Dabei ab zwei

Leichen in einem Wohnmobil und Hausexplosion in Zwickau

4. November 2011

Mundlos und Böhnhardt fahren mit Fahrrädern zum Eisenacher Nordplatz. Um 9:15 Uhr stürmen sie maskiert und bewaffnet die dortige Sparkassen-Filiale. Sie gehen äußerst resolut vor und prügeln auf einen Angestellten ein, weil dieser nicht schnell genug Geld zusammenklaubt. Mit etwas mehr als 75.000 Euro Beute flüchten die beiden Räuber.

Die von den Bankangestellten alarmierte Polizei erhält gegen 10:25 Uhr einen Hinweis von einen Kollegen der Kripo Gotha. Sie Täter könnten mit Fahrrädern geflüchtet sein und ein zum Verstecken der Räder geeigneten Fahrzeug ansteuern. Zu diesem Schluss war die Kripo nach Auswertung des Überfalls von Arnstadt und einem Vergleich mit anderen, noch ungeklärten Banküberfällen gekommen, die alle nach dem selben Muster abgelaufen waren. Die Eisenacher Polizei sucht nun gezielt nach Männern mit Fahrrädern und erhält von einem Zeugen in der Nähe der Bank einen wichtigen Hinweis. Der Zeuge hatte zwei Männer dabei beobachtet, wie sie Fahrräder in einem Wohnmobil verstauten und eilig davonfuhren. Vom Nummernschild des Wohnmobils hatte sich der Zeuge den Buchstaben "V" gemerkt.

Explosion eines Wohnwagens in Eisenach
Das Wohnmobil, in dem die Leichen von Mundlos und Böhnhardt gefunden wurden.

Gegen 12 Uhr wird eine Polizeistreife im Eisenacher Ortsteil Stregda auf einen weißen Caravan aufmerksam. Die beiden Beamten fordern zunächst Verstärkung an und nähern sich dann dem Fahrzeug. Sie hören zwei Knallgeräusche und sehen mit an, wie der Wohnwagen in Flammen aufgeht. Im Inneren werden wenig später die Leichen von zwei 34 und 38 Jahre alten Männern sowie mehrere Schusswaffen gefunden. Es handelt sich um Mundlos und Böhnhardt. Außerdem befinden sich im Wohnwagen mehrere Tausend Euro und weitere Gegenstände. Darunter befindet sich eine auf den Namen von André E. aus Zwickau ausgestellte und mit einem Foto von Böhnhardt versehene Bahncard. (siehe auch Eintrag zum 8. Mai 2009)

Feuerwehrleute löschen in Zwickau ein Wohnhaus
Löscharbeiten an dem explodierten Haus

In der Zwickauer Frühlingsstraße explodiert am Nachmittag ein Wohnhaus. Zeugen wollen beobachtet haben, wie die Bewohnerin einer Wohnung des Hauses - Beate Zschäpe - kurz vor der Explosion das Gebäude verlassen hat. Danach verlor sich ihre Spur.

Eine Nachbarin gibt den Polizeibeamten vor Ort die Handynummer von Zschäpe. Die Polizei versucht mehrfach erfolglos, Zschäpe zu erreichen. Ihre wahre Identität ist den Beamten zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

5. November 2011

Zschäpe ruft Böhnhardts Mutter an und teilt ihr mit, dass ihr Sohn tot sei.

6. November 2011

Zschäpe ist auf der Flucht durch Deutschland. Sie fährt mit dem Zug von Norddeutschland über Magdeburg und Halle nach Eisenach.

7. November 2011

Zschäpe fährt von Thüringen wieder nach Sachsen-Anhalt. Unter anderem hält sie sich in Halle/Saale auf.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gibt bekannt, dass es sich bei den in dem Wohnmobil gefundenen Pistolen offenbar um jene Dienstwaffen handelt, die im April 2007 verschwanden, nachdem die Thüringer Polizistin Michèle K. in Heilbronn erschossen wurde.

8. November 2011

Zschäpe, nach der inzwischen bundesweit gefahndet wird, stellt sich am Nachmittag der Polizei in Jena. Sie wird von einem Rechtsanwalt begleitet. Die Frau wird festgenommen und nach Zwickau gebracht.

Nach Auffassung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist damit der Fall der ermordeten Polizistin aufgeklärt. Sie geht davon aus, dass die Tat von der Gruppe begangen wurde. Baden-Württembergs Innenminister weist diese Äußerungen kurz darauf als verfrüht zurück.

9. November 2011

Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau informieren in einer Pressekonferenz über den aktuellen Ermittlungsstand zu der Hausexplosion am 4. November in Zwickau. Sie teilen unter anderem mit, dass in den Trümmern der Wohnung mehrere Schusswaffen gefunden worden sind. Dass sich darunter auch die Tatwaffe des Polizistenmordes von Heilbronn befindet, können sie nicht bestätigen. Die Untersuchung der Waffen sei noch nicht abgeschlossen, heißt es.

Es seien aber Bekleidungsstücke gefunden worden, die im Zusammenhang mit mehreren Banküberfällen in der Region Zwickau in den zurückliegenden Jahren in Verbindung stehen könnten. Beate Zschäpe, die sich am Vortag der Polizei in Jena gestellt hatte, habe sich bisher nicht geäußert. Die Ermittlungsbehörden gehen nach eigenen Angaben aber davon aus, dass sie das Wohnhaus angezündet hat.

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