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Ein Leben für die Politik : Gregor Gysi wird 65!

Die Linke ist ohne Gregor Gysi nicht vorstellbar: Seit 22 Jahren hüpft er auf dem politischen Parkett der Bundesrepublik. Als Parteichef, als Fraktionsvorsitzender, aber vor allem als Querdenker, Antreiber und Politiker mit Humor. Manch einen kann er zur Weißglut bringen, andere zum Lachen. Trotz seiner nun 65 Jahre kann sich Gysi ein Leben ohne Politik noch nicht vorstellen. Aber wenn es soweit ist, gibt er Bescheid.

von Silke Engel, ARD-Hauptstadtkorrespondentin in Berlin

Linke-Parteichef Gregor Gysi spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei zur Landtagswahl.

Fraktionsklausur vergangene Woche in Hannover. Die Debatte erschöpft sich in Details, als Gregor Gysi kurz das Podium verlässt. Vor den Journalisten ganz hinten im Raum stolziert er auf und ab mit seinem typisch-verschmitzten Gesichtsausdruck: Demonstrativ schnürt Gysi seinen Gürtel enger. Die Anzugjacke schlackert schon. Gut zehn Kilo hat Gysi in recht kurzer Zeit abgespeckt, das stellt er gerne zur Schau. Auch mit seiner Größe kann er humorvoll umgehen: "Ich finde, dass das Pult ein wenig demütig heruntergeschraubt wurde. Nur weil ich ein Jahr älter bin, bin ich ja nicht kleiner."

Ans Aufhören denkt er nicht

Obwohl der Fraktionschef der Linken immer mal wieder verzweifelt ist - an seiner Partei, an Ungerechtigkeiten wie der Tatsache, dass er und seine Mitstreiter nach wie vor vom Verfassungsschutz beobachtet werden - trotz alledem kann Gregor Gysi von der Politik nicht lassen. Rente bleibt für ihn ein Fremdwort: "Aber abgesehen davon, wissen Sie, dass man in der Politik um einiges länger arbeiten kann. Da will ich gar nicht an Konrad Adenauer erinnern. Aber eines verspreche ich: Bevor ich im Bundestag herumdödele, da bin ich weg." Der Schalk im Nacken ist sein Markenzeichen, aber Gregor Gysi kann auch komplexe Politikinhalte ganz einfach erklären. Darum gilt er in Wahlkämpfen als Zugpferd. Und im Bundestag ist er oft für einen Lacher zu haben, ohne dass er respektlos auftritt: "Lieber Herr Präsident, eine Bitte. So nett es mit Ihnen ist, aber dass wir hier beide lebenslänglich zubringen müssen, sollten wir nicht zulassen, also schaffen Sie wenigstens ein grundgesetz-gemäßes Wahlrecht, das ist doch nicht zu viel verlangt."

Was Weggefährten an ihm schätzen

Sechs Legislaturperioden hat Gysi bisher im Bundestag zugebracht. Davor saß er in der Volkskammer der DDR. Politik und Gysi mit seiner runden Nickelbrille - das gehört zusammen, meint Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Linken: "Was ich an ihm schätze, ist seine Zielstrebigkeit, seine Hartnäckigkeit und sein Redetalent. Er ist einer, der begeistern kann." Aber er kann auch stur sein, wenn er als Häuptling auf der Bühne ganz vorne kämpft, andere aus dem Team nur langsam an sich heranlässt wie Fraktions-Vize Sahra Wagenknecht oder den Stoß damals in den Rücken von Dietmar Bartsch, damit die Stimmung zwischen Gysi und Oskar Lafontaine nicht getrübt wird. "Wissen Sie, es ist so, ich bin eitel, aber ich beherrsche meine Eitelkeit und werde nicht von ihr beherrscht."

Gefeiert wird doppelt

Manch einer fragt dennoch: Was bleibt Gregor Gysi, wenn er die politische Bühne tatsächlich mal verlässt? Gute Gespräche bei gutem Essen, intellektuelle Debatte. Ob die jedoch ohne Publikum genauso viel Spaß machen? Dagmar Enkelmann wünscht Gysi: "Ganz, ganz viel Gesundheit, da hat er in den letzten Jahren auch gelitten. Und dass er uns noch sehr, sehr lange erhalten bleibt und wieder sein persönliches Glück findet." Ob Herzinfarkt, Hörsturz oder diffizile Gehirn-Operation - all das hat Gregor Gysi in den vergangenen Jahren nicht ruhiger gemacht. Er bleibt der quirlige Ideengeber und so soll er für die Linke weiter aktiv sein, meint Caren Lay: "Ich wünsche ihm viel Energie, viel Tatkraft und dass ihm die Ideen nicht ausgehen, aber da bin ich mir bei ihm ganz sicher." Gefeiert wird jedenfalls doppelt, auf der Fraktionsebene und dann noch mal privat. Mit Überraschungsgästen, Kabarett und ganz viel Politik.

Lammert und Gregor Gysi
MDR INFO

Rente ist für Gregor Gysi ein Fremdwort

Er ist wohl der prominenteste Linken-Politiker und wenn er ans Rednerpult tritt, wirds unterhaltsam.
Doch ans Aufhören denkt er auch mit 65 lange nicht. Silke Engel sagt, warum.

16.01.2013, 05:00 Uhr | 03:08 min

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2013, 06:07 Uhr

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