Pouch Faltboote
Bildrechte: MDR/Tobias Barth

Mit dem Faltboot über die Seen im Osten

Nach dem Mauerbau 1961 entwickelte sich die Müritzregion zum Wassersportparadies des Ostens. Mit ihren Pouch-Faltbooten eroberten die Freizeitkapitäne die ostdeutschen Binnenseen.

Pouch Faltboote
Bildrechte: MDR/Tobias Barth

Große Ferienpaläste gab es keine. Man versuchte eher privat unterzukommen oder suchte einen der zahlreichen großen und kleinen Zeltplätze direkt am Wasser auf. Die Vermieter der Unterkünfte freuten sich über das zusätzliche Einkommen. Dagegen waren die Touristen bei den Einheimischen weniger beliebt, kauften sie doch die knappen Sortimente in den wenigen Geschäften weg.

Bis auf eine Einschränkung konnten sich Urlauber rund um den See am Wasser vergnügen. Am Ostufer befand sich das Jagdgebiet Erich Honeckers. Hier war für die Urlauber Sperrgebiet.

See statt Ostsee

Der See hatte allein durch seine Ausmaße traditionell eine hohe Anziehungskraft für Urlauber aus der Region Berlin. Für Wassersportfans wurde der See ab 1961 nach dem Bau der Mauer besonders attraktiv, denn mit dem Mauerbau trat ein Segelsportverbot an der gesamten DDR-Küste in Kraft. Selbst Luftmatratzen galten Grenztruppen als verdächtig und als mögliches Fluchtmittel. In Wahren etablierten sich die "Mecklenburger Segelwochen", zu denen alljährlich die Segelelite der DDR anreiste. Was den Spitzensportlern genügte, machte auch vielen Hobbyseglern Spaß, wenn sie denn ein Boot ergattern konnten.

Faltbootparadies Müritz

Wenn die DDR in einem Bereich des Bootsbaus wirklich Weltklasse besaß, dann waren es die Faltboote. Leicht zu transportieren, wendig und bei pfleglicher Behandlung unverwüstlich. Gerade die Spitzenboote von "Pouch" waren heiß begehrt. Die Müritz bot ein ideales Paddelrevier. Die Routiniers wagten sich auf den See, die Wasserwanderer tummelten sich in den zahlreichen Kanälen rund um die Müritz.

Pouch - Faltboote mit Tradition

Ein kleines Stück Freiheit auf dem Wasser, zusammengefügt aus Holz, Baumwollstoff und einer PVC-Haut. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Faltboote wie im Osten Deutschlands.

Ein Mann und ein Junge bauen ein Faltboot auf
Ein kleines Stück Freiheit auf dem Wasser, zusammengefügt aus Holz, Baumwollstoff und einer PVC-Haut. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Faltboote wie im Osten Deutschlands. Viele dieser Boote fahren seit mehr als 50 Jahren. Bei richtiger Pflege sind sie praktisch unverwüstlich.
Die Welt vom Faltboot aus gesehen ist eine andere. Man ist somit ein bescheidener Gast, ein sanftmütiger Beobachter der Natur – nicht ihr Bezwinger.
Bildrechte: MDR/Katrin Wenzel
Ein Mann und ein Junge bauen ein Faltboot auf
Ein kleines Stück Freiheit auf dem Wasser, zusammengefügt aus Holz, Baumwollstoff und einer PVC-Haut. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Faltboote wie im Osten Deutschlands. Viele dieser Boote fahren seit mehr als 50 Jahren. Bei richtiger Pflege sind sie praktisch unverwüstlich.
Die Welt vom Faltboot aus gesehen ist eine andere. Man ist somit ein bescheidener Gast, ein sanftmütiger Beobachter der Natur – nicht ihr Bezwinger.
Bildrechte: MDR/Katrin Wenzel
Eine Herzlehne in einem Faltboot
Ein unverwechselbares Detail des Faltbootes der Firma Pouch sind die Herzchen-Lehnen. Zu einer richtigen Herzchenform-Lehne gehört ein Herzchenform-Bezug. Noch heute gilt dieses Detail als Kult unter den Faltbootfahrern. Bildrechte: MDR/Katrin Wenzel
Pouch Faltboote
Das Faltboot hat eine lange Geschichte. Seit über 100 Jahren gibt es das in Serie hergestellte Faltboot. Ein Student namens Heurich ließ sich 1905 sein erstes zerlegbares Faltboot patentieren. Später verkaufte er das Patent an den Schneidermeister Klepper. Der stellte in seiner Werkstatt 1907 das erste in Serie gefertigte Faltboot her. Bildrechte: Pouch GmbH
Pouch Faltboote
Gebaut wurde das Faltboot in der Regel von Tischlern. Im Winter fertigten sie Rodel und Skier an und im Sommer Gerüste für Faltboote. Bildrechte: MDR/Tobias Barth
Pouch Faltboote
Die verschiedenen Teile der Boote haben sämtlich spezielle Namen: Querspanten, Senten, Waschbordteile, Süllrandleisten ... Und über allem schwebt jener typische Geruch - der an unbeschwerte Kindertage und Urlaub erinnert. Ein bisschen wie Luftmatratze, Wasserpflanzen und Strand. Bildrechte: MDR/Tobias Barth
Pouch Faltboote
Alles war Handarbeit  und ist es auch heute noch. Das bekannteste Faltboot in Ostdeutschland ist der Reisezweier RZ85, 85 cm breit, 5 Meter 50 lang, Kostenpunkt damals: 500 Mark der DDR. Bis 1989 wurden jährlich 7.000 Stück produziert. Bildrechte: MDR/Tobias Barth
Pouch Faltboote
Die Luxusvariante: Das Segel-Faltboot.
Nur wenige Mutige wagten die Flucht mit dem Faltboot über die Ostsee in den Westen. Jeder, der im Sommer sein Faltboot mit an die Ostsee nahm, war verdächtig. Auf dem offenen Meer durfte sowieso nicht gefahren werden, maximal tagsüber auf dem Bodden, argwöhnisch beobachtet von Grenzsoldaten und Abschnittsbevollmächtigten.
Bildrechte: MDR/Tobias Barth
Pouch Faltboote
Die meisten Ostsee-Flüchtlinge wurden bei dem Versuch, die DDR schwimmend, paddelnd oder surfend zu verlassen, verhaftet – ca. 4500. Mindestens 174 Menschen kamen zwischen Mauerbau und Mauerfall ums Leben. Und es gibt bis in unsere Tage ungeklärte Fälle - in Kopenhagen existieren anonyme Gräber, in denen man manchen Ostseeflüchtling vermutet. Bildrechte: MDR/Tobias Barth
Das Fimenlogo von Pouch
In der Regel kennt man das "Poucher" Boot oder den "Kolibri", aber es gab noch eine Reihe von weiteren Firmen. Selbst in einer so kleinen Stadt wie Bautzen entstand in den 1920er-Jahren eine Faltbootfirma und ganz bekannt ist natürlich in Leipzig "LFB-Stern". Es gab in Sonneberg die Firma Pax, in Halle den bekannten Faltbootbauer Horst Hartung, der speziell für Sportvereine und Wettkampfsportler Kleinstserien angefertigt hat. Bildrechte: MDR/Katrin Wenzel
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Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2010, 14:01 Uhr