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SACHSENSPIEGEL | MDR FERNSEHEN | 11.03.2007 : Cäsar war IM Klaus Weber

Am 12. März ist die Autobiografie des Ostrockers Peter Gläser, genannt Cäsar, erschienen. Vor allem die Fans der ehemaligen Gruppe Renft, zu der Cäsar gehörte, sind geschockt. In "Wer die Rose ehrt" bekennt sich Cäsar zu 22 Jahren Stasi-Mitarbeit.

Peter Gläser gehörte erst zur Gruppe Renft, später zu Karusell. Nach der Wende tourte er weiter mit verschiedenen, von ihm gegründeten Bands, durchs Land. Der Name der Gruppe Renft stand vor allem für Aufrichtigkeit, für ehrlichen Ostrock. Gegründet wurde Renft 1958 von Klaus Jentzsch. Anfang der 70er-Jahre veröffentlichte die Band zwei Studioalben. Mit den darauf enthaltenen Titeln wie "Nach der Schlacht", "Als ich wie ein Vogel war", "Wer die Rose ehrt" und "Ermutigung" entwickelte sich die Band zu einer der bekanntesten und beliebtesten Rockgruppen der DDR. Weniger beliebt war Renft allerdings bei den staatlichen Organen, da viele Liedtexte zwischen den Zeilen Kritik am "real existierenden" System enthielten. Nachdem man in der Rockballade vom kleinen Otto die missglückte Republikflucht eben jenes Ottos thematisierte, wurde Renft im Herbst 1975 verboten. In der Folgezeit verließen einige Bandmitglieder freiwillig die DDR. Andere wurden nach Monaten der Haft im Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen ausgebürgert. 1990 fand sich die Band zu einer Wiedervereinigungs-Tournee durch die zerfallende DDR wieder zusammen und veröffentlichte 1999 nach fast 25-jähriger Schaffenspause ihr drittes Studioalbum "Als ob nichts gewesen wäre". 2003 feierte die Band mit einem Konzert auf der Insel Rügen ihr 45-jähriges Bestehen.

IM spielt bei Renft

Peter Gläser hat in einer der aufrichtigsten Bands der DDR mitgespielt und war dabei Inoffizieller Mitarbeiter (IM) Klaus Weber der Staatssicherheit. Er selbst sagt heute, er habe mit seinen Spitzelberichten niemandem geschadet. 22 Jahre lang war Cäsar IM, erst 1989 endete mit der Auflösung der Staatssicherheit auch die Existenz des Klaus Weber. In seiner Biografie "Wer die Rose ehrt", die ab dem 12. März 2007 in den Buchläden zu kaufen ist, versucht Cäsar zu erklären, warum er mit der Stasi zusammengearbeitet hat.

Ich bin im Alter von 17 oder 18 Jahren da hinein geschlittert. Man hat mich gefragt, ob ich mitarbeite, und naiverweise habe ich erst einmal "Ja" gesagt. Zu dem Zeitpunkt stand ich auf den Sozialismus und dem, was in der DDR gemacht wurde. Dass das alles, was in der Zeitung stand, nicht mit dem übereinstimmte, was wir erlebt haben, habe ich dann erst in den Jahren bei Renft mitbekommen."

Peter Gläser
SACHSENSPIEGEL | Sendung vom 11.März 2007

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2007, 17:08 Uhr

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