Dabei ab zwei

Erster Raubüberfall / Helfer beschaffen Waffen

18. Dezember 1998

Böhnhardt und Mundlos überfallen einen Edeka-Supermarkt in Chemnitz und erbeuten dabei 30.000 DM. Bei dem Überfall benutzen sie Schusswaffen, es werden zwei Schüsse abgefeuert. Anhand der am Tatort gefundenen Patronenhülsen kann die Polizei den beiden mehr als zehn Jahre später den Überfall nachweisen.

Anfang 1999

Böhnhardt erhält von seinen Eltern 500 D-Mark, die ihm von Boten überbracht werden. Den gleichen Geldbetrag hatten ihm seine Eltern bereits im Jahr davor auf demselben Weg zukommen lassen.

Mai 1999

Der Thüringer Verfassungsschutzbericht 1998 wird veröffentlicht. Auf Seite 39 wird auch der Rohrbombenfund in Jena thematisiert. Es werden die Namen der drei Verdächtigen genannt: Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe.

Ende 1999

Helfer beschaffen für die Untergetauchten mindestens eine Schusswaffe samt Munition und übergeben sie an das Trio. An der Waffenbeschaffung sind auch Funktionäre der Thüringer NPD beteiligt. (siehe hierzu auch Eintrag zum 23. Februar 2012)

6. Mai 2000

Verfassungsschützer aus Sachsen und Thüringen observieren in Chemnitz die Wohnung einer mutmaßlichen Kontaktperson der Untergetauchten. Die Beamten beobachten und fotografieren einen jungen Mann, der bei einem Umzug hilft. Sie vermuten, dass es sich um Böhnhardt handelt, sind sich aber nicht sicher. Deshalb wird das Foto mit der Bitte um Identifizierung an das Thüringer Landeskriminalamt geschickt. Weil dieses auch unsicher ist, ob der Fotografierte tatsächlich Böhnhardt ist, schickt es das Foto an das Bundeskriminalamt. Im Juni kommt von dort die Bestätigung, dass es sich um Böhnhardt handelt.

29. September bis 25. Oktober 2000

Der sächsische Verfassungsschutz und die Polizei observieren in Chemnitz die Wohnung einer mutmaßlichen Kontaktperson des Trios in der Bernhardtstraße. Anlass waren Hinweise vom Thüringer Verfassungsschutz, dass Böhnhardt und zwei weitere Personen sich dort treffen wollten. Die Thüringer vermuten, dass in der Wohnung eine kleine Feier für Böhnhardt geplant ist, der am 1. Oktober Geburtstag hat. Am 29. September tauchen vor dem überwachten Haus zwei Personen auf, die sich kurz die Klingelschilder ansehen und dann weitergehen. Später wird gemutmaßt, dass es sich um Böhnhardt und Zschäpe gehandelt haben könnte. Die Observierung bringt jedoch keine konkreten Ergebnisse oder Hinweise auf die Gesuchten.

1. Mai 2001

Das Trio bezieht eine Wohnung in der Polenzstraße in Zwickau. Der Mietvertrag läuft auf den Namen eines Matthias D.

2001/2002

Holger G., ein Bekannter von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe und wie diese Mitglied der rechtsextremen "Kameradschaft Jena", übernimmt in der Wohnung des NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben in Jena eine in einem Stoffbeutel verstaute Schusswaffe und bringt sie in dessen Auftrag nach Zwickau. Dort wird er am Hauptbahnhof von Zschäpe abgeholt. In der Wohnung in der Polenzstraße 2 übergibt er die Waffe nebst Munition an Böhnhardt und Mundlos. Bei Vernehmungen nach seiner Verhaftung im November 2011 kann sich G. nicht mehr an den genauen Zeitpunkt seines Kurierdienstes erinnern. Er nennt nur vage den Zeitraum zwischen dem 1. Mai 2001 und einem Zeitpunkt im Jahr 2002.

Juni 2001

Helfer Holger G. lässt sich auf Verlangen des Trios einen Reisepass ausstellen, den er bei einem Treffen am Bahnhof in Zwickau an Zschäpe übergibt. Der Pass ist für Böhnhardt bestimmt.

5. Dezember 2001

Nach vier Jahren Fahndung fehlt von den Verdächtigen noch immer jede Spur. Auch der Einsatz von Zielfahndern des LKA hat laut Oberstaatsanwaltschaft in Gera keine neuen Erkenntnisse gebracht. Zwischenzeitlich wurden die Frau und die zwei Männer in Südamerika und Osteuropa vermutet. Die Ermittler bezeichnen es als ungewöhnlich, dass die inzwischen 24 bis 27 Jahre alten Gesuchten keine Spuren hinterließen, obwohl sie vor ihrem Abtauchen kein finanzielles Polster besessen haben sollen.

Frühjahr 2002

Die drei Untergetauchten teilen den Eltern von Uwe Böhnhardt bei einem konspirativen Treffen in Chemnitz mit, dass man sich nicht mehr sehen könne. Einen Grund nennen sie nicht, wie Böhnhardts Eltern später vor Gericht aussagen. Solche Treffen hatte es auch in den Jahren 1999 und 2000 gegeben. Böhnhardts Eltern erklären ein Jahrzehnt später, sie hätten die Drei bei diesen Treffen wiederholt aufgefordert, sich der Polizei zu stellen.

17. September 2003

Die Geraer Oberstaatsanwaltschaft gibt bekannt, dass die Ermittlungsverfahren gegen die drei Verdächtigen wegen der Bombenattrappen von 1996/97 eingestellt worden seien, weil die Verjährungsfrist abgelaufen sei. Trotz intensiver Fahndung seien die Beschuldigten seit 1998 wie vom Erdboden verschluckt.

Ohne Wissen über einen Aufenthaltsort war es der Staatsanwaltschaft zufolge nicht möglich, die Verjährung mittels Anklage erneut zu unterbrechen. Zudem hätten die Beschuldigten vor einer Anklage angehört werden müssen. Somit konnte nur bis zum 22. Juni 2003 ermittelt werden. Laut Oberstaatsanwalt Raimund Sauter gab es nach Recht und Gesetz keine andere Möglichkeit, als die Verfahren einzustellen: "Verjährt ist verjährt."

Januar oder Februar 2004

Der Helfer Holger G. beantragt einen neuen Führerschein und gibt an, das alte Dokument verloren zu haben. Am 4. Februar erhält er den Führerschein, den er an Böhnhardt übergibt - zusammen mit einer auf G.'s Namen ausgestellten ADAC-Mitgliedskarte. Die Kosten für den neuen Führerschein bekommt er von Zschäpe erstattet.

Anfang 2006

Der Helfer Holger G. erhält von dem Trio den Auftrag, eine Krankenversicherungskarte zu beschaffen, um Zschäpe eine ärztliche Behandlung zu ermöglichen. Er kauft einer Bekannten für 300 Euro deren Versichertenkarte der AOK Niedersachsen ab und übergibt sie zusammen mit Informationen über die Karteninhaberin an das Trio. Seine Auslagen bekommt er von Zschäpe erstattet. Zschäpe begibt sich im Jahr 2006 mehrfach in Halle/Saale in zahnärztliche Behandlung.

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK