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Vereinsgeschichte : Aue - Fußball, Fans und Traditionen

Wismut Aue hatte in der DDR einen legendären Ruf. "Schalke des Ostens" wurde die Traditionsmannschaft aus dem erzgebirgischen Bergmannsrevier, die 39 Jahre in der Oberliga kickte, von den Fans genannt.

Spieler des FC Erzgebirge Aue bedanken sich vor Spielbeginn mit einem Transparent bei ihren Fans

Es waren die fünfziger Jahre, als die BSG Wismut Aue ihre größten Erfolge feiern konnte. Dreimal – 1956, 1957 und 1959 - wurde die Mannschaft DDR-Meister, 1955 FDGB-Pokalsieger. Im Cup der Landesmeister – der heutigen Champions League - bestritt die Truppe insgesamt 16 Spiele, die Gegner hießen unter anderen Rapid Wien, Young Boys Bern, Glenavon Belfast, IFK Göteborg oder Ajax Amsterdam. 1958 erreichten die Erzgebirgler immerhin das Viertelfinale.

"Der Tell vom Lößnitztal"

02.10.1998, 19:30 Uhr | 01:11 min

Und in ihren Reihen standen damals auch zwei Spieler, denen Fachleute Weltniveau bescheinigten – Spielmacher Manfred Kaiser und Mittelstürmer Willy Tröger, der im Zweiten Weltkrieg eine Hand verloren hatte. "Der einhändige Tröger – einer der besten Mittelstürmer Europas!", schrieben englische Zeitungen nach dem 2:1-Sieg der DDR-Nationalelf gegen Wales in der WM-Qualifikation 1957. Und auch der Kaiserslauterer Horst Eckel, Weltmeister von 1954, lobte nach einem Freundschaftsspielspiel seines Vereins gegen Wismut Aue im Leipziger Zentralstadion: "Dieser Tröger ist ja internationale Klasse!"

Unter anderem Namen

Spielen musste Wismut Aue in seinen "goldenen Fünfzigern" allerdings unter einem anderen Namen - als SC Wismut Karl-Marx-Stadt. 1954 war eine sogenannte "Sportclubbildung" beschlossen worden. Die Formel hieß fortan: Zentralisierung. In den Großstädten der DDR hatten auf Geheiß der SED und ihrer Sportfunktionäre schlagkräftige "Sportclubs" zu entstehen, die die Republik würdig im Ausland vertreten können. Und so musste die erzgebirgische Kleinstadt Aue ihre Fußballmannschaft, die die Oberliga in jenen Jahren nach Belieben dominierte, in die Bezirkshauptstadt Karl-Marx-Stadt abgeben.

Bildergalerie: Berühmte Spieler der BSG Wismut Aue

Karl und Siegfried Wolf Heinz Satrapa, Fußballer bei Wismut Aue Konrad Schaller, Fußballer bei Wismut Aue

Wismut Aue hatte in der DDR einen legendären Ruf. Die Fans sprachen über die Mannschaft als "Schalke des Ostens". [Bilder]


Die Fans, darunter etliche Arbeiter der "Wismut", des größten Uran-Produzenten der Welt, protestierten vorsichtig gegen den Beschluss aus dem fernen Berlin und gaben listig an, dass sich der Umzug ihrer Mannschaft nachteilig auf ihre Arbeitsmoral auswirken könne. Denn die Heimspiele ihrer Truppe waren so ziemlich die einzige Unterhaltung, die die Stadt zu bieten hatte. Dieses Argument zog. Und so wurde die Mannschaft zwar umbenannt, sie durfte ihre Heimspiele aber weiterhin im heimischen Otto-Grotewohl-Stadion, dem von den Gegnern gefürchteten "Krater", austragen.

Die besten Jahre sind vorbei

Ab 1964 spielte die bis dahin erfolgreichste Fußballmannschaft der DDR wieder unter ihrem "richtigen" Namen und bekam sogar neue lilafarbene Trikots, die den Spielern den Beinamen "die Veilchen" einbrachten. Doch Wismut Aue hatte die besten Jahre hinter sich. Die Stars waren alt geworden, hatten ihre Karriere beendet oder sich zukunftsträchtigeren Clubs angeschlossen. Spitzenspieler konnte sich die Betriebssportgemeinschaft nicht mehr leisten. Die privilegierten Fußballzentren lagen jetzt in Leipzig, Berlin, Jena, Dresden oder Magdeburg. Und die Mannschaften aus diesen Städten sollten in den kommenden 25 Jahren den Kampf um den Meistertitel mehr oder weniger unter sich ausmachen. Für Wismut Aue blieben nur noch Plätze im unteren Mittelfeld. Von Stars und internationalen Spielen konnte man in Aue nicht einmal mehr träumen.

"Schalke des Ostens"

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15.10.1989, 15:00 Uhr | 05:21 min

Kampfgeist, Einsatzbereitschaft und Zweikampfhärte – das waren nunmehr die Tugenden von Wismut Aue. Und die passten auch irgendwie zum Image eines Malocherclubs aus der Provinz, in dessen Umgebung sich alles um den Bergbau drehte. "Schalke des Ostens" wurde Wismut von den Fußballfans in der DDR anerkennend genannt. Und wenn die Elf auch nie wieder etwas mit dem Ausgang der Meisterschaft zu tun hatte, in Aue hielt man sich stattdessen zugute, noch nie abgestiegen zu sein und als einzige Fußballmannschaft seit Anbeginn der Oberliga anzugehören. Vor Punktspielen im Auer "Krater" mit seinen begeisterten Fans fürchteten sich jedenfalls noch jedes Jahr selbst die Spitzenclubs der Republik.

1989 aber verlor die Truppe aus dem Bergmannsrevier den Kampf um den Abstieg. Nach 39 Jahren in der höchsten Spielklasse mussten "die Veilchen" runter in die Liga. Aber das spielte eigentlich auch schon keine Rolle mehr. Denn ein Jahr später begann für Wismut Aue wie für alle anderen Fußballclubs der DDR ein anderes Spiel: das ums nackte Überleben.

Eine Amateurtruppe

Im vereinigten Deutschland ging Wismut im Amateurbereich, in der Oberliga Nordost-Süd, ins Rennen. Ein Jahr später fehlte der Elf nur ein einziges Tor im entscheidenden Relegationsspiel, um in den bezahlten Fußball zu gelangen. Wismut Aue blieb im Amateurlager und dann stieg auch noch die Wismut GmbH aus dem Sponsoring des Vereins aus. Doch die Club-Verantwortlichen fanden einen Konsens mit dem Kreis Aue-Schwarzenberg über eine solide Anschubfinanzierung des 1993 in Erzgebirge Aue umbenannten Vereins. Anders als bei vielen anderen Clubs im Osten verlor man in Aue vor lauter sportlichen Ambitionen das Thema Geld nicht aus den Augen.

2. Bundesliga – "größter Erfolg des Vereins"

Spieler des FC Erzgebirge Aue bedanken sich vor Spielbeginn mit einem Transparent bei ihren Fans
MDR FIGARO

Erzgebirge Aue in der 2. Liga

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Und das Konzept schien tatsächlich aufzugehen. Zehn Jahre später, 2003, stieg Erzgebirge Aue in die Zweite Bundesliga auf. "Es ist der größte Erfolg des Vereins", jubelten Präsidium und Fans, die ihrem Verein unverdrossen die Treue gehalten hatten. Und Erzgebirge Aue, stets als Abstiegskandidat gehandelt, vermochte die Klasse zu halten: In vier Spielzeiten wurden solide Mittelfeldplätze belegt. 2007 aber ging es wieder bergab – in die 3. Liga. 2010, nach zwei Spielzeiten, gelingt jedoch ein souveräner Wiederaufstieg. Und in der Kreisstadt am Fuße des Erzgebirges wurde gefeiert, als hätte man die Meisterschaft errungen. Denn immerhin konnte Aue - neben Hansa Rostock, Union Berlin, Energie Cottbus - im hart umkämpften und von westdeutschen Traditionsclubs dominierten Profifußball einigermaßen Fuß fassen.

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2010, 12:00 Uhr

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