Dabei ab zwei

Bombenfund in einer Garage - Das Trio taucht unter

12. Januar 1998

Das Landeskriminalamt informiert die Staatsanwaltschaft Gera in einem Bericht über seine Ermittlungen zu den Bombenattrappen in Jena. Dabei wird unter anderem vermerkt, dass der auf den Wegen des Garagenkomplexes an der Kläranlage in Jena vorhandene Granitsplitt identisch sei mit Splitt, der sich in der Bombenattrappe im Ernst-Abbe-Stadion befand. Außerdem hätten kriminaltechnische Untersuchungen der Attrappen bzw. Bomben von Stadion, Theater und Friedhof ergeben, dass die jeweils verwendeten Farbanstriche identisch seien. Das Landeskriminalamt beantragt die Durchsuchung der von Böhnhardt und Mundlos aufgesuchten Garage an der Kläranlage sowie zwei weiterer Garagen in der Richard-Zimmermann-Straße in Jena-Lobeda.

19. Januar 1998

Das Amtsgericht Jena erlässt auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gera einen Durchsuchungsbeschluss für die drei Garagen mit dem Ziel, dort Vergleichsmaterial zu den Bomben und Bombenattrappen zu finden. Der Verdacht lautet auf Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens laut Paragraf 311 b des Strafgesetzbuches (StGB).

Bei einer Besprechung von Vertretern des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Gera regt die Polizei die Festnahme Uwe Böhnhardts am Tag der Durchsuchung an. Der zuständige Staatsanwalt lehnt das ab. Er legt fest, dass mit ihm telefonisch Rücksprache zu halten sei, wenn in den Garagen umfangreiches Beweismaterial gefunden werden sollte. Dann könnten notwendige Maßnahmen abgestimmt werden. Nach Ansicht des Staatsanwalts reichen die Verdachtsgründe gegen Böhnhardt für eine Festnahme nicht aus.

26. Januar 1998

Die Polizei beginnt am frühen Morgen mit der Durchsuchungsaktion. Die Beamten suchen zunächst die Wohnung von Böhnhardts Eltern auf, wo sie Uwe Böhnhardt antreffen. Sie informieren ihn über die Maßnahme. Böhnhardt ist bei der Durchsuchung der ersten Garage in der Richard-Zimmermann-Straße anwesend. In der Garage steht sein Auto, das ebenfalls durchsucht wird. Während die Durchsuchung der Garage noch läuft, setzt sich Böhnhardt in sein Auto und fährt weg. Weil bis zu diesem Zeitpunkt keine möglichen Beweismittel in der Garage gefunden worden waren, hält ihn die Polizei nicht auf. Der Einsatzleiter wird aber über das Wegfahren Böhnhardts über Funk informiert. Diese Dinge spielen sich zwischen 8:30 und 9 Uhr ab.

Die gefundenen Rohrbomben aus der Garage in Jena werden im Februar 1998 in Erfurt im Landeskriminalamt der Presse vorgestellt.
Die Polizei präsentiert einige der Fundstücke aus der Garage in Jena.

Um 9 Uhr beginnt die Durchsuchung der Garage an der Kläranlage. Zwischenzeitlich hatte sich herausgestellt, dass diese Garage einem Polizeibeamten aus Jena gehört, der sie an Beate Zschäpe untervermietet hat. Der Beamte hilft seinen Kollegen beim Öffnen der Garage. Dort findet die Polizei dann vier funktionsfähige Rohrbomben mit insgesamt fast 1,4 Kilogramm TNT-Sprengstoff. Daraufhin ordnet die Staatsanwaltschaft Gera die vorläufige Festnahme von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe an sowie die Durchsuchung aller ihnen zuzuordnenden Objekte.

Die Drei sind aber bereits untergetaucht. Böhnhardt entzieht sich damit auch einer Gefängnisstrafe: Seit Dezember 1997 ist ein Urteil des Landgerichts Gera gegen ihn rechtskräftig. Das Gericht hatte ihn im Oktober wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt.

Später taucht Juliane W., Freundin des Jenaer NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben, vor der Wohnung von Mundlos auf, die gerade von der Polizei durchsucht wird. Auf die Frage, was sie hier wolle, erklärt sie den Beamten, sie wolle Fernsehen schauen - obwohl sich in der Wohnung kein Fernseher befindet. Die Polizisten notieren in ihrem Protokoll: "Es ist der Eindruck entstanden, sie sei lediglich zur Überprüfung zu der Wohnung geschickt worden." In der Wohnung von Zschäpe werden unter anderem Waffen gefunden. In den von Uwe Böhnhardt bewohnten Zimmern in der Wohnung seiner Eltern werden unter anderem Patronen und ein 30 Zentimeter langes Rohrstück sichergestellt.

28. Januar 1998

Die Staatsanwaltschaft Gera beantragt beim Amtsgericht Jena Haftbefehle gegen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe wegen des Verdachts der gemeinsamen Herstellung der sogenannten Theaterbombe. Die Haftbefehle werden noch am selben Tag erlassen.

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