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Die Kuba-Orange : "Fidels Rache"

Außen grün, innen strohig und voller Kerne – kurz: die Kuba-Orange. Diese karibische Frucht stellte die Freundschaft zwischen der DDR und dem exotischsten sozialistischen Staat auf eine harte Bewährungsprobe. Doch war dies sicher kein böser Wille: Die Kuba-Orange war eine prima Saft-, aber eben keine Speiseorange.

Das Karibik-Feeling wollte sich einfach nicht einstellen beim Verzehr der tennisballgroßen Früchte aus der kubanischen Republik. Noch heute reagieren Ostdeutsche reflexartig auf das Stichwort "Kuba-Orange": "Diese grünen, unreifen Dinger", so die Mitglieder der Band "Karat". "Die kriegtest du ja gar nicht aus der Schale raus. Das war eine Zumutung für alle Beteiligten", meint Kabarettist Tom Pauls. "Wenig Saft, aber viele Kerne", ist der Kommentar von Entertainer Gunther Emmerlich.

Nicht süß, aber vitaminreich

Die Apfelsinen aus dem kubanischen Freundesland eigneten sich weder zum Schälen, noch konnte man sie scheibchenweise essen. Deshalb bekamen sie auch bald den boshaften Beinamen "Fidels Rache", wie sich Kabarettist Bernd-Lutz Lange erinnert. Und trotzdem war man froh, wenn man vor Weihnachten im HO-Geschäft eine Tüte Kuba-Orangen bekam. Wenn die grünen Kugeln schon nicht süß und saftig schmeckten, so hoffte man doch zumindest auf einen hohen Vitamingehalt.

Die Südfrüchte kommen

Außen grün, innen strohig und voller Kerne – kurz: die Kuba-Orange. Diese karibische Frucht stellte die Freundschaft zwischen Kuba und der DDR auf eine harte Bewährungsprobe.

15.05.2007, 20:15 Uhr | 00:51 min

Falsches Klima

Um Devisen für Südfrüchte zu sparen, hatte die DDR ein Handelsabkommen mit dem karibischen Bruderstaat getroffen. Darin war vereinbart worden, dass die Deutsche Demokratische Republik 15 Zementfabriken nach Kuba liefert und Havanna sich dafür mit Südfrüchten revanchiert. Doch die ganze Sache hatte einen kleinen Schönheitsfehler, und der lag in der Natur der Sache. In Kuba wachsen aufgrund der klimatischen Bedingungen schlicht und einfach keine Speiseorangen, wie man sie aus Spanien oder Nordafrika kennt.

"Mit den kubanischen Orangen hat sich die DDR-Bevölkerung nie richtig anfreunden können. Als Saftorangen waren sie prima. Aber als Speiseorangen hielten sie dem Vergleich mit den spanischen und marokkanischen Apfelsinen nicht stand."

Dietrich Lemke
ehemaliger stellvertretender Außenhandelsminister der DDR

Karibik im Wohnzimmer

Auch die Limetten aus Kuba kamen nicht gut an, musste der Wissenschaftler Wilfried Dathe aus Halle 1987 feststellen: "Es ist bedauerlich, dass die Verbrauchergewohnheiten des DDR-Bürgers noch auf die gelbe Zitrone geprägt sind, zumal die Limette in der Dünnschaligkeit und der Saftqualität der herkömmlichen Zitrone eindeutig überlegen ist." Wenn die Kuba-Orangen schon nicht geschmacklich für Urlaubsfeeling sorgten, so ließen sich dank der vielen Kerne zumindest zahlreiche Orangenbäumchen züchten, die wenigsten einen Hauch Karibikflair in die DDR-Wohnzimmer zauberten.

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2011, 15:44 Uhr

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