Lexikon Ehe, Hochzeit, Scheidung

Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Hochzeit in der DDR
Eine Ehe war in der DDR schnell vollzogen: kein Aufgebot, keine Trauzeugen und billig war es auch. Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub

"Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß" - ein Traum, der sich in der DDR leicht erfüllen ließ - jedenfalls, was die Formalitäten anging: kein Aufgebot, keine Trauzeugen und billig war es. Seit 1971 erhielten junge Eheleute vom Staat sogar noch eine Mitgift, den zinslosen Ehe-Kredit.

Die DDR-Familienpolitik zeigte sich großzügig. Anfangs gab es 5.000 Mark, später 7.000. Dafür gab es bevorzugt Möbel zu kaufen. Der Kredit konnte, wie es in der DDR hieß, "abgekindert" werden, denn mit jedem Kind wurden zwischen 1.000 und 2.500 Mark erlassen.

DDR war Scheidungsweltmeister

Es gab noch weitere Morgengaben des Staates. Beispielsweise kamen Jungverheiratete schneller zu einer Wohnung - zumindest seit den 1970er-Jahren. Dennoch hielten viele Ehen nicht. Die DDR war Scheidungsweltmeister. Und das nicht von ungefähr. So schnell und unbürokratisch wie man sich in eine Ehe stürzen konnte, kam man auch wieder heraus. Es gab weder ein Trennungsjahr noch eine Schuldsprechung vor dem Familienrichter. Unterhaltszahlungen für Ehepartner waren die große Ausnahme. Da Frauen und Männer in der Regel einen Beruf und einen Arbeitsplatz hatten, waren sie auch finanziell selbstständig.

Kurt Demmler: "Lied für Maria

Dieses Lied sing' ich den Frauen die allein sind in den Nächten, ihr Alleinsein nicht verdauen und so gern bei ihm sein möchten. Dieses Lied sing' ich Maria, die schon auf der Penne eines ausprobierte und dann abging, denn sie kriegte etwas Kleines. Und der Vater von Maria, und der des begonnenen Kindes, wollten nichts mehr von ihr wissen. "Geh Maria und verwind es." Und Maria schluckte heftig, und es lag ihr schwer im Magen, und ihr Kindchen lag daneben, und sie wollt's nicht nur ertragen.

Die Familie stand unter besonderem Schutz des Staates

Die Familie war im Familiengesetzbuch als "die kleinste Zelle der Gesellschaft" beschrieben. Der Artikel 18 der Verfassung stellte sie sogar unter den "besonderen Schutz des sozialistischen Staates". Und wirklich ließ Vater Staat es an besonderer Aufmerksamkeit nicht fehlen - wenn er seine Spitzel selbst in die Intimsphäre vordringen ließ. Anderseits umwarb er die Familien mit großzügigen Ehekrediten, mit billigen Plätzen in Kindergärten und Kinderkrippen - Geld, das bei den alten Menschen an der Rente gespart wurde. Für die meisten war das Familienleben das wichtigste: "... das wiegt alles andere auf ...", beschrieb es einmal die Schriftstellerin Maxi Wander.

Ehe Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau, deren Inhalt und Form durch die jeweiligen Produktions- und Klassenverhältnisse bestimmt werden. In der antagonistischen Klassengesellschaft ist die E. durch wirtschaftliche und juristische Abhängigkeit der Frau vom Mann gekennzeichnet. Die sozialistische Gesellschaft schafft die Voraussetzungen für eine wirkliche freiwillige, auf gegenseitiger Zuneigung beruhende E. Die E. dient der Persönlichkeitsentwicklung der völlig gleichberechtigten Ehegatten und sichert die Erziehung der Kinder. E. und Familie stehen nach Artikel 38 der Verfassung der DDR unter dem besonderen Schutz des Staates. MEYERS UNIVERSAL-LEXIKON, Band 1, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1980, S. 590

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2010, 15:01 Uhr