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Der Wandel in Ostdeutschland : Leipzig - damals und heute

Wer Leipzig heute besucht, mag kaum glauben, dass große Teile der Stadt noch vor 20 Jahren dem Verfall preisgegeben waren. "Damals im Osten" und "FAKT" blicken zurück und erinnern an eine Reportage im DDR-Fernsehen.

Stefanstraße in Leipzig gestern - heute

Trotz schwerer Kriegsschäden hat Leipzig den größten Bestand gründerzeitlicher Häuser in Deutschland. Doch die meisten Gebäude waren zu DDR-Zeiten in einem katastrophalen Zustand. Ganze Viertel mit Wohnungsbestand aus der Gründerzeit waren seit den 1970er-Jahren dem Verfall preisgegeben, sei es das Industriegebiet Plagwitz, das Musikviertel oder das Waldstraßenviertel. Die Baukapazitäten in der Stadt waren viel zu gering, um den Verfall aufzuhalten zu können.

Plattenbauten statt Gründerzeitvillen

Sämtliche verfügbaren Bauleute waren im Neubauprogramm eingebunden, um Honeckers ehrgeiziges Ziel zu realisieren. "Jedem eine eigene Wohnung", hieß die Devise. Von 1973 an wurden in höchstmöglichem Tempo in allen Bezirken der DDR an den Stadträndern Neubaugebiete in Großplatten-Bauweise errichtet. Den Preis dafür zahlten die Altstädte. "Ruinen schaffen ohne Waffen" hieß diese absurde Politik bei der Bevölkerung.

Eine Reportage rüttelt auf

Am 6. November 1989 wurde der erschreckende Zustand der Leipziger Altbausubstanz zum ersten Mal im DDR-Fernsehen thematisiert. Auf dem Sendeplatz des abgesetzten "Schwarzen Kanals" lief in der Reportagereihe "Klartext" der Film "Ist Leipzig noch zu retten?". Die Reportage rüttelte nicht nur die Verantwortlichen in der Messestadt wach. Die Stadtverordneten zogen daraufhin die Kompetenz für das Bauwesen in der Messestadt komplett an sich, Berlin hatte nichts mehr zu sagen. Der kritische Bericht ermunterte aber auch andere Fernseh- und Rundfunkreporter, die Realität in der DDR fortan ungeschminkt darzustellen.

Den Wandel zeigen

Der Leipziger Fotograf Armin Kühne.
Der Leipziger Fotograf Armin Kühne

In den 1980er-Jahren beginnt der Fotograf Armin Kühne den Verfall Leipzigs mit der Kamera festzuhalten. "Bei vielen Gebäuden, die ich damals fotografierte, glaubte ich nicht, dass die jemals neu entstehen könnten: Die Dächer waren kaputt, an den Fassaden war kaum noch Putz, und in den Wohnungen breitete sich der Schimmel aus. Ich dachte eher, ich mache noch ein Foto, bevor die Abrissbirne kommt. Und ich bewundere heute noch den Mut der Bauherren und Architekten, aus dieser Substanz wieder bewohnbare und nutzbare Gebäude geschaffen zu haben, in denen sich die Menschen wohlfühlen." Nach 1990 dokumentierte er die Veränderungen und veröffentlichte seine Fotos u.a. in dem Buch "Leipzig im Wandel".

Bildergalerie: Leipzig - damals und heute

Barfußgäßchen/Ecke Dittrichring in Leipzig gestern – heute Stefanstraße in Leipzig gestern - heute Unibibliothek in Leipzig gestern – heute

Der Leipziger Fotograf Armin Kühne begann in den 1980er-Jahren, den Verfall in Leipzig festzuhalten. Hier sehen Sie einige Bilder von damals - und heute. [Bilder]


Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2011, 08:54 Uhr

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