrer demoliert Rettungswagen

BRISANT | 06.11.2017 | 17:15 Uhr

Man kann es kaum glauben: Während Notarzt und Sanitäter um das Leben eines kleinen Kindes kämpfen, pöbelt ein Autofahrer gegen die Einsatzkräfte und demoliert ihren Rettungswagen. Er ist sauer, weil die Retter sein Fahrzeug zugeparkt haben!

Ein Rettungswagen der Feuerwehr fährt am 17.10.2015 in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) mit Blaulicht durch eine Straße.
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Der kleine Leonard ist 18 Monate alt. Bei seiner Tagesmutter in Berlin-Moabit ist er plötzlich zusammengebrochen. Die Diagnose: Herzkammerflimmern! Das Kind ist in akuter Lebensgefahr. Es geht um jede Sekunde. "Es war ein dramatischer Einsatz. Es ging darum, ein Kind wiederzubeleben", erzählt Thomas Kirstein von der Feuerwehr Berlin.

"Mir egal, wer hier gerade reanimiert wird"

Der Retter finden keinen Parkplatz, stellen ihr Fahrzeug auf der Fahrbahn ab. Ein Pkw ist zugeparkt. "Der Besitzer dieses Pkw fühlte sich eingeengt und beschimpfte unseren Kollegen", so Kirstein. Der zugeparkte Autofahrer sieht nur sich und seinen Wagen. Als die Sanitäter dem aufgebrachten Mann die lebensbedrohliche Situation des kleinen Jungen schildern, soll er unter anderem: "Mir egal, wer hier gerade reanimiert wird.[…] Ich muss zur Arbeit!" gesagt haben.



Noch immer kämpfen die Ärzte um das Leben des Jungen. Auch drei Tage nach dem Vorfall liegt der kleine Leonardo noch im künstlichen Koma, muss beatmet und künstlich ernährt werden. Sein Vater ist vom Verhalten des herzlosen Autofahrers entsetzt.

Ich kann Ihnen nicht sagen, warum ein Mensch so etwas macht. Man kann es nicht in Worte fassen. Man wünschte nur, dass so einer nicht sein Nachbar ist.

Thomas Funke, der Vater des Kindes

Außenspiegel abgetreten

Der Autofahrer belässt es nicht beim Pöbeln. Er attackiert den Rettungswagen und soll dabei einen Außenspiegel abgetreten haben. Die Polizei stellt den Mann ruhig.

Wir können es uns auch überhaupt nicht erklären. Es ging hier um Leben und Tod. Da gibt es überhaupt nur Null Toleranz für so ein Verhalten

Thomas Kirstein, Feuerwehr Berlin

"Das Klima auf den Straßen ist rauer geworden"

Ein Verhalten, das die Einsatzkräfte allerdings immer häufiger zu spüren bekommen, weiß Bodo Pfalzgraf von der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Das Klima auf den Straßen ist rauer geworden", sagt er. "Das beobachten wir mit Besorgnis. Die Aggressivität gegenüber Polizei und Rettungskräften nimmt zu." Die Rettungskräfte haben sich von dem krakeelenden Autofahrer nicht einschüchtern lassen, sondern alles nur Machbare getan, damit der kleine Leonard vielleicht doch wieder ganz gesund werden kann.

Grundsätzlich bin ich heute hier und gebe das Interview, weil ich möchte, dass die Einsatzkräfte mehr Respekt erfahren, da sie einen lebenswichtigen Job machen.

Thomas Funke

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. November 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2017, 19:45 Uhr