Dabei ab zwei

Weitere Festnahmen aus dem Umfeld der Terror-Zelle

24. November 2011

Im Kreis Potsdam-Mittelmark lässt die Bundesanwaltschaft einen weiteren mutmaßlichen Helfer des Trios festnehmen. Der 32-jährige Andre E. aus Zwickau wird auf dem Gehöft seines Bruders gestellt. Er soll der Terrorzelle bei der Herstellung des Propagandavideos geholfen haben.

29. November 2011

Die Bundesanwaltschaft lässt den früheren Thüringer Vize-Chef der NPD, Ralf Wohlleben, festnehmen. Gegen ihn besteht der Verdacht, das Terror-Trio nach dessen Untertauchen unterstützt zu haben. Die Ermittler verdächtigen den 36-Jährigen der Beihilfe zum Mord in sechs Fällen sowie zum versuchten Mord. Er soll den drei Untergetauchten im Jahr 2001 oder 2002 per Kurier eine Waffe mit Munition nach Zwickau geschickt haben. Offenbar wurde diese Waffe bei einigen der Morde an türkischen und griechischen Gewerbetreibenden sowie bei dem Angriff auf zwei Polizisten in Heilbronn im Jahr 2007 verwendet. Der Bundesgerichtshof erlässt noch am selben Tag Haftbefehl gegen Wohlleben.

1. Dezember 2011

Waffen, die im Wohnhaus der Täter der Neonazi-Mordserie in Zwickau sichergestellt wurden
Das Waffenarsenal des Trios

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt starten eine öffentliche Fahndung nach weiteren mutmaßlichen Unterstützern des Terrortrios. Davon erhoffen sie sich weitere Hinweise aus der Bevölkerung zu den Straftaten, die dem Trio vorgeworfen werden. Gesucht werden Zeugen, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe auf Park- und Campingplätzen gesehen haben sowie Angaben zum Wohnort machen können.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, räumt ein, dass es bei der Aufklärung der Taten noch viele Lücken gibt. Bislang seien rund 250 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Die Ermittlungen stützen sich derzeit vor allem auf rund 2.500 Beweisstücke, die hauptsächlich in der letzten Wohnung des Trios in Zwickau sichergestellt wurden. Daraus lassen sich unter anderem 56 Anmietungen von Fahrzeugen nachweisen, darunter etwa ein Drittel Wohnmobile. Etliche Mietzeiträume passen mit Zeitpunkten von Taten zusammen, die dem Trio vorgeworfen werden.

11. Dezember 2011

Die Bundesanwaltschaft lässt durch ein Sondereinsatzkommando des Landeskriminalamtes Sachsen in Johanngeorgenstadt den 36-jährigen Matthias D. festnehmen. Außerdem durchsucht die Polizei drei Wohnungen im Erzgebirgskreis, darunter die Wohnung von D. sowie einer weiteren möglichen Unterstützerin des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wird D. verdächtigt, die terroristische Vereinigung NSU unterstützt zu haben. Er soll Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zwei Wohnungen in Zwickau als dauerhafte Unterkunft überlassen haben. Die erste Wohnung soll er im Mai 2001 gemietet haben, die zweite im März 2008. "Um keinen Verdacht zu erregen, soll er im Juni 2003 mit Uwe B. schriftliche Untermietverträge auf einen Aliasnamen des 'NSU'-Mitglieds geschlossen haben", heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Auf diese Weise soll er der Zwickauer Zelle geholfen haben, "ein Leben unter falscher Identität zu führen und unentdeckt Terroranschläge verüben zu können".

13. Dezember 2011

Auf der Festplatte eines in der zerstörten Zwickauer Wohnung sichergestellten Computers haben Experten des Bundeskriminalamtes zwei frühere Entwürfe des Bekennervideos des "NSU" sichern können. Das teilt die Bundesanwaltschaft mit. Nach ihren Angaben werden in den Filmen einige der Morde sowie der Nagelbomben-Anschlag im Jahr 2001 in Köln erwähnt. Das Video zeige aber eine andere Bildersprache als das bislang bekannte Video mit der Zeichentrick-Figur Paulchen Panther, erklärt die Behörde.

18. Dezember 2011

Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz räumt nach entsprechenden Medienberichten ein, dass es Ende der 1990er-Jahre 2.000 D-Mark an einen V-Mann gezahlt hat, um über diesen an Informationen über das untergetauchte Trio aus Jena zu gelangen. Dieser V-Mann habe das Geld einem Mittelsmann zugespielt, der mit der Beschaffung neuer Pässe für die Untergetauchten beauftragt gewesen sei, sagt Behördensprecher Andreas Bock. Die Enttarnung des Trios sei gescheitert, weil der Mittelsmann das Geld für sich selbst verwendet habe. Diese Informationen habe man von einem früheren Mitarbeiter des Verfassungsschutzes.

23. Dezember 2011

Das Landeskriminalamt Thüringen bestätigt einen Zeitungsbericht, wonach im Jahr 2003 wichtige Beweismittel gegen die Bombenbauer vernichtet worden sind. Dabei handelt es sich unter anderem um die im Jahr 1998 in Jena sichergestellten Rohrbomben. Diese seien aus Sicherheitsgründen zerstört worden, erklärt die Behörde. Damit ist eine Möglichkeit verpasst, zu überprüfen, ob die Bombenbauer für einen Bombenanschlag im Jahr 2004 in Köln verantwortlich waren. Denn sowohl die in Jena gefundenen Rohrbomben als auch die in Köln verwendete Bombe enthielten Schwarzpulver.

Außerdem sind Mitschnitte von Telefongesprächen mehrerer Neonazis aus Sachsen aus dem Jahr 2000 vernichtet worden. Die sächsische Polizei hatte die Telefonate abgehört, weil die Neonazis im Verdacht standen, direkten Kontakt zu den Untergetauchten zu haben. Nach Angaben des Landeskriminalamtes wurden die Beweise vernichtet, weil das Ermittlungsverfahren gegen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe im Jahr 2003 wegen Verjährung der mutmaßlichen Taten eingestellt wurde.

13. Januar 2012

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht bestätigt einen MDR-Bericht, dass Beate Zschäpe Kontakte nach Sachsen-Anhalt hatte. So seien bei einer Frau aus Sachsen-Anhalt Zschäpes Kontaktdaten gefunden worden. Außerdem habe sich Zschäpe im Jahr 2006 mindestens zweimal in Halle von einem Zahnarzt behandeln lassen, allerdings unter falschem Namen.

25. Januar 2012

In Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg werden mehrere Wohnungen und Geschäftslokale mutmaßlicher NSU-Helfer durchsucht.

1. Februar 2012

Als fünfter mutmaßlicher Helfer der Terrorzelle wird Carsten S. in Düsseldorf verhaftet. Der 31-Jährige wird von der Bundesanwaltschaft verdächtigt, im Jahr 2001 oder 2002 in Jena eine Waffe und Munition beschafft zu haben, die über Kuriere an das Terror-Trio geliefert worden sein soll. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN soll er 1999 und 2000 telefonischen Kontakt zu den Untergetauchten gehalten haben. Außerdem wird er verdächtigt, im Jahr 1999 Spendengelder für das Trio nach Sachsen überwiesen zu haben.

23. Februar 2012

Es wird bekannt, dass Carsten S. bei Vernehmungen die Lieferung einer Pistole und Munition an das Terror-Trio gestanden hat. Entsprechende Berichte werden von seinem Rechtsanwalt in einer Presseerklärung bestätigt. Darin heißt es unter anderem, bei der Waffe handele es sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um die Pistole der Marke Ceska 83, die bei den neun Morden an Migranten in den Jahren 2000 bis 2006 benutzt worden ist. S. habe die Waffe im Zeitraum zwischen Herbst 1999 und Sommer 2000 an die Untergetauchten geliefert. Zu diesem Zeitpunkt habe er aber nichts von geplanten oder begangenen Straftaten des Trios gewusst.

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