Damals im Osten

Lexikon : Neuererbewegung und Messe der Meister von Morgen

Ob "Messe der Meister von Morgen" oder betriebliche "Neuererbewegung" – kein kreatives Talent sollte in der DDR verloren gehen.

Jugendliche in FDJ-Kleidung an einem Computer auf der Messe der Meister von morgen (MMM) in Berlin (Ost), aufgenommen 1988.
Junge FDJler an einem Computer auf der "Messe der Meister von Morgen" (MMM) in Ost-Berlin 1988.

Die Jugend der DDR sollte nicht allein für den Sozialismus gewonnen, sondern auch zu wissenschaftlich-technischen Höchstleistungen animiert werden. Seit Oktober 1958 wurde daher alljährlich die "MMM", die "Messe der Meister von Morgen" in Leipzig veranstaltet. "Besuch die Messe der Meister von Morgen, ob Schüler, Student oder Ingenieur, hier zeigt sich der Lehrling als Konstrukteur", heißt es in einem FDJ-Lied aus diesen Jahren. Im Rahmen der "MMM" – in etwa vergleichbar dem bundesdeutschen Pendant "Jugend forscht" - forschten Schüler oder Klassenkollektive zu einem bestimmten Thema. Das konnte die "Darstellung der Fischotternachweise im Kreis Bischofswerda" sein, für die beispielsweise eine Schulklasse eine Urkunde für die "effektive Mitarbeit an der Aktion Fischotter" erhielt, aber auch die Erfindung eines Computers mit einem einfachen Schreibprogramm, den zwei Schüler aus Thüringen Mitte der 1980er-Jahre präsentierten. 1982 wurde von einem FDJ-Kollektiv die Idee geboren, anstelle von Benzin Erdgas als Kraftstoff einzusetzen. Die Erfindung wurde auf der "MMM" präsentiert und kurz darauf auch realisiert – die erste Erdgastankstelle der DDR eröffnete in Stralsund.

Von der Sowjetunion lernen ...

In den Betrieben und Kombinaten der DDR sorgte sich seit Mitte der 1950er-Jahre die Neuererbewegung um das kreative Potential der Werktätigen der DDR. Als Vorbild diente dabei die sowjetische Neuererbewegung und vor allem der Bergmann Alexej Stachanow, der 1935 im Donbass-Kohlenrevier mit einem von ihm selbst entwickelten neuartigen Presslufthammer in einer legendären Schicht die Norm um ein Vielfaches überboten hatte.

Arbeiter und Angestellte in den "Volkseigenen Betrieben" wurden ständig angehalten, Verbesserungsvorschläge zu machen. Dabei ging es für gewöhnlich um die Rationalisierung von Produktionsabläufen, um Verbesserungen an vorhandenen Maschinen oder um bessere Produktionsbedingungen im Allgemeinen. Ziel war die Einsparung von Ressourcen und Arbeitszeit.

Der Verbesserungsvorschlag - das Patent des kleinen Erfinders

Verbesserungsvorschläge galten gemeinhin als das Patent des kleinen Erfinders. Tatsächlich verwirklichte Vorschläge wurden von den Betrieben und Kombinaten prämiert. Der Gewinn für den Neuerer errechnete sich dabei aus dem Nutzen, den seine Erfindung dem Betrieb einbrachte. Zusätzlich gab es Pluspunkte im "sozialistischen Wettbewerb" und für besonders fleißige Neuerer die Auszeichnung "Verdienter Erfinder der DDR".

Zwist in den Kollektiven

Die Neuerungen führten mitunter aber auch zu Verwerfungen innerhalb der Arbeitskollektive – Abläufe, an die man sich gewöhnt hatte, mussten aufgegeben werden. Manchmal wurden von der Betriebsleitung nach einem verwirklichten Neuerervorschlag aber auch die Normen heraufgesetzt, was konkret bedeutete: Die Arbeiter mussten mehr leisten oder Lohneinbußen hinnehmen.

Die Planwirtschaft und ihre Folgen: Mangel macht erfinderisch

Geht nicht, gibt's nicht: Ein Werbespruch von heute, der eigentlich aus der DDR stammen müsste. Denn im Reich des Mangels liefen Tüftler und Bastler zur Höchstform auf ... [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2011, 17:04 Uhr

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