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Damals nach der DDR | MDR | 11.10.2011 | 22:05 Uhr : Teil 2: Aufbruch und Abschied

Bei den einen verursachte das nahende Ende der DDR wahre Existenzängste, für die anderen öffneten sich ganz neue Möglichkeiten. Teil 2 der Dokumentationsreihe "Damals nach der DDR" verdeutlicht, welche unterschiedlichen Emotionen die Wiedervereinigung bei den Menschen hervorgerufen hat.

FDJ-Ausweis von Heidrun Kruse.
FDJ-Ausweis von Heidrun Kruse

Anfang des Jahres 1990 ist das Ende der DDR bereits absehbar, auch die alles beherrschende SED kann daran wenig ändern. Die Partei, die bisher alle Fäden in der Hand hielt, hat ihre Führungsrolle verloren. Millionen von Mitgliedern sind orientierungslos. So geht es auch Heidrun Kruse, die nördlich von Berlin seit sieben Jahren als Pionierleiterin in der "Pionierrepublik Wilhelm Pieck" tätig ist. Bisher hat sie in ihrem Traumberuf Freizeitangebote ebenso wie politische Schulungen organisiert, doch wie bei vielen SED-Genossen macht sich nun Ratlosigkeit in ihr breit. Ihre Partei, die jahrzehntelang die Macht für sich beansprucht hatte, weiß plötzlich selbst keinen Rat mehr und auch Kruse, deren Job am seidenen Faden hängt, spürt erstmals Existenzangst. Der Austritt aus der Partei erscheint ihr schließlich als letzter Ausweg.

Freie Presse aus Niedersachsen

Unterdessen sehnen sich die DDR-Bürger nach Dingen, die sie jahrelang entbehren mussten. Sie reisen in den Westen, konsumieren bislang unbekannte Waren und haben ein Verlangen nach freien Informationen. Jahrelang bekamen sie von den staatsnahen DDR-Medien nur gefilterte Nachrichten geboten nun soll sich das schnellstmöglich ändern. Doch westliche Presseprodukte sind anfangs noch verboten. Für den niedersächsischen Unternehmer Dirk Rossmann ist das jedoch kein Hindernis, er möchte trotzdem seinen Teil dazu beitragen, seine Landesnachbarn mit freier Presse zu versorgen. Mit 20.000 Exemplaren des Spiegel-Magazins im Gepäck, macht er sich auf den Weg nach Leipzig, die Grenzkontrollen umgeht er mit einem Trick. In der sächsischen Großstadt bekommt er dann den ungezügelten Durst der Einwohner auf unabhängige Informationen am eigenen Leib zu spüren – die Mitbringsel werden ihm förmlich aus den Händen gerissen.

Aktuelle Berichte, frei von Konventionen

Margot Friedrich, die 1990 in Eisenach die unabhängige Zeitung "Die andere Zeitung" gegründet hatte.
Margot Friedrich, die 1990 in Eisenach die unabhängige Zeitung "Die andere Zeitung" gegründet hatte.

Ähnlich ergeht es Margot Friedrich in Eisenach, die weder auf vergleichbare Lieferungen aus dem Westen, noch auf die Reformation der DDR-Presse warten möchte, sondern selbst journalistisch aktiv wird: Sie gründet ein unabhängiges Blatt mit dem Namen "Die Andere Zeitung". Zunächst in Eigenregie, später unter Mithilfe von Gleichgesinnten, versorgt sie ihre Mitmenschen mit interessanten Berichten über das aktuelle Geschehen, auf journalistische Konventionen nimmt sie dabei wenig Rücksicht. Eines ihrer ersten Themen behandelt die ersten freien Wahlen in der DDR. Diese offenbaren, was die Bevölkerung mehrheitlich will: ein einheitliches Deutschland auf demokratischer Basis.

Die harte Währung kommt

Der erste große Schritt zu einem vereinten Land soll mit der Einführung der D-Mark im Osten getan werden. Während der kurzen, aber intensiven Vorbereitungen für die deutsch-deutsche Währungsunion, muss das Referat "Innerdeutsche Beziehungen" des Bundesfinanzministeriums unter der Leitung von Thilo Sarrazin jede Menge Fragen klären. Allen voran, welcher Umtauschkurs schließlich zugrunde gelegt werden soll. "Nur eine Umstellung 1:1 konnte in Frage kommen", erinnert sich Sarrazin.

Der Leipziger Betrieb "Eis-Mayer", der das in der DDR heiß begehrte Eis am Stiel herstellte
Der Leipziger Betrieb "Eis-Mayer", der das in der DDR heiß begehrte Eis am Stiel herstellte

Als die DDR-Bürger letztlich am 1. Juli die Banken stürmen und das begehrte Westgeld in Empfang nehmen, denkt noch keiner an die Schattenseiten. Ausgestattet mit der harten Währung, beginnt ein Ansturm auf die Kaufhäuser, aus denen jedoch nach und nach die Ost-Produkte verschwinden. Margot Siedow, die bereits seit 28 Jahren bei einem Eishersteller in Leipzig arbeitet, bekommt diese Entwicklung zeitnah zu spüren: Die Nachfrage nach dem in der DDR begehrten Eis am Stiel sinkt rapide, es droht das Ende der Produktion.

Bildergalerie: Fotos zum zweiten Teil "Aufbruch und Abschied"

Margot Friedrich, die 1990 in Eisenach die unabhängige Zeitung "Die andere Zeitung" gegründet hatte. Margot Friedrich heute FDJ-Ausweis von Heidrun Kruse

Die DDR ist am Ende. Die ersten freien Wahlen in der DDR zeigen, was die Bevölkerung mehrheitlich will: die Wiedervereinigung Deutschlands, die D-Mark. Fotos aus dieser Zeit des Aufbruchs und Abschieds finden Sie hier. [Bilder]


Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2011, 15:11 Uhr

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