Damals im Osten

Lexikon : Parteisekretär

In volkseigenen Betrieben fiel keine Entscheidung ohne die SED. Der Parteisekretär, oft hauptamtlich angestellt und gut bezahlt, galt als zweiter Betriebsdirektor. Praktisch war er dem staatlichen Leiter als Aufpasser zur Seite gestellt. Der nämlich, meist selbst SED-Mitglied, war nicht nur seinem Ministerium, sondern auch der übergeordneten Parteileitung rechenschaftspflichtig. Die Drähte und Finger der SED reichten bis in die kleinste Abteilung eines VEB. Ihre Residenten dort hießen Abteilungsparteiorganisatoren oder Parteigruppenorganisatoren.

Unter dem Motto "Wo ein Genosse ist, da ist die Partei" verlangte sie von allen Genossen, Vorbild zu sein. Das galt für Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft ebenso wie für das Verbreiten erwünschter Argumente - beispielsweise in der Plandiskussion. Doch auch der parteilose Kollege blieb nicht sich selbst überlassen. Deshalb spielten sich SED und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund die Bälle zu. Die Parteileitung gab die Vorlagen, die Gewerkschaftsleitung verwandelte die Pässe wunschgemäß: Als Transmissionsriemen der Partei sorgte der FDGB dafür, dass SED-Beschlüsse einen demokratischen Anstrich erhielten und verwirklicht wurden.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2010, 13:17 Uhr

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