Damals im Osten

Klaus Urbanczyk im Interview : "Wir waren immer zu dünn besetzt"

Spektakuläre Siege und Titel errangen die Kicker vom Halleschen FC nur selten. Meist hielten sie sich im Mittelfeld der Tabelle auf und waren froh, nicht abzusteigen. Ein Gespräch mit der halleschen Fußballlegende Klaus Urbanczyk.

Klaus Urbanczyk

Welche Rolle spielte der HFC in der Oberliga der DDR?

Wir haben da eine mittelmäßige Rolle gespielt, sind auch ab und an mal abgestiegen in die Liga. Immerhin waren wir aber auch mal Pokalsieger, das war 1961. Wir hatten aber auch mal den 3. Platz in der Oberliga belegt, das war 70/71, womit wir uns qualifizierten für den Europapokal. Das war die beste Platzierung des HFC in der DDR-Meisterschaft.

Die Erinnerung an den Europapokal 1970 verbindet sich weniger mit dem Spiel gegen den PSV Eindhoven, als mit dem Brand in dem Hotel in Eindhoven, in dem die Mannschaft des HFC untergebracht war. Ein Spieler des HFC kam damals gar ums Leben… 

Das hatte - neben dem tragischen Geschehen insgesamt - auch sportliche Auswirkungen: Wir waren nach einem Remis im Hinspiel nicht chancenlos nach Eindhoven gefahren. Wir wollten dort unbedingt was reißen. Aber das ist ja dann nicht mehr zustande gekommen. Wir reisten ab, Eindhoven kam in die nächste Runde.

Warum aber blieben die großen Erfolge weitestgehend aus?

Die Spitzenteams in Magdeburg, Jena, Dresden oder Berlin konnten sich ständig verstärken und die besten Spieler zusammensuchen aus der ganzen Republik. Wir haben uns immer nur aus dem eigenen Nachwuchs die Leute herangezogen. Aber um ganz oben mitzuspielen, waren wir zu dünn besetzt mit guten und sehr guten Fußballern. 

Eine Ausnahme waren der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft Bernd Bransch und Sie, Herr Urbanczyk. Sie haben stets in Halle gespielt. Warum eigentlich?

Es gab durchaus Angebote, auch aus dem Westen, in den sechziger Jahren. Das waren schon sehr lukrative, verlockende Angebote. Da wurden schon Summen genannt, das war richtig Kohle, wo ich schon anfing zu klappern. Aber für mich kam das nie in Frage, meine Familie hätte ich nie im Stich gelassen. Aber es gab auch Forderungen aus dem Umfeld der Nationalelf. Der damalige Nationalmannschaftstrainer Karoly Soos hatte immer gesagt: Klaus, du musst höher klassig spielen. Es kann nicht sein, dass ein Nationalspieler in der zweiten Liga oder dem unteren Mittelfeld der Oberliga spielt. Ich habe einen Wechsel aber immer abgelehnt. Und Soos sagte: Na, dann musst du immer sehr, sehr gut spielen. Sonst spielst du nicht mehr bei mir. Und ich war immer furchtbar stolz darauf, mein Leben lang beim selben Verein gespielt zu haben. 

Die beiden HFC-Spieler Norbert Nachtweih und Jürgen Pahl flohen 1976, als sie mit der U21-Nationalelf in der Türkei spielten, in den Westen. Welche Auswirkungen hatte deren Flucht?

Die politischen Gremien haben natürlich die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Als die beiden abgehauen waren, gab's eine politische Schulung nach der anderen. Aber rückgängig konnte man das ja nicht machen. Da war ein Heidenchaos hier.

Norbert Nachtweih
MDR FERNSEHEN

"Warum soll man' s nicht mal woanders versuchen?"

Norbert Nachtweih setzte sich 1976 bei einem Spiel in der Türkei in den Westen ab. "Es war ein spontaner Entschluss", sagte Nachtweih, der u.a. mit Bayern München erfolgreich war.

18.12.2002, 12:00 Uhr | 01:35 min

Ende der achtziger Jahre blühte der HFC plötzlich auf. In der letzten Oberligasaison wurde die Mannschaft sogar Vierter und qualifizierte sich damit für die 2. Bundesliga...

Das waren schon Leute dabei, die Fußball spielen konnten. Rene Tretschok und natürlich Darius Wosz … Aber Wosz wurde dann ja 1992 verkauft in der Hoffnung, dass Geld in die Kasse kommt, um vielleicht noch weiter vorwärts zu kommen. Aber das Gegenteil trat ein. Man konnte sich nicht mehr halten.

Halle stieg ab und rutschte immer weiter herunter…

Halle hatte fast immer erstklassigen, also Oberliga-Fußball gesehen. Nun spielen wir seit Jahren in der 4. Liga ...

Wie verwurzelt ist der Verein in der Region überhaupt?

Halle hatte und hat einen festen Fan-Stamm. Und nachdem wir das neue Stadion haben, haben wir auch wieder viele Zuschauer, 13.000 im Schnitt. Also die Hallenser haben den Fußball wieder richtig angenommen. So wie das früher war, als es an den Wochenenden nur ein Ziel gab: ins Stadion.

Welche Perspektive sehen Sie für den HFC?

Realistisch ist für meine Begriffe mittelfristig die 3. Liga. Wenn man dort erst einmal Fuß gefasst hat, kommen ja Gelder rein, um sich verstärken zu können. Also unsere nahe Zukunft sollte in der 3. Liga sein, aber das wird schwer genug werden.

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2012, 16:20 Uhr

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