Dabei ab zwei

Wie viele Unterstützer hatte das Trio?

16. November 2011

Bei der Fahndung nach der rechtsextremen Terroristengruppe räumen das niedersächsische Innenministerium und der Verfassungsschutz des Landes schwere Fehler ein. Verfassungsschutzpräsident Hans Wargel sagte, der als mutmaßlicher Komplize des Neonazi-Trios bei Hannover festgenommene Holger G. sei bereits im Herbst 1999 auf Bitten aus Thüringen in Niedersachsen beobachtet worden. Der Mann sei schließlich aber nur als Mitläufer eingestuft worden. Der Bericht über ihn sei dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz übergeben worden. In Niedersachsen wurde nichts weiter unternommen, die Akte nach drei Jahren gelöscht.

Der frühere Thüringer Verfassungsschutzpräsident Helmut Roewer übernimmt derweil für die erfolglose Fahndung nach den späteren rechten Terroristen aus Jena die Verantwortung. Roewer sagt dem MDR THÜRINGEN, die Behörde habe 1998 den Auftrag bekommen, das Trio zu finden, was trotz einer "sehr aufwendigen Operation" misslungen sei.

17. November 2011

Der Verfassungsschutz soll nicht mit dem Neonazi-Trio aus Mitteldeutschland zusammengearbeitet haben. Das sagt der neue Generalbundesanwalt Harald Range bei seiner Amtseinführung. Er schränkt an seinem ersten Arbeitstag allerdings ein, dass es sich um seinen derzeitigen Kenntnisstand handelt. Das Bundesamt räumt gleichwohl Versäumnisse bei der Fahndung ein. Informationswege und Bearbeitungsweise im Bereich des militanten Rechtsextremismus müssten optimiert werden.

18. November 2011

Recherchen des MDR ergeben, dass das Thüringer Landeskriminalamt offenbar kurz nach dem Untertauchen des Trios Ende der 1990er-Jahre die Möglichkeit hatte, die beiden Männer und die Frau festzunehmen. Zielfahnder des LKA hatten sie in Chemnitz aufgespürt. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Thüringer Polizei wurde in Alarmbereitschaft, jedoch nicht in Marsch gesetzt. Das Landeskriminalamt erklärt, es habe zu dieser Zeit keine Kenntnis über den Aufenthaltsort der Gesuchten gehabt.

19. November 2011

Die Bundesanwaltschaft teilt mit, dass eine der in den Trümmern der Zwickauer Wohnung gefundenen Waffen bei dem Polizistenmord im April 2007 in Heilbronn verwendet worden ist. Offenkundig wurde mit dieser Waffe auf den Kollegen der ermordeten Polizistin Michèle K. geschossen, der schwer verletzt wurde. Die Waffe, mit der die Polizistin ermordet wurde, war bereits einige Tage zuvor identifiziert worden. Auch sie hatte in den Trümmern der Wohnung gelegen. Die Dienstwaffe von Michéle K. war am 4. November in dem Wohnmobil in Eisenach gefunden worden, in dem Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot aufgefunden wurden.

Neue Informationen gibt es auch über den mutmaßlichen Unterstützer des Trios Matthias D. aus Johanngeorgenstadt. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN hat er am 27. April 2001 den Mietvertrag für die Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße unterzeichnet. Das Mietverhältnis begann am 1. Mai 2001. Genutzt wurde die Wohnung von Beate Zschäpe. Der Anwalt von Matthias D. hatte hingegen erklärt, sein Mandant sei erst im Jahr 2003 in Kontakt zu dem Trio gekommen. Der Mann ist auch als Mieter in dem Mietvertrag für die Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau eingetragen, die ab 2008 genutzt und am 4. November 2011 zerstört wurde. Das Mietverhältnis dort begann am 1. März 2008. Allerdings wurde die Unterschrift in dem zweiten Mietvertrag offenbar gefälscht, sie ist nicht mit der im Mietvertrag aus dem Jahr 2001 identisch.

21. November 2011

Das Bundeskriminalamt gibt weitere Details zum Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November in einem Wohnmobil in Eisenach bekannt. BKA-Chef Jörg Ziercke erklärt, laut gegenwärtigem Ermittlungsstand habe Mundlos seinen Komplizen Böhnhardt mit einem aufgesetzten Kopfschuss getötet, dann Feuer in dem Wohnmobil gelegt und sich anschließend mit derselben Waffe erschossen. Dies belege die Tatsache, dass bei der Obduktion der beiden Leichen nur in der Lunge von Mundlos Rußpartikel des Feuers gefunden wurden. Demnach muss Böhnhardt bereits tot gewesen sein, als das Wohnmobil brannte.

22. November 2011

Sachsens Innenminister Markus Ulbig teilt mit, dass die sächsische Polizei im Jahr 2000 mit verdeckten Ermittlern nach dem untergetauchten Trio aus Jena gesucht hat. Es habe damals eine Observation von vermeintlichen Kontaktpersonen in Chemnitz gegeben, sagt Ulbig. Diese Maßnahme habe allerdings keine Erkenntnisse zum Verbleib von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gebracht. Nach Angaben von Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz hat die Observation "wenige Tage" gedauert. Sämtliche Informationen seien an die damaligen Ermittler in Thüringen übermittelt worden.

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