Damals im Osten

Musikgeschichte | 31. Oktober 1965 : Der Leipziger Beataufstand

Aus Protest gegen das Verbot von 44 Beatgruppen versammelten sich 1.000 Jugendliche am 31. Oktober 1965 zu einer Beatdemo in Leipzig. Die Polizei löste die Demo mit Wasserwerfern auf, die E-Gitarren blieben stumm.

von Kathrin Aehnlich

Es ist der 31. Oktober 1965, ein Sonntag in Leipzig, der unrühmlich in die Musikgeschichte des Landes eingehen soll. Noch zwei Jahre zuvor hat das Parteiorgan "Neues Deutschland" Tanz als Ausdruck "legitimer Lebensfreude und Lebenslust" propagiert. Der Höhepunkt der neuen Offenheit ist das "Deutschlandtreffen" während der Pfingsttage 1964 in Ost-Berlin. Die Mauer im Rücken gestattet der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht seiner Jugend Tanz auf allen Straßen.

"Man begriff natürlich, dass, wenn man die Jugend gewinnen will, auch das annehmen muss, was die Jugend bewegt und begeistert", sagt der damalige Jugendfunktionär Hans Modrow. Und so finden Amateur-Bands aus allen Teilen der Republik in Berlin ihr Publikum. Ob das "Diana Show Quartett" mit Frontmann Achim Mentzel oder die "Butlers" aus Leipzig – die Fans sind begeistert.

Die "Butlers" unter Beobachtung

In der Leipziger SED-Bezirksleitung aber, das wissen alle Musiker, sitzen "die größten Betonschädel". In einem "Sachstandsbericht zur operativen Bearbeitung der Kapelle "The Butlers" vom 9. September 1964 wird vorgeschlagen, "die Kapelle sowie die jugendlichen Gruppen, welche laufend Tanzabende dieser Kapelle besuchen, in die operative Bearbeitung zu nehmen".  Doch auch in Berlin gibt es Gegner der neuen Jugendpolitik. Vor allem der Verantwortliche für Sicherheitsfragen, Erich Honecker, wendet sich gegen Ulbrichts neues Musikverständnis. Vorerst noch ohne Erfolg.

Die Kulturpolitiker bescheren dem Land mit "DT 64", benannt nach dem DeutschlandTreffen der Jugend 1964, eine eigene Jugendwelle und die DDR-Plattenfirma "Amiga" presst zwei "Big Beat Sampler" mit Instrumentaltiteln vieler Amateurbands, darunter auch der "Butlers". In Leipzig wird darauf mit Unverständnis reagiert. So schätzt ein Funktionär der "Ideologischen Kommission der FDJ-Leitung der Stadt Leipzig" ein, dass Beatmusik "nicht zu einer positiven Erziehung der Jugend beiträgt. Ihm sei unverständlich, dass eine derartige Kapelle die Spielerlaubnis erhalten habe."

Dokumente: Die "Butlers" im Spiegel der Sicherheitsorgane

BStU-Dokumente zu den "Butlers" BStU-Dokumente zu den "Butlers" BStU-Dokumente zu den "Butlers"

Klaus Renfts Bands waren mehr verboten als erlaubt. Nach dem endgültigen Verbot der "Butlers" tourte er mit den "Leipziger Sängerknaben" durch die Lande. Ärger mit den Kulturbehörden war stets garantiert. [Bilder]


Literaturtipps

Lindner, Bernd: DDR Rock & Pop. Komet, Köln 2008 (nur antiquarisch)

Rauhhut, Michael: Beat in der Grauzone. DDR-Rock 1964 bis 1972 – Politik und Alltag. BasisDruck, Berlin 1993 (nur antiquarisch)

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