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Privatleben : Margot und Erich Honecker

Erich Honeckers Privatleben war in der DDR stets ein Tabu. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand lediglich seine Ehe mit der Volksbildungsministerin Margot Honecker.

Margot Honecker
Margot Honecker

Tatsächlich aber war das Liebesleben Erich Honeckers weitaus abwechslungsreicher: Insgesamt dreimal war der Staats- und Parteichef verheiratet. Eine Tatsache, die in der DDR fast wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde. "Das hatte verschiedene Gründe", sagt Ed Stuhler, der Biograf Margot Honeckers. "Der erste Grund war, dass die obersten Funktionäre der DDR sowieso stets versucht haben, ihr Privatleben im Verborgenen zu halten. Im konkreten Fall von Honecker war es so, dass er in erster Ehe mit einer nazistischen Gefängnisaufseherin verheiratet war, und da war es ganz und gar nicht opportun, darüber zu sprechen. Und die zweite Ehe hatte Honecker aus moralischen Gründen versucht geheim zu halten."

Erste Ehe mit einer Gefängniswärterin

Seine erste Frau Charlotte Schanuel hatte Honecker während seiner Haftzeit in Nazideutschland kennengelernt. Als der gelernte Dachdecker mit einem Arbeitskommando in Berlin Bombenschäden reparieren musste, war Honecker zeitweilig in einem Frauengefängnis in der Barnimstraße untergebracht. Dort traf er seine zukünftige Frau - eine Aufseherin. 1946 gaben sich die beiden das Ja-Wort. Aber bereits zwei Jahre später starb Charlotte Schanuel. Honecker selbst musste sich wegen dieser Ehe später vor seinen Genossen rechtfertigen: Wie konnte er, der kommunistische Funktionär, eine Verbindung mit einer nazistischen Aufseherin eingehen?

Sie konnte flott Maschine schreiben ...

Gerhard Schürer, Mitglied des SED-Politbüros, 2001
Gerhard Schürer, Aufnahme von 2001

Honecker war noch verheiratet, als er im Sommer 1947 auf einer Moskaureise ein Verhältnis mit der um drei Jahre älteren Edith Baumann begann. In einem Interview erzählte Honecker 1990: "Ich war damals sehr anlehnungsbedürftig. Wir haben oft zusammen gesessen, auch bei ihr zu Hause in Mühlenbeck. Außerdem konnte sie flott Schreibmaschine schreiben." Honecker war zu der Zeit Vorsitzender der neugegründeten FDJ, Edith Baumann seine Stellvertreterin.

2Ich habe mich immer ein bisschen gewundert", erinnert sich Politbüromitglied Gerhard Schürer, "weil politisch waren die natürlich ein erfahrenes Paar, aber so menschlich ... Honecker war ein junger hübscher Mann mit einer guten Figur, sie war eine ältlich wirkende Genossin."

Für Edith Baumann war Honecker die große Liebe. Im Dezember 1949 wurde sie schwanger und die beiden Funktionäre heirateten. "Die Moral und der Anstand der damaligen Zeit haben Honecker veranlasst, Edith Baumann zu heiraten", mutmaßt Klaus Herde, enger Mitarbeiter der Volksbildungsministerin Margot Honecker. "Für Honecker war es keine Liebesheirat, sondern das war 'Pflicht geht vor Kür'."

Ein hübsches junges Mädchen in Moskau

Erichs riskante Affäre mit Margot

13.05.2003, 22:08 Uhr | 01:20 min

Die Kür folgte noch in dem Monat, in dem Honecker Edith Baumann geheiratet hatte. Honecker fuhr als Mitglied einer DDR-Delegation nach Moskau, um Stalins 70. Geburtstag zu feiern. Zur Delegation gehörte auch Margot Feist. Sie war damals 22 Jahre alt und Leiterin der Pionierorganisation "Ernst Thälmann". "Margot hat mich erstmal fasziniert, weil sie ein hübsches junges Mädchen war", erinnerte sich Honecker später an ihre erste Begegnung. "Zweitens hat mich fasziniert, dass sie auch sehr aktiv tätig war in der Partei."

Erich Honecker versuchte, die Affäre mit der um 15 Jahre jüngeren Margot Feist zu verheimlichen. Aber das gelang ihm nur wenige Wochen, denn fast jeden Abend fuhr er nach Dienstschluss direkt in die Wohnung seiner Geliebten. Seine Frau Edith aber war keineswegs bereit, kampflos das Feld zu räumen. In ihrer Not schrieb sie sogar einen Brief an SED-Chef Walter Ulbricht: "Erich kommt nie vor ein Uhr nachts nach Hause und phantasiert das wildeste Zeug ..." Sie forderte Ulbricht auf, ein Machtwort zu sprechen und die junge Nebenbuhlerin in die Provinz zu versetzen.

Notfalls wieder als Dachdecker arbeiten

"Es wurde oft gesagt, dass sich Margot vor allem deshalb mit Erich eingelassen hatte, um auf diese Weise ihre Karriere zu fördern", sagt der Autor Ed Stuhler. "Aber das ist Unsinn, denn zu dieser Zeit war es für beide ein großes Risiko, so ein Verhältnis einzugehen." Und in der Tat war auch für Erich Honecker die Affäre äußerst riskant, denn sie verstieß entschieden gegen die Moralvorstellungen der Partei. Doch um mit Margot zusammen sein zu können, war er bereit, fast jeden Preis zu zahlen. In einem Brief schrieb er damals, dass er nie von ihrer Seite gehen will, notfalls würde er eben wieder als Dachdecker arbeiten. Die beiden hatten einen mächtigen Fürsprecher: Staatspräsident Wilhelm Pieck. "Er hatte einen sehr großen Anteil daran, dass das Ganze ohne Skandal abgelaufen ist", meint Gerhard Schürer. Walter Ulbricht dagegen, der die sozialistische Moral hochhielt, war entsetzt über Honeckers Liebesleben.

Politbüro genehmigt gemeinsamen Urlaub

Im Sommer 1952 befasste sich sogar das Politbüro mit der "wilden Ehe" des Genossen Honecker und der Genossin Feist: In Tagesordnungspunkt 20 wurde den beiden ein gemeinsamer Urlaub in der Sowjetunion bewilligt. Man forderte allerdings eine zügige Klärung der Verhältnisse. Honecker wohnte damals noch immer mit seiner Frau Edith und der 1950 geborenen Tochter Erika in einer gemeinsamen Wohnung. Jetzt aber war Margot Feist hochschwanger.

Die Waldsiedlung wird abgeschirmt

15.05.0003, 21:08 Uhr | 01:38 min

Im Januar 1955 willigte Edith Baumann in die Scheidung ein. Kurz darauf heiratete Erich Honecker seine Geliebte. Seine Hochzeit machte Eindruck bei den Genossen - das ganze Treppenhaus soll mit Rosen überstreut gewesen sein. Drei Jahre später zog das Ehepaar Honecker in die Politbüro-Siedlung nach Wandlitz. In ihren Biografien gaben beide allerdings später als Hochzeitsdatum das Jahr 1953 an. Margot Honecker war, so ihr Biograf Ed Stuhler, die lange Zeit der wilden Ehe äußerst peinlich.

Edith Baumann schaffte es in den 60er-Jahren bis zur Kandidatin des Politbüros der SED. Sie starb 1973 im Alter von 64 Jahren. Den Trauerzug führte Erich Honecker an.

(Zitate aus: Die Honeckers privat, Film von Ed Stuhler und Thomas Grimm, MDR 2003; Honecker und die Frauen, exakt, MDR 2003)

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2011, 14:32 Uhr

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