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Der sozialistische Realismus brauchte auch Unterhaltungsmusik, für die leichte Muse bzw. "naive Kunst" begann eine Gratwanderung zwischen den geforderten sozialistischen Normen und der (populäreren) westlichen Unterhaltungsszene.

Die Puhdys, 1981

Die westliche Popmusik hatte via Radio und Fernsehen schnell Anhänger im Osten gefunden, notgedrungen brauchte auch die DDR Musik in dieser Richtung – auch wenn Ulbricht das "Yeah Yeah Yeah" zutiefst zuwider war. Man regulierte dann aber rigoros die Musiker über sogenannte Spielscheine (Erlaubnis für Auftritte, siehe Quelle 3 im Arbeitsauftrag 1) oder auch eine Repertoire-Regel, welche ein Übermaß an englischsprachigen West-Titeln verbot.

Eine Rockband als Beatles-Ersatz der DDR

In den siebziger Jahren dominierten die Puhdys die Popszene der DDR. Nach bescheidenen Anfängen (Freiberg 1969) gelang ihnen Anfang der Siebziger im Gefolge der Honecker-Frühphase (siehe Historischer Kontext) der große Aufstieg und bald auch die gefragte Erlaubnis, auf West-Tournee zu gehen. War die Band zur Staats-Kapelle geworden (Quelle 5 in Arbeitsauftrag 2)?

"Uns hat nie jemand etwas vorgeschrieben, sondern es wurden lediglich bestimmte Dinge abgelehnt."

aus: Wicke/Hannover (Hg): Puhdys – eine Kultband aus dem Osten, Hannover 1994, S.148)

Seit ihrem fulminanten Beitrag von 1972 zum DDR-Filmerfolg "Die Legende von Paul und Paula" (Quelle 8 in Arbeitsauftrag 4) waren die Puhdys ein Teil des Systems geworden, die konsequente Nischenfunktion der ihrer Texte (mit Anspielungen und Botschaften "zwischen den Zeilen" siehe Quelle 6 und Quelle 7) war auch für weniger linientreue Jugendliche akzeptabel. Die Funktionäre hatten übrigens 1972/73 noch Vorbehalte zum Plenzdorf-Film gehabt, welcher kurz vor einem Verbot stand. Auch der Text zum Filmsong "Wenn ein Mensch lebt" wurde argwöhnisch kontrolliert – biblische Bezüge (Hohelied Salomo) waren wenig genehm.

2001 texteten die Altrocker – die Puhdys waren nach ihrer Auflösung 1989 im Zuge der Ostalgie-Welle wieder aktiv - in einer Song-Rückschau: "arbeiter- und bauernstaat, city, puhdys und karat, überbleibsel der antike, sozialistische Musike. ("Stars", auf CD-Booklet "zufrieden?", BMG 2001)"

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2010, 16:48 Uhr

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