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Pfarrer Karl-Heinz Dallmann im Porträt : Rauch und Gestank als tägliche Begleiter

Als Karl-Heinz Dallmann 1986 nach Mölbis ging, wusste der Pfarrer, dass ihn keine leichte Aufgabe erwartete. Der Ort galt nicht umsonst als schmutzigstes Dorf Europas ...

Wenn es nach faulen Eiern stank und sich dichte Rauchschwaden vor die eben noch strahlende Sonne schoben, dann wusste Pfarrer Karl-Heinz Dallmann, dass er zu Hause angekommen war. In Mölbis, dem dreckigsten Ort Europas. "Manchmal brannten am helllichten Tag Fackeln am Straßenrand, damit man nicht von der Fahrbahn abkam, so dicht war der rußige Nebel", erinnert er sich. Verursacher der stinkenden Rauchschwaden war das Braunkohlekraftwerk Espenhain, nur einen Katzensprung von Mölbis entfernt. "Das Grünzeug in unseren Gärten verkümmerte und die Kinder litten an Hautekzemen und Atemwegserkrankungen."

Gottesdienste für die Umwelt

Vorher war Karl-Heinz Dallmann Pfarrer in einem Naherholungsgebiet zwischen Leipzig und Dresden gewesen. 1987 wurde er nach Mölbis versetzt. Viel Zeit zum Ankommen blieb ihm damals nicht. "Der nächste Umweltgottesdienst stand an und musste organisiert werden", so der Pfarrer. Die Teilnehmer – nicht selten bis zu eintausend Menschen - kamen von überall her. "Im Garten unseres Pfarrhauses bauten verschiedene Umweltorganisationen Stände auf. Wir verteilten Flugblätter, obwohl das alles eigentlich verboten war."

Wallfahrt auf die Halde

"Bei einer unserer Wallfahrten auf die Abraumhalde konnten wir 1987 zum ersten Mal Informationen über die Schadstoffe, die hier in die Luft gejagt wurden, öffentlich machen", erzählt Dallmann. Das brisante Material hatte er anonym aus dem Werk zugespielt bekommen. "Ich glaube, dass das mit Duldung des Rates des Kreises geschah. Denn selbst der wusste, dass es so nicht weitergehen konnte, hatte aber auch keine Lösung. Aus Berlin kam immer nur der Befehl: produzieren, produzieren."

Damals hohle Versprechen - heute Umwelt Dauerthema

Immer wieder wurden die Umweltaktivisten um Pfarrer Dallmann mit Sanierungsversprechungen hingehalten. Aber es änderte sich nichts, bis zur Wende. Natürlich hat Dallmann das alles entscheidende Datum im Kopf: den 27. August 1990. "Da wurde der letzte Schwelofen abgeschaltet."

Inzwischen gehöre Mölbis zu den schönsten Orten der Region, schwärmt der Pfarrer von seinem Zuhause. Zeit zum Zurücklehnen also? Nicht für ihn. Jetzt engagiert er sich in sozialen Projekten und setzt sich für erneuerbare Energien ein. Obwohl die Brisanz jetzt endlich raus sei, sagt Dallmann, bleibe die Umwelt immer ein wichtiges Thema für ihn.

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2009, 13:30 Uhr

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